IASB veröffentlicht eigenen IFRS-Standard für den Mittelstand

Im Juli 2009 veröffentlichte das International Accounting Standards Board (IASB) nach fünfjähriger Entwicklungszeit den Standard "IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen (IFRS für KMU)". Der Pocket Guide von PwC gibt - nach Themenschwerpunkten sortiert - einen Kurzüberblick über die wesentlichen Vorschriften des Standards.

Im Gegensatz zu den im ursprünglichen Entwurf vorgesehenen weitgehenden Querverweisen zu Regelungen der bestehenden IFRS wurde der neue Standard nunmehr grundsätzlich ohne Querverweise, als eigenständiges "stand-alone"-Dokument, veröffentlicht. Einzige Ausnahme hiervon ist die Möglichkeit zur Anwendung des IAS 39 "Finanzinstrumente: Ansatz und Bewertung" anstelle der entsprechenden Regelungen des IFRS für KMU.

Der Standard ist nach Themengebieten geordnet. Ziel des Standards ist es, kleinen und mittelgroßen Unternehmen im Vergleich zu den bestehenden, sogenannten "Full IFRS" vereinfachte und verkürzte Bilanzierungsregeln an die Hand zu geben.

IFRS für KMU - An wen richtet sich der Standard?

Die Entscheidung darüber, wer als kleines oder mittelgroßes Unternehmen anzusehen ist und somit die IFRS für KMU anwenden darf oder gegebenenfalls muss, überlässt das IASB, wie auch bei den "Full IFRS", ausdrücklich nationaler Gesetzgebung beziehungsweise den Regelungen nationaler Aufsichtsbehörden und Standardsetter. Allerdings gibt das IASB den Vorgenannten eine klare qualitative Definition vor, für welche Art von Unternehmen die Regelungen des neuen Standards beabsichtigt sind. 

Hiernach richtet sich der Standard an Unternehmen, die:

  • nicht kapitalmarktorientiert sind, also keine Schuld- oder Eigenkapitaltitel an einem öffentlichen Markt emittieren oder im Prozess sind, dies zu tun,
  • deren Hauptgeschäftszweck nicht im Halten von Treuhandvermögen für eine breite Gruppe von Außenstehenden besteht, zum Beispiel Banken, Versicherungen, Wertpapiermakler/-händler, Anlagefonds oder Investmentbanken und die
  • Mehrzweckabschlüsse für externe Adressaten veröffentlichen, etwa für nicht in die Geschäftsführung involvierte Eigentümer, Ratingagenturen oder - potenzielle - Kreditgeber.

Erleichterungen im Vergleich zu den "Full IFRS"

Der neue Standard bietet für in seinen Anwendungsbereich fallende Unternehmen weitgehende Erleichterungen im Vergleich zur Anwendung der "Full IFRS" durch:

  • die Auslassung von typischerweise für kleine und mittelgroße Unternehmen nicht relevanten Themen (Ergebnis je Aktie, Zwischenberichterstattung, Segmentberichterstattung, Spezialvorschriften für Vermögenswerte, die zur Veräußerung gehalten werden),
  • die Nichtübernahme bestimmter Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte, zum Beispiel keine Möglichkeit zur Quotenkonsolidierung von assoziierten und Gemeinschaftsunternehmen,
  • Vereinfachungen bei Ansatz- und Bewertungsvorschriften wie die planmäßige Abschreibung eines Geschäfts- und Firmenwerts, die direkte aufwandswirksame Erfassung von Forschungs- und Entwicklungskosten und Fremdkapitalkosten, Vereinfachungen in Bezug auf die Klassifizierung und den Abgang von Finanzinstrumenten sowie die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen und
  • Ausweis- und Angabeerleichterungen.

Der neue Standard tritt unmittelbar mit seiner Veröffentlichung in Kraft. Da die Regelungen des Standards nicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen gelten, unterliegt der Standard nicht dem gegenwärtigen Endorsement-Prozess der EU. Mangels derzeitiger Regelungen zur verpflichtenden oder freiwilligen, vom HGB-Abschluss befreienden Anwendung im deutschen Recht besteht derzeit nur die Möglichkeit, einen Abschluss nach den Regelungen des "IFRS für KMU“ zusätzlich zu einem HGB-Abschluss zu erstellen.

IFRS for small and medium-sized entities: Pocket quide 2009

Die Publikation "IFRS for small and medium-sized entities: Pocket guide 2009" von PwC gibt - nach Themenschwerpunkten geordnet - einen Kurzüberblick über die wesentlichen Vorschriften des Standards. Die Broschüre richtet sich an Leser, die über grundlegende Bilanzierungskenntnisse verfügen, jedoch bisher keine oder nur wenige IFRS-Kenntnisse besitzen.