Abschlussprüferregulierung

Die neue Regulierung zur gesetzlichen Abschlussprüfung in der Europäischen Union stellt Unternehmen von öffentlichem Interesse vor große Herausforderungen  hinsichtlich der Überwachung von Rotationszeitpunkten, Erbringung von Nichtprüfungsleistungen sowie Einhaltung von Kappungsgrenzen. IT-gestützte Prozesse helfen, die komplexen Aufgaben zu meistern.

Die Regulierung zur gesetzlichen Abschlussprüfung sieht für jedes PIE-Unternehmen im Konzern eine Überwachung der externen Rotationsregelungen des Abschlussprüfers vor. In Deutschland beträgt die Höchstlaufzeit zehn Jahre. Daneben gibt es die Möglichkeit zur Verlängerung um weitere zehn bei öffentlicher Ausschreibung bzw. 14 Jahre bei Joint-Audit. Dies gilt jedoch nicht für Banken und Versicherungen. Für PIE-Unternehmen in anderen EU-Ländern wird die Überwachung dadurch erschwert, dass unterschiedliche Regelungen zu Höchstlaufzeiten und Verlängerungsoptionen bestehen.

Eine weitere Herausforderung stellt die Definition und weltweite Überwachung der verbotenen und erlaubten Nichtprüfungsleistungen für sämtliche Mitgliedsfirmen des Abschlussprüfernetzwerks dar. Dies erfordert die Implementierung eines konzernweiten Genehmigungsprozesses zur Beauftragung von Nichtprüfungsleistungen. Aufgrund der Regelungen zum Cooling-in eines künftigen Abschlussprüfers erscheint dabei eine Überwachung sämtlicher Beraternetzwerke unumgänglich.

Ferner sieht die Abschlussprüferregulierung die betragsmäßige Überwachung für erlaubte Nichtprüfungsleistungen vor. In Deutschland beträgt die Kappungsgrenze 70% der durchschnittlichen Abschlussprüfungshonorare der letzten drei Jahre, in anderen EU-Ländern sind individuelle Mitgliedstaatenregelungen möglich.


Im Gespräch mit Dr. Bernd Kliem und Pia Puth, Experten für Abschlussprüferregulierung bei PwC

Wie kann PwC Unternehmen bei der Umsetzung der EU-Regulierung unterstützen?

Bernd Kliem: Wir bieten den Unternehmen eine fachliche und systemtechnische Beratung bei der Implementierung einer Softwarelösung zur Überwachung von Rotation, Nichtprüfungsleistungen und Kappungsgrenzen.
Im ersten Schritt erfolgt dafür eine tiefgreifende Analyse. Dazu gehören beispielsweise die relevanten Mitgliedstaatenregelungen, die Abgrenzung zwischen erlaubten und verbotenen Nichtprüfungsleistungen, die anzuwendenden Kappungsgrenzen, die gültigen Rotationsregelungen sowie technische Anforderungen.
 

Bernd Kliem

Wir begleiten die Unternehmen bei der Erstellung von Richtlinien und der Gestaltung von zukünftigen Prozessen. Anschließend unterstützen wir bei der technischen Umsetzung der fachlichen Anforderungen. Dies umfasst sowohl die Funktionsprüfung und Migration von Daten als auch Schulungen zur Umsetzung der Richtlinien. Abschließend unterstützen wir die Unternehmen beim Go-Live der Softwarelösung.

Wieso empfehlen Sie Unternehmen den Einsatz einer Softwarelösung?
 

Pia Puth: Mit dem Einsatz einer geeigneten Softwarelösung können Unternehmen die neuen Regelungen effizient umsetzen. Durch Erfassung von Dienstleistungsverträgen mit allen konzernweit tätigen Beraternetzwerken wird die Transparenz sichtlich erhöht. Darüber hinaus erhalten Unternehmen laufend Informationen durch unterjährige Plan-Ist-Vergleiche zur Einhaltung der Kappungsgrenzen. Die Prozessautomatisierung führt zu einer Reduktion manueller Tätigkeiten. Ferner besteht ein weltweiter Zugriff auf die Daten durch die Nutzung eines webbasierten Tools.

Pia Puth