Börsengang in Hong Kong vergrößert Bekanntheit und Finanzierungsmöglichkeiten in Asien

Das kräftige Wachstum des Unternehmens in Asien zu flankieren und weiter voran zu treiben, das war eines der maßgeblichen Ziele der damaligen Schramm Coatings GmbH, als man sich zum Gang an die Börse in Hong Kong entschloss. Gemeinsam mit den langjährigen Abschlussprüfern von PwC, den Steuer- und den Kapitalmarktexperten sowie den China-Fachleuten von PwC in Deutschland und Asien und der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Norton Rose schaffte Schramm den Börsengang im Dezember 2009.

Ausgangslage

Um das aktuelle und künftige Wachstum des Unternehmens in asiatischen Märkten zu stützen, entschied sich die Geschäftsführung der - zu jener Zeit noch als GmbH geführten - heutigen Schramm Holding AG, Aktien an die Börse in Hong Kong zu bringen. Das mittelständische Unternehmen, das sein Geld verdient mit Lacken zur Oberflächenveredelung und Beschichtung für Stoßdämpfer und Handy- und Haushaltswaren, Computer und Caravane, Vorschaltgeräte und Verkehrsschilder, musste sich darauf zum einen grundsätzlich vorbereiten, indem man beispielsweise die Buchführung auf die International Financial Reporting Standards (IFRS) umstellte und Bereiche und Prozesse für Kapitalmarktkommunikation und Investor Relations aufbaute.

Zum anderen war Schramm das erste europäische Unternehmen, das in Hong Kong den Fuß auf das Börsenparkett setzte. Die Börsenaufsicht der chinesischen Sonderverwaltungszone musste deshalb erst überzeugt werden, dass unter anderem Aktionärsschutz und Compliance in der kontinentaleuropäisch verfassten Aktiengesellschaft ebenso gewährleistet sind wie in den - stark vom angelsächsischen Modell beeinflussten - Unternehmensformen der ehemaligen britischen Kronkolonie.

Vorgehensweise

Gemeinsam mit dem langjährigen Abschlussprüfer PwC begann Schramm die Vorbereitungen für den Börsengang: In der Heimat wurde die Rechnungslegung auf IFRS umgestellt, das Unternehmen selber von einer GmbH zur Aktiengesellschaft umgebaut: "Im Prinzip hat Schramm sich ein ganzes Jahr lang reorganisiert, um fit zu sein für die Börse", sagt Frank Kosner von PwC, der Schramm auf dem Weg an die Hong Kong Stock Exchange begleitet hat. "En passant" realisierte Schramm zwischendurch noch zusätzlich den Kauf zweier chinesischer Unternehmen.

In Hong Kong gründete Schramm ein asiatisches Headquarter, das als Dach für alle asiatischen Schramm-Standorte fungiert. Schließlich sollte der Börsengang nicht nur Geld in die Unternehmenskasse spülen, sondern vor allem die Bekanntheit in Asien weiter vergrößern: "Weil unser künftiges Wachstum in erster Linie aus Asien kommt, möchten wir dort weiter in Infrastruktur und Standorte investieren, um nah bei unseren asiatischen Kunden zu sein", erklärt Peter Brenner, CEO der Schramm Holding AG.

Außerdem glühten die Telefonleitungen: Mit den PwC-Experten in Deutschland und Asien, mit der internationalen Anwaltskanzlei Norton Rose und mit der Emissionsbank in Hong Kong telefonierte man bevorzugt spät nachts deutscher Zeit. Da hatte der Tag in Asien gerade begonnen, und die Partner vor Ort konnten noch vor Öffnung der Behörden und Banken letzte Anpassungen und Aktualisierungen an den umfangreichen Anträgen und Unterlagen vornehmen.

Denn Schramm konnte, als man Anfang 2009 den Antrag auf Börsenzulassung in Hong Kong stellte, noch nicht vom Status Deutschlands als "acceptable jurisdiction of an issuers place of incorporation" profitieren. Deutschlands juristischer Rahmen für den Börsenhandel war noch nicht pauschal als dem von Hong Kong gleichwertig anerkannt, für viele Einzelaspekte musste Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Ergebnis

Über den ersten Börsengang einer europäischen Firma in Hong Kong berichtete die Wirtschaftspresse fast in ganz Asien: "Unser Brand ist breit bekannt geworden", freut sich Schramm-CEO Brenner. Der IPO selbst war erfolgreich, Schramm konnte die vorgesehenen 25 Prozent seiner Anteile gut platzieren. Mit der Börsennotierung wurde auch der Zugang zu anderen Finanzquellen in Asien einfacher; denn die Notierung signalisiert beispielsweise Banken in Hong Kong, dass Risikomanagement- und Compliance-Systeme mindestens den strengen dortigen Börsenzulassungsvorschriften genügen.

Worauf man bei Schramm besonders stolz ist: "Indem wir eigene Anteile in Hong Kong platziert haben, konnten wir mit unserer deutschen Identität punkten, sie bewahren und stärken". Das war wichtig gegenüber den Mitarbeitern und zahlt sich aus gegenüber Kapitalgebern und Kunden, die großen Wert legen auf die Zuverlässigkeit und die Innovationskraft eines Unternehmens aus Deutschland.