Wie Unternehmen vom Export-Aufschwung profitieren

Produkte "made in Germany" werden wieder verstärkt nachgefragt. Im Sommer 2010 meldete das Statistische Bundesamt: Von Januar bis Juli 2010 sind die deutschen Exporte um gut 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Die schnelle Export-Erholung ist vor allem der hohen Nachfrage aus China geschuldet. Exportorientierte Unternehmen müssen bei der Abwicklung ihrer Exportgeschäfte einiges beachten: Unternehmensinterne Prozesse und Strukturen im Bereich Außenhandelsfinanzierung sind häufig hochkomplex. Hier müssen Unternehmen den Überblick behalten, sagt PwC-Experte Dr. Olaf Graf.

Deutschland exportierte im ersten Halbjahr 2010 Waren im Gesamtwert von 541,3 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2009 waren es nur 457,6 Milliarden. Wichtiger Treiber dieser positiven Entwicklung ist die hohe Nachfrage nach deutschen Autos im Ausland. Dabei fällt auf: Traditionelle Abnehmer deutscher Waren – Länder der Eurozone und die USA – verlieren als Handelspartner an Bedeutung. Die Nachfrage der krisengeschüttelten Spanier, Griechen und Irländer ist gering. Die wichtigsten Abnehmer liegen weiter im Osten: Insbesondere China wird für das Wachstum der deutschen Exportwirtschaft immer wichtiger. Waren im Wert von über 25 Milliarden Euro exportierten deutsche Unternehmen in der ersten Jahreshälfte in die Volksrepublik China.

Exporte nach China, Indien und Brasilien sorgen für das starke Wachstum

Aber nicht nur China ist für den wirtschaftlichen Erfolg des Vize-Exportweltmeisters verantwortlich: Deutsche Exporte in die sogenannten BRIC-Staaten haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Nach Angaben des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung stieg der Anteil von deutschen Exporten nach Brasilien, Russland, Indien und China von vier Prozent im Jahr 2000 auf neun Prozent im Jahr 2009. Wer wachsen und am Aufschwung teilhaben will, kommt nicht umhin, mit Schwellenländern im Asien-Pazifik-Raum zu handeln.

Komplexe Finanzierungsprozesse im Außenhandel

Doch der Schritt ins Ausland will gut überlegt sein. "Was Unternehmen im Außenhandel häufig Probleme bereitet, sind die komplexen Finanzierungsprozesse", weiß PwC-Experte Olaf Graf. Im Außenhandel sind beispielsweise sogenannte Avale als Sicherungsinstrument weit verbreitet.

Avale sind Garantien und Bürgschaften, die eine Bank im Auftrag ihres Kunden oder das Unternehmen selbst gegenüber einem Geschäftspartner übernimmt. Besonders bei Exportgeschäften im Anlagen- und Maschinenbau, aber teilweise auch bei Inlandsgeschäften, ist die Stellung von Avalen üblich. Kreditinstitute gewähren einem Unternehmen aber nur dann sogenannte Avallinien, also Kreditlinien für die Stellung von Avalen, wenn sie eine erstklassige Bonität oder entsprechende Sicherheiten bis hin zur Barhinterlegung vorweisen können.

Experten empfehlen, die Avallinien zu bündeln und zentral zu verwalten

Olaf Graf empfiehlt Unternehmen deshalb, das Management von Avallinien, die bei großen Unternehmen einen Umfang im Milliardenbereich erreichen können, zu zentralisieren. Optimierungsmaßnahmen helfen dabei, Kosten zu sparen und die Liquidität zu verbessern.

In Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sind auch die Kreditlinien für Avalstellungen von möglichen Kürzungen betroffen. Für Unternehmen geht es also darum, Avallinien als eine der Grundlagen ihrer operativen Geschäftstätigkeit zu sichern. Das wird nicht leichter, denn im Zuge der Einführung von Basel III werden die Kosten für die Avallinien voraussichtlich steigen.

Optimierungen beim Avallinienmanagement machen sich bezahlt

  • Transparenz schaffen: Datenbestände sind zentral verfügbar. Es gibt einen einheitlichen Ansprechpartner. Das Unternehmen hat einen globalen Überblick über alternative Anbieter von Avallinien und bevorzugte Finanzpartner sowie ein zentrales Controlling.
  • Kosten reduzieren: Das Zusammenlegen von Avallinien ermöglicht den Gesamtüberblick über weltweite Kostenstrukturen für Avale, unterstützt zentrales Monitoring und Benchmarking, reduziert den administrativen Aufwand und nutzt Einsparpotenziale.
  • Risiken minimieren: Die Risiken im Avalgeschäft lassen sich besser verteilen, Konzentrationsrisiken vermeiden. Unternehmen können risikobehaftete Avale durch ein zentrales Management besser kontrollieren und schneller auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren.

