Investoren und Analysten haben in der Finanzkrise ihre Erwartungen an die Berichterstattung der Unternehmen – etwa über Liquidität oder Verschuldung – in die Höhe geschraubt. Unternehmen kommen diesem Informationsbedarf jedoch in ihrer Kennzahlenkommunikation wenig entgegen. "Vielfach könnten Unternehmen schon durch kleine Änderungen in der Kennzahlenkommunikation ihre Chancen am Kapitalmarkt signifikant verbessern", fasst Armin Slotta, Leiter des Bereichs Capital Markets & Accounting Advisory Services bei PwC Deutschland die Erkenntnisse der PwC-Studie "Kennzahlenkommunikation im Wandel" zusammen.
Wegen der unsicheren Wirtschaftslage blicken die Anleger stärker auf die Zukunftsperspektiven, bevor sie eine Investment-Entscheidung treffen, sie suchen verstärkt Kennzahlen zu Verschuldung, Liquidität und Ausfallwahrscheinlichkeit. Durch freiwillige Angaben zu diesen Themen könnten Unternehmen ihre Chancen auf die richtige Finanzierung zum richtigen Preis erhöhen, haben Investment-Profis bei der PwC-Befragung immer wieder zu Protokoll gegeben, berichtet Armin Slotta. Drei Bereiche haben die PwC-Experten identifiziert, in denen sich Investoren vor allem ausführlichere Angaben wünschen:
"Bei den Unternehmen hat jedoch noch kein Umdenken in der Kennzahlenkommunikation stattgefunden", resümmiert Slotta die Untersuchungsergebnisse der PwC-Experten: "Ein umfassender Trend zu mehr Transparenz in den Bereichen Verschuldung oder Liquidität, die für Investoren durch die Finanzkrise an Bedeutung gewonnen haben, zeichnet sich nicht ab." Insgesamt betrachteten die PwC-Experten für ihre Studie 127 Kennzahlen von DAX30-Unternehmen.
Unternehmen weisen mehr Finanzkennzahlen aus als vor der Krise
Verbesserungen und mehr Rücksicht auf die Interessen von Investoren vermögen Armin Slotta und sein Team bestenfalls im Detail zu erkennen. "Bei einzelnen Kennzahlen versuchen vereinzelt Konzerne, die Bedürfnisse von Investoren und Analysten besser zu bedienen", sagt Slotta: So stellten 2006 etwa im Bereich Net-Debt-Überleitungsrechnungen neun Unternehmen (32 Prozent) neben der Angabe ihrer Nettoverschuldung eine Überleitungsrechnung auf, 2010 waren es bereits 13 Unternehmen (46 Prozent). Die Kennzahl des "Net Debt/EBITDA" – ein Indikator dafür, wie lange ein Unternehmen braucht, um seine Nettoverpflichtungen zu tilgen – geben im Jahr 2010 immerhin doppelt so viele Unternehmen an wie vor der Finanzkrise – statt zwei nun vier der DAX30-Unternehmen. Trotz solcher geringfügigen Verbesserungen, resümiert Slotta, "könnten Unternehmen ihre Chancen auf günstige Finanzierungsbedingungen deutlich verbessern, wenn sie in ihrer Kennzahlenkommunikation stärker auf die Interessen von Investoren und Analysten eingehen."
Kennzahlenkommunikation im Wandel
PwC
Bibliographie/Quelle
Juni 2012
20 S.
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