Im Sommer 2010 befragte PwC in einer globalen Studie Familienunternehmen zu deren spezifischen Stärken und Herausforderungen sowie zu deren wirtschaftlichen Zukunft. An der Studie nahmen mehr als 1.600 Unternehmen weltweit teil, darunter 181 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region). Die Ergebnisse zeigen, dass auch Familienunternehmen keineswegs immun gegen Rezessionen sind. Allerdings sind die weitaus meisten Befragten davon überzeugt, dass sie auf Grund ihrer besonderen Eigenschaften als Familienbetrieb besser durch die Krise gekommen sind als Publikumsgesellschaften.
Über 80 Prozent der Befragten in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind davon überzeugt, dass sie als Familienunternehmen die Krise besser gemeistert haben als vergleichbare Publikumsgesellschaften. So berichtet jedes zweite Unternehmen aus der DACH-Region über eine gestiegene Nachfrage seit dem Sommer 2009, nur 30 Prozent verzeichneten dagegen Einbußen.
Viele der befragten Familienunternehmen sind auch für die Zukunft optimistisch: Rund 70 Prozent der Befragten aus der DACH-Region verfolgen in den kommenden 12 Monaten dezidiert eine Wachstumsstrategie, während dies weltweit nur auf 60 Prozent der Familienunternehmen zutrifft. Um ihre Existenz kämpfen lediglich drei Prozent der Unternehmen aus der DACH-Region, jedoch elf Prozent der Familienunternehmen weltweit.
Vor dem Hintergrund der starken Wachstumsorientierung der Unternehmen in der DACH-Region erscheint die eher zurückhaltende Einschätzung der künftigen Marktentwicklung überraschend. Mit einer Marktbelebung in den kommenden 12 Monaten rechnen nur gut 50 Prozent der Familienunternehmen, weltweit sagen dies 56 Prozent der Unternehmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass insbesondere die Familienunternehmen in Deutschland und der Schweiz bereits von einer günstigen konjunkturellen Entwicklung profitiert haben und die Chancen für weitere Verbesserungen entsprechend zurückhaltender beurteilen.
Zu den wichtigsten Herausforderungen der Familienunternehmen in der DACH-Region gehört der Fachkräftemangel, wobei das Problem in Deutschland und Österreich deutlich gravierender eingeschätzt wird als in der Schweiz. Dies dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass Schweizer Unternehmen bereits seit einiger Zeit gezielt Fachkräfte anwerben. Demgegenüber sind die Schweizer Unternehmen wesentlich häufiger besorgt über die Konsequenzen der Wechselkursentwicklung.
Bei 23 Prozent der Familienunternehmen der DACH-Region steht innerhalb der kommenden fünf Jahre ein Eigentümerwechsel an. Gut 40 Prozent dieser Unternehmen bleiben voraussichtlich in Familienbesitz, ein Verkauf an Unternehmen, Finanzinvestoren oder das Management wird von rund 15 Prozent der Familienunternehmen in Betracht gezogen.
Die meisten Familienunternehmen haben die Nachfolge zentraler Führungskräfte und Anteilseigner geregelt. Jedoch besteht bei einer bemerkenswert großen Minderheit nach wie vor Handlungsbedarf. Sollten zentrale Entscheidungsträger im Unternehmen unerwartet ausscheiden, droht vielen Befragten ein Führungsvakuum. Weltweit fehlt bei knapp 40 Prozent der Familienunternehmen eine Nachfolgeregelung, in der DACH-Region haben rund 30 Prozent der Befragten keine entsprechenden Vorkehrungen getroffen.
In vielen Familienunternehmen sorgen verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Anteilseignern und der Geschäftsführung für besondere Stabilität. Im Streitfall zwischen Familienmitgliedern drohen aber auch besonders scharfe Auseinandersetzungen. Häufigster Streitpunkt ist die strategische Ausrichtung des Unternehmens. In der DACH-Region sorgen Strategiefragen bei 35 Prozent der Befragten zumindest gelegentlich für Auseinandersetzungen (weltweit: 44 Prozent). Dabei treten Konflikte in Familienunternehmen aus der DACH-Region generell seltener auf als im weltweiten Durchschnitt. Beim Thema Konfliktmanagement deckt die Studie jedoch gravierende Defizite auf. Fast zwei Drittel der Familienunternehmen in der DACH-Region haben keine Streitschlichtungsmechanismen etabliert. Weltweit verzichten sogar über 70 Prozent auf feste Regeln und Verfahren zur Konfliktlösung.
Die Vereinfachung des Steuersystems und/oder eine Senkung der Steuersätze ist für die Familienunternehmen in der DACH-Region von besonderer Bedeutung – fast 90 Prozent halten steuerpolitische Änderungen für sehr wichtig. Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erfahren staatliche Initiativen im Bereich Compliance. Während weltweit 56 Prozent staatliche Compliance-Initiativen für potenziell bedeutsam halten, teilen diese Einschätzung in der DACH-Region nur 37 Prozent der Befragten.
Die Folgen der Wirtschaftskrise haben den befragten Unternehmen aber nicht nur die Notwendigkeit einer strengeren Regulierung vor Augen geführt, sondern auch das Bewusstsein für die eigene gesellschaftliche Verantwortung geschärft. Auf Initiativen im Bereich "Corporate Social Responsibility" (CSR) verzichten weltweit lediglich sieben Prozent der Unternehmen, in der DACH-Region verfolgt sogar nur eins von hundert Unternehmen keinen CSR-Ansatz. Dabei sehen über 90 Prozent (weltweit: 73 Prozent) der Befragten einen Nutzen der CSR-Maßnahmen für die allgemeine Unternehmensentwicklung.