Familienunternehmen investieren in Qualifizierung ihrer Gesellschafter

Familienunternehmen investieren in Qualifizierung ihrer Gesellschafter

Immer mehr Familienunternehmen setzen auf eine systematische Qualifizierung ihrer Gesellschafter. Waren Programme zur Kompetenzentwicklung noch vor zehn Jahren kaum verbreitet, bieten mittlerweile zwei von drei befragten Unternehmen entsprechende Maßnahmen an. Allerdings sind viele Familienunternehmen noch in einer „Experimentier“-Phase und haben ihre Programme noch nicht optimal justiert.

Die große Mehrheit der Familienunternehmen steht Programmen zur Kompetenzentwicklung der Gesellschafter grundsätzlich positiv gegenüber: Gut vier von fünf Befragten sehen in der Gesellschafterqualifizierung sogar einen zentralen Erfolgsfaktor, wie eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit dem Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) "Eigentum verpflichtet über Generationen" ergab. Nur sieben Prozent der 263 befragten Familienunternehmen halten eine gezielte Qualifizierung ihrer Gesellschafter nicht für notwendig.

Leicht getrübt wird das positive Gesamtbild jedoch dadurch, dass die Förderung des Gesellschafternachwuchses in vielen Unternehmen noch nicht systematisch und wenig professionalisiert stattfindet. Zudem stehen die Qualifizierungsprogramme nur in jedem fünften Unternehmen ausdrücklich allen Familienmitgliedern offen, bei den übrigen bleiben beispielsweise Ehegatten und Lebenspartner in der Regel unberücksichtigt. Doch gerade ihnen kommt bei der Früherziehung potenzieller Nachfolger die größte Bedeutung zu.

Bei der Bewertung der Qualifizierungsmaßnahmen ist zu beachten, dass die systematische Kompetenzentwicklung für die Mehrzahl der Familienunternehmen ein neues Thema ist. Gut jeder zweite Befragte ist erst seit drei Jahren in dem Bereich aktiv. Dies dürfte auch ein Grund dafür sein, dass es oft keine professionelle Ressourcenplanung gibt. So weiß die Mehrzahl der Befragten nicht, wie viel Geld (73 Prozent) bzw. Zeit (57 Prozent) sie in die Kompetenzentwicklung ihrer Gesellschafter investiert.

Inhaltlich wird die Kompetenzentwicklung bei den meisten Befragten von betriebswirtschaftlichen Themen dominiert. Etwa die Hälfte der Familienunternehmen mit Qualifizierungsprogrammen setzt auch Gesellschafts- und Steuer- bzw. Erbrecht auf die Agenda, während „Soft Skills“ wie Konfliktmanagement nur von knapp jedem sechsten Befragten abgedeckt werden.

„Die Betonung betriebswirtschaftlicher Kompetenzen ist nachvollziehbar, vor allem wenn Gesellschafter aktiv im Unternehmen tätig sind. Gesellschafter sollten aber mit den besonderen Dynamiken von Familienunternehmen vertraut sein und auch auf den Umgang mit Konflikten gezielt vorbereitet werden. Denn Auseinandersetzungen in Familienunternehmen haben oft keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, sondern sind durch familiäre Interessenkonflikte ausgelöst. Missverständnisse, unklare Rollenverteilungen und eine ‚verhärtete’ Kommunikation können eine Eigendynamik entwickeln, die schlimmstenfalls die Existenz des Unternehmens bedroht“, betont Dr. Peter Bartels, PwC-Vorstand und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand.

Familienunternehmen sollten daher dafür sorgen, dass nicht nur klassische Management- und Finanzierungsthemen, sondern auch übergreifende Inhalte wie juristische und psychologische Kenntnisse sowie Besonderheiten ihres Familienbetriebs und zu Familienunternehmen im Allgemeinen vermittelt werden.

Bibliographische Daten

Eigentum verpflichtet - über Generationen

Herausgeber

PricewaterhouseCoopers, Wittener Institut für Familienunternehmen

Bibliographie/Quelle

Februar 2013
55 S.

Preis

kostenlos

 

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