Deutlich mehr chinesische Namen werden in Zukunft auf den Kurszetteln der Deutschen Börse stehen, da ist sich Christoph Gruss sicher. Gruss ist bei PwC in Deutschland Experte für den chinesischen Kapitalmarkt und beobachtet einen wachsenden Strom der Asiaten nach Deutschland: "In den kommenden Jahren könnte es pro Jahr bis zu zehn Initial Public Offerings chinesischer Unternehmen in Deutschland geben."
Das rasante chinesische Wirtschaftswachstum lasse erheblich mehr Börsenkandidaten heranwachsen als die beiden Aktienmärkte der Volksrepublik in Shanghai und Shenzhen aufnehmen könnten, stellt PwC-Experte Gruss fest. Die Ergebnisse der PwC-Studie "Capital Markets in 2025" untermauern die These. Der Studie zufolge wird China als das Land gesehen, welches im Jahr 2025 die stärkste IPO-Aktivität aufzuweisen hat. Vier von fünf Befragten erwarten, dass China das Land sowohl mit der größten Zahl an IPO-Kandidaten als auch mit dem größten Emissionvolumen sein wird.
Doch nicht allein die hohe Aktivität macht China für den Listingplatz Deutschland interessant. Hinzu kommt, dass die chinesischen Behörden den Zugang zu den heimischen Börsen oftmals einschränken. Ein IPO in China kann da oft nur verzögert stattfinden oder bleibt Unternehmen komplett verwehrt. "Da bleibt oft nur der Gang an eine Börse fern der Heimat", erklärt Gruss.
Der Börsenplatz Frankfurt hat in den vergangenen Jahren bereits eine Vielzahl chinesischer Emittenten angezogen. Zwischen 2007 und 2011 gab es an der Börse Frankfurt insgesamt 37 Erstnotierungen chinesischer Unternehmen. Zehn davon erfolgten im regulierten Markt, also dem Börsensegment mit den höchsten Transparenzanforderungen. Zusätzlich gab es rund 400 Zweitlistings bereits andernorts gelisteter chinesischer Unternehmen. "Seit den ersten Notierungen chinesischer Unternehmen an der Deutschen Börse sehen wir hier einen klaren Aufwaertstrend mit zuletzt 14 neuen Listings im Jahr 2011", so Gruss. "Diese Zahlen verbunden mit dem allseitigen Interesse an einer Fortsetzung dieser Entwicklung macht uns optimistisch für die Zukunft."
Der Börsenplatz Deutschland hat chinesischen Emittenten einiges zu bieten. Als Argumente für ein Initial Public Offering internationaler IPO-Kandidaten an der Deutschen Börse nennt PwC-Fachmann Gruss
"Interessante Peergroups machen den Finanzplatz Deutschland zusätzlich attraktiv", ergänzt PwC-Partnerin Nadja Picard. Sie ist neben ihrer Tätigkeit für die Capital Markets Group von PwC auch engagiert im IPO Centre von PwC in London, wo ein Team von PwC-Kapitalmarktexperten an der grenzüberschreitenden Betreuung internationaler Kapitalmarkttransaktionen arbeitet. Green Tech, Technologie oder Chemie & Pharma nennt Nadja Picard als Beispiele für Branchen, mit denen Investoren und Analysten in Frankfurt von früheren IPOs vertraut sind und denen sie aufgeschlossen gegenüber stehen.
"Es beruhigt bei internationalen IPOs ungemein", lobt Picard außerdem das aufgeschlossene Klima in Frankfurt, "wenn nicht noch zusätzlich Vorbehalte gegenüber Ausländern zu beachten sind."
Schließlich sei ein gewisses Maß an Anspannung bei einem Börsengang ohnehin nicht zu vermeiden, meint Picard - erst recht, wenn der IPO in einem fremden Land zu organisieren ist. "Die fremde Sprache, andere Sitten und Gebräuche, große räumliche Entfernung und oft auch die Zeitumstellung sind nicht zu unterschätzen", sagt auch Kapitalmarkt-Spezialist Gruß, der mit seinen Kollegen unter anderem den Börsengang der deutschen Schramm-Holding in Hongkong begleitet hat: "Weil das damals der erste IPO einer deutschen Firma in Hongkong war, mussten wir besondere Klippen umschiffen", erinnert er sich. Auf die Wünsche und Vorstellungen chinesischer Investoren fühlen sich Gruss, Picard und ihre Kollegen der Capital Markets Group und des IPO Centres von PwC nicht zuletzt durch die Schramm-Erfahrung gut vorbereitet.