Abschaffung von quartalsweisen Zwischenmitteilungen und Quartalsfinanzberichten

16 März, 2016

Anfang November hat der deutsche Gesetzgeber eine Änderung des Wertpapierhandelsgesetzes beschlossen und damit unter anderem die Pflicht für Inlandsemittenten, quartalsweise Zwischenmitteilungen der Geschäftsführung zu erstellen, abgeschafft.

Die Frankfurter Wertpapierbörse hat daraufhin die Börsenordnung der FWB dahingehend geändert, dass die bis dato für Prime Standard Emittenten herrschende Pflicht zur Erstellung und Veröffentlichung von Quartalsfinanzberichten entsprechend den Vorgaben von § 37w Abs. 2 Nr. 1 und 2, Abs. 3 und Abs. 4 WpHG durch eine Pflicht zur Erstellung und Veröffentlichung von Quartalsmitteilungen ersetzt wird. Diese sollen Informationen enthalten, die die Beurteilung der Entwicklung der Geschäftstätigkeit des Emittenten ermöglichen und wesentliche Geschäfte und Ereignisse sowie deren Auswirkung auf die Finanzlage und das Geschäftsergebnis beschreiben. Damit lehnt sich die Quartalsmitteilung an die frühere Zwischenmitteilung der Geschäftsführung nach § 37 x WpHG a.F. an. Ferner soll die Quartalsmitteilung eine Aktualisierung der Prognose enthalten, wenn sich die voraussichtliche Entwicklung des Emittenten wesentlich verändert hat.

Die Pflicht zur Erstellung von Halbjahresfinanzberichten bleibt bestehen, allerdings verlängert sich die Frist für Prime Standard Emittenten von zwei auf drei Monate (wobei der Deutsche Corporate Governance Codex weiterhin eine Frist von 45 Tagen empfiehlt).

Im Ergebnis bedeutet das, dass die Prime Standard Emittenten künftig nicht mehr verpflichtet sind, für das erste und für das dritte Quartal Zwischenabschlüsse nach IAS 34 und Zwischenlageberichte zu erstellen. Der Mitteilungszeitraum beträgt für das erste Quartal drei Monate, für das dritte Quartal kann der Mitteilungszeitraum wahlweise entweder drei oder neun Monate zum Stichtag umfassen.

Für Emittenten, die freiwillig weiterhin einen Quartalsfinanzbericht erstellen, entfällt die Pflicht zur Erstellung von Quartalsmitteilungen. Dies hat den Vorteil, auf die bestehenden Berichterstattungsprozesse zurückgreifen zu können und die ggf. höheren Erwartungen der Investoren zu erfüllen. Eine rein qualitative Berichterstattung würde den Erwartungen der Berichtsadressaten vermutlich nicht gerecht werden, da eine Validierung qualitativer Aussagen durch quantitative Kennzahlen in der Regel erwünscht ist. Die Beibehaltung des Quartalsfinanzberichts ermöglicht zudem auch die weitere Durchführung einer prüferischen Durchsicht. Die prüferische Durchsicht einer Quartalsmitteilung, die lediglich dem Mindestumfang entspricht, ist nicht möglich. Dies hätte auch Auswirkungen auf geplante Kapitalmarkttransaktionen, für die unter Umständen die Einbeziehung eines Quartalsabschlusses inklusive Anhangangaben nach IAS 34 in den Börsenprospekt bzw. die Angebotsunterlage, sowohl bei Kapitalerhöhungen als auch bei Anleihebegebungen, erforderlich sein kann. Zudem dient die prüferische Durchsicht auch dazu, in Form einer laufenden Vorprüfung wesentliche Bilanzierungssachverhalte frühzeitig zu beurteilen und damit die Prüfungshandlungen zum Jahresabschluss zu entzerren sowie Überraschungen zu vermeiden. Außerdem wird die Verlässlichkeit der Quartalsberichterstattung in den Augen der Adressaten durch eine prüferische Durchsicht erhöht, wenn die Bescheinigung veröffentlicht wird.

Die Änderung der Börsenordnung trat mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Umsetzung der Transparenzrichtlinie-Änderungsrichtlinie in Kraft, d.h. am Tag nach dessen Verkündung im Bundesanzeiger am 25. November 2015.

Im Interview mit Nadja Picard, Partnerin und Leiterin des Bereichs Capital Markets bei PwC und Christian Schlötterer, Senior Manager und Experte für Kapitalmarktfragen:

Was sollten Emittenten nun tun?

Nadja Picard: Emittenten sollten frühzeitig das Gespräch mit den Investorenvertretern und Analysten suchen, um deren Informationserwartungen in die Ausgestaltung der Quartalsmitteilungen einfließen zu lassen. Von einer unüberlegten Abkehr von der bisherigen Berichtspraxis ist abzuraten. Umfragen zeigen, dass etwa die Hälfte der Emittenten noch nicht entschieden hat, ob sie freiwillig weiter an der bisherigen Berichterstattung festhalten, oder nicht. Auch sollten die weiteren Entwicklungen abgewartet werden und die Erwartungshaltung der Kapitalmarktadressaten berücksichtigt werden.

Was sollte die Zwischenmitteilungen beinhalten?

Christian Schlötterer: Die genauen Inhalte der Zwischenmitteilung sind – über die o.g. drei Pflichtbestandteile hinaus - nicht weiter definiert und liegen damit im Ermessen des Emittenten. Die Informationen können in der Zwischenmitteilung im Gegensatz zum Zwischenabschluss rein beschreibend dargestellt werden, quantifizierte Finanzinformationen sind laut Börsenordnung nicht verpflichtend. Die in der Zwischenmitteilung enthaltenen Informationen sollen jedoch an die Informationen aus dem Halbjahres- und dem Jahresfinanzbericht angelehnt sein und eine vergleichende Beurteilung der wirtschaftlichen Lage ermöglichen. Um eine solche Aussage treffen zu können ist es natürlich für die Unternehmen erforderlich, zumindest intern ein stabiles, vergleichbares Zahlenwerk zu erstellen. Die Aussagen mit quantifizierten Angaben zu unterlegen erhöht in jedem Fall den Kommunikationswert der Mitteilung.


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