An Avalen und Akkreditiven kommt kein exportorientiertes Unternehmen vorbei

Als Instrument der Zahlungssicherung sind außerdem sogenannte Akkreditive nach wie vor üblich. Akkreditive fungieren als Zahlungsversprechen der Bank des Importeurs, dem Exporteur der Ware bei Vorlage korrekter Dokumente den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen.

Wann der Exporteur die Zahlung für seine Ware erhält, hängt bei dieser Zahlungsart maßgeblich davon ab, ob die beim Export zu übergebenden Dokumente qualitativ einwandfrei sind. Denn der Zahlungsanspruch besteht nur dann, wenn die Dokumente fehlerfrei vorliegen. Olaf Graf schätzt, dass etwa 50 bis 75 Prozent der erstellten Dokumente fehlerhaft sind. "Von Tippfehlern über falsche Warenbeschreibungen oder Artikelnummern: Die Fehleranfälligkeit bei den Dokumenten ist hoch. Für große und global agierende Unternehmen, die mehrere tausende Akkreditive im Jahr bearbeiten, kann dies einen erheblichen Nachteil bedeuten."

Prozessoptimierungen wirken sich positiv auf den Cash Flow aus

Unternehmen sollten deshalb darauf achten, die Transferzeit dieser Dokumente so kurz wie möglich zu halten und die Gefahr des Dokumentenverlusts zu minimieren. "Denn je eher der akkreditiveröffnenden Bank akkreditivkonforme Dokumente vorliegen, desto eher fließt das Geld an den Exporteur", so Graf.

Optimiert das exportierende Unternehmen den Prozess der Erstellung von akkreditivkonformen Dokumenten, wirkt sich das unmittelbar positiv auf Cash Flow und Working Capital aus. Die sogenannten "Sunk Costs", können reduziert werden. Das gilt vor allem im Hinblick auf Bestätigungsprovisionen und Gebühren für Ankaufzusagen.

Im Gespräch mit Dr. Olaf Graf, Experte für Exportfinanzierung bei PwC


Dr. Olaf Graf

Frage: Wo können exportorientierte Unternehmen ansetzen, um ihre Prozesse bei der Außenhandelsfinanzierung zu verbessern und Risiken überschaubar zu halten?

Dr. Olaf Graf: Um Kosten zu reduzieren und Risiken zu minimieren, sollten Unternehmen ihre Avallinien bündeln und zentral verwalten. Das stärkt auch ihre Verhandlungsposition gegenüber den Kreditinstituten. Ein wichtiger Punkt, denn als Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise steht vielen Banken schlichtweg weniger Kapital zur Verfügung. Das wirkt sich auch auf den Umfang der Avallinien und die anfallenden Gebühren aus. Basel III wird diese Situation vermutlich noch weiter verschärfen. Für Unternehmen wird es dadurch schwieriger, Kreditlinien in ausreichender Höhe für ihre Exportgeschäfte zu bekommen.

Frage: Wodurch lassen sich Kosten sparen und wichtige Kennzahlen wie Cash Flow erhöhen?

Graf: Nach wie vor sind beispielsweise Akkreditive in vielen Ländern gängiges Zahlungsinstrument im Exportgeschäft. Ein wichtiger Stellhebel ist die Erstellung der Dokumente, die für die Auslösung der Zahlung erforderlich sind. Unternehmen sollten in der Lage sein, möglichst schnell qualitativ einwandfreie Dokumentensätze bei den Banken einzureichen, die die Akkreditive abwickeln. Denn je eher dies der Fall ist, desto schneller fließt das Geld an den Exporteur in Deutschland. Ich empfehle Exportfirmen, ihre operationellen Risiken zu verringern, indem sie die Schnittstellen überschaubar halten, und Medienbrüche zu reduzieren. Alle diese Maßnahmen dienen dazu, Kosten zu sparen, die Liquidität zu erhöhen sowie Working Capital und Cash Flow zu verbessern.

Frage: Wie kann PwC Unternehmen unterstützen?

Graf: Die Export-Experten bei PwC können helfen, die für den Außenhandel erforderliche Infrastruktur zu verbessern. Wir unterstützen zum Beispiel bei der Auswahl von IT-Lösungen wie Trade-Finance-Plattformen oder Tools für das Reporting und die Bonitätsanalyse von Auslandskunden. Wir betrachten aber auch die Arbeitsprozesse – vom Akkreditiv-Prozess über Garantien und Forderungsmanagement hin zum Risikomanagement – und zeigen auf, wie Firmen sich noch besser aufstellen können. Unsere Berater bringen jahrzehntelange Erfahrung in der Finanzierungs- und Prozessberatung mit und verfügen über ein hohes Maß an Branchenexpertise.

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