ESMA Leitlinien zu Alternativen Leistungskennzahlen

Mehr Transparenz für Finanzinformationen – das fordert die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA). In diesem Zuge führt sie neue Leitlinien ein, die auf Prospekte und vorgeschriebene Finanzinformationen (gemäß Transparenzrichtlinie) seit 3. Juli 2016 anzuwenden sind.

Viele kapitalmarktorientierte Unternehmen veröffentlichen seit Jahren im Rahmen ihrer Finanzberichterstattung zusätzlich zu den nach IFRS vorgeschriebenen Angaben Finanzkennzahlen, die nicht in den einschlägigen Rechnungslegungsstandards definiert sind. Aus Sicht der Unternehmen lässt sich auf diese Weise ein noch spezifischeres und umfangreicheres Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage darstellen und liefert somit zusätzliche Informationen für die Adressaten der Finanzberichte.

Die Verwendung alternativer Kennzahlen bietet allerdings auch Raum für Kritik: Die nicht vorhandenen Vorgaben in den Rechnungslegungsstandards führten zu einer hohen Flexibilität hinsichtlich deren Definition sowie deren Darstellung. Dadurch werden oftmals Unternehmensergebnisse verschönt, indem belastende Effekte bereinigt werden. Eine mangelnde Transparenz und eine verzerrte Wirkung sind die Folgen.

Aus diesem Grund strebten die Wertpapieraufsichtsbehörden eine Regulierung der Verwendung von Alternativen Leistungskennzahlen an und veröffentlichten entsprechende Leitlinien. Die Qualität sowie die Verlässlichkeit Alternativer Leistungskennzahlen sollen an oberster Stelle stehen. Die Leitlinien der ESMA zu Alternativen Leistungskennzahlen wurden zudem von der ESMA und der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) als Prüfungsschwerpunkt für 2017 erklärt.

Neben der Veröffentlichung der Leitlinien zu Alternativen Leistungskennzahlen durch die ESMA wurde außerdem im Juni 2016 die Verlautbarung zu Alternativen Leistungskennzahlen durch die Internationale Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden (International Organisation of Securities Commissions, IOSCO) herausgegeben. Und auch das International Accounting Standards Board (IASB) und das Financial Accounting Standards Board (FASB) diskutieren diesbezüglich über eine Verbesserung der Anhangangaben.

Ziel ist die Sicherstellung, dass Alternative Leistungskennzahlen eine ergänzende statt verdrängende Funktion einnehmen. Konsistenz und Klarheit sowie die Überleitung zum Abschluss stehen dabei ebenfalls im Fokus. Die Unternehmen haben zu erläutern, warum die Alternativen Leistungskennzahlen nützliche Informationen in Bezug auf die Finanzlage, Cash Flows oder die finanzielle Leistung bieten, sowie ihren Verwendungszweck darzustellen. Die ESMA Leitlinien verfolgen insbesondere den Zweck der Förderung der Nützlichkeit und Transparenz von Alternativen Leistungskennzahlen sowie der Verbesserung ihrer Vergleichbarkeit, Verlässlichkeit und Verständlichkeit.



Im Gespräch mit Björn Seidel und Eva-Maria Ahr, Experten für Finanzberichterstattung bei PwC

Für wen sind die ESMA Leitlinien verpflichtend?


Björn Seidel

Björn Seidel:  Die ESMA-Leitlinien richten sich hauptsächlich an Emittenten, deren Wertpapiere zum Handel an einem regulierten Markt zugelassen sind und die vorgeschriebene Informationen gemäß der Transparenzrichtlinie veröffentlichen müssen sowie für Prospekte verantwortliche Personen gemäß Artikel 6 (1) der Prospektrichtlinie.

Was sind genau Alternative Leistungskennzahlen?

Björn Seidel: Bei Alternativen Leistungskennzahlen handelt es sich um Finanzkennzahlen der vergangenen und zukünftigen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, die in der Regel aus den Abschlüssen abgeleitet werden.  Ihre Herleitung erfolgt zumeist durch Hinzurechnung oder Subtraktion von Beträgen von den in den Abschlüssen vorgelegten Zahlen. Beispiele sind das operative Ergebnis, Cash Earnings, Ergebnis vor Einmalaufwendungen, EBITDA oder Nettoverschuldung.

Welche Grundsätze sehen die ESMA Leitlinien vor?


Eva-Maria Ahr

Eva-Maria Ahr: Zum einen müssen klare, verständliche sowie aussagekräftige Bezeichnungen verwendet werden. Irreführende Angaben sind zu vermeiden. Weiterhin sollen Alternative Leistungskennzahlen gegenüber solchen, die unmittelbar aus dem Abschluss entnommen werden können, nicht vorangestellt oder überbetont werden. Der klare Zweck und die Verwendung müssen stets dargestellt werden, um die Relevanz zu verdeutlichen. Die ESMA Leitlinien verlangen außerdem, dass Überleitungen der Alternativen Leistungskennzahlen auf die aus den Abschlüssen für den betreffenden Zeitraum unmittelbar zu entnehmenden Posten offengelegt und erklärt werden, sowie Vergleichswerte aus den Vorjahren. Um eine gewisse Vergleichbarkeit zu gewähren, ist auf eine Konsistenz der Definitionen und Berechnungen zu achten. Änderungen sind stets zu begründen und zu erläutern. Letztlich müssen Verweise auf andere zuvor veröffentlichte Dokumente den ESMA -Anforderungen gerecht werden.

Wie kann PwC hierbei unterstützen?

Björn Seidel: Wir unterstützen Unternehmen bei der Bestandsaufnahme bzw. der Katalogisierung vorhandener Alternativer Leistungskennzahlen sowie bei Neuausrichtung der Berichterstattung unter Berücksichtigung der ESMA-Leitlinien. Ergänzend bieten wir ein Benchmarking zu Wettbewerbsunternehmen an, indem wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Verwendung Alternativer Leistungskennzahlen aufzeigen.