Mittelständler entdecken die Börse

Mittelständischen Unternehmen steht mit börsengehandelten Anleihen eine neue Finanzierungsquelle offen. Damit können sie auch Privatanleger als Investoren gewinnen. Worauf Unternehmer achten müssen und wo sie den Gang an die Börse wagen können.

Regelmäßig berichten Zeitungen von mittelständischen Unternehmen, die Anleihen an der Börse platzieren. Das Angebot ist bei Privatanlegern beliebt. "Ganz neu ist dieses Instrument für Mittelständler allerdings nicht", sagt PwC-Partner und Finanzierungsexperte Bernd Papenstein. Bereits in der Vergangenheit gehörten private Platzierungen von Anleihen zu den Finanzierungsinstrumenten des Mittelstands. Neu ist der öffentliche Handel über die Börsen: "Damit können die Unternehmen auch Privatanleger als Investoren für sich gewinnen", erklärt Papenstein.

Günstige Finanzierungsoption für Unternehmen

Für beide Seiten ist das eine lohnende Angelegenheit. "Denn viele Mittelständler können sich auf diesem Weg oft günstiger finanzieren als mit vergleichbaren Alternativen", erklärt Papenstein. Wenn das Unternehmen bekannt und etabliert ist, sorgt das für viel Vertrauen bei Privatanlegern.

Oft überlagert dieser Aspekt die Risikobewertung auf Basis der reinen Zahlen. Die Unternehmen müssen daher oft weniger Zinsen bezahlen als sonst am Markt üblich. Aber