Mit der Finanzberichterstattung erfüllen Unternehmen nicht nur eine gesetzliche Pflicht. Gemeinsam mit anderen Publizitäts- und Verhaltenspflichten ist sie auch von Bedeutung für die Einhaltung der verschiedenen Transparenzstandards der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB). Die einzelnen Börsensegmente stellen unterschiedliche Anforderungen an die Transparenz und das Publizitätsverhalten der Unternehmen. Die höchsten Hürden bestehen für den Zugang zum Prime Standard.
Kapitalmarktorientierte und insbesondere börsennotierte Unternehmen unterliegen einer Vielzahl gesetzlicher Publizitätspflichten. Deren Einhaltung ist nicht zuletzt für die Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen zu den verschiedenen Börsensegmenten und Transparenzstandards bedeutsam. Teilweise gehen die von der Börse aufgestellten Hürden über das gesetzliche Maß hinaus, was vielen Marktteilnehmern nicht bewusst ist.
Emittenten von Aktien und insbesondere Unternehmen in der Pre-IPO-Phase sollten sich dieser Anforderungen spätestens bei der Auswahl des Börsensegments und gegebenenfalls des entsprechenden Transparenzlevels bewusst sein. Die Einhaltung der jeweiligen Anforderungen ist nämlich keine einmalige Handlung, sondern eine auf Dauer bestehende und regelmäßig zu erfüllende Pflicht im "Being Public" und als solche mit einem erheblichen internen Aufwand verbunden.
Zentrale Aufgabe der Finanzberichterstattung ist die Information der Marktteilnehmer und damit verbunden die Herstellung von Transparenz. Die gesetzlichen Vorschriften zur Finanzberichterstattung börsennotierter Unternehmen haben in der Vergangenheit umfangreiche änderungen erfahren. Schon durch das am 20. Januar 2007 in Kraft getretene Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG) wurde insbesondere die Bedeutung der unterjährigen Berichterstattung erheblich gestärkt. Die Transparenzrichtlinie-Durchführungsverordnung (TranspRLDV) hat die aus dem TUG resultierenden Berichterstattungspflichten konkretisiert.
Unternehmen haben bei einem Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse die Wahl zwischen zwei Börsensegmenten, die Zugang zum Kapitalmarkt gewähren und die verschiedene Anforderungen an die Transparenz der Unternehmen stellen:

Abb.: Übersicht über die Börsensegmente und die entsprechenden Transparenzlevel
Für den regulierten Markt gelten die gesetzlichen Vorschriften für börsennotierte Unternehmen, die durch zusätzliche Vorgaben der Börse ergänzt werden. Auf das Geschehen im Open Market finden hingegen allein die von der Börse erlassenen Regelwerke ("Allgemeine Geschäftsbedingungen für den Freiverkehr an der Frankfurter Wertpapierbörse") Anwendung. Folglich sind die für den regulierten Markt geltenden Transparenzanforderungen erheblich höher als diejenigen, die für den Open Market gelten.
Innerhalb der Börsensegmente gibt es verschiedene Transparenzlevel, die jeweils eigene Anforderungen an die Publizität und das Verhalten der Unternehmen stellen. Die beiden Transparenzlevel innerhalb des regulierten Markts sind der General Standard und der Prime Standard. Der General Standard ist deckungsgleich mit dem regulierten Markt. Innerhalb des Open Markets stellt der Entry Standard ein eigenes Transparenzlevel dar.
Von zentraler Bedeutung ist der regulierte Markt. Spricht das Gesetz von "börsennotierten Unternehmen", so sind damit ausschließlich die im General Standard und im Prime Standard notierten Unternehmen gemeint. Der Open Market spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.
Zusätzliche Zugangsvoraussetzungen für den Prime Standard:
Für eine Notierung im General Standard gelten die gesetzlichen Vorgaben für den regulierten Markt beziehungsweise für "börsennotierte Unternehmen". Innerhalb des General Standards reicht eine Veröffentlichung in deutscher Sprache aus.
Auf Basis der General-Standard-Anforderungen kann eine Aufnahme in den Prime Standard erfolgen. Allerdings müssen hierfür weitere Vorgaben erfüllt sein. Der Prime Standard ist von besonderer Bedeutung, da ein Listing in diesem Transparenzlevel zwingende Voraussetzung ist für die Aufnahme in einen der gro�en Börsen-Indizes Dax, MDax, TecDax und SDax.
Insbesondere eine Notierung im Prime Standard stellt erhebliche, über das Gesetz hinausgehende Anforderungen an das Publizitätsverhalten der Unternehmen. Dem gegenüber steht eine detaillierte und auf den internationalen Markt ausgerichtete Ansprache der Marktteilnehmer, die der Erschlie�ung weiterer Investorenkreise dient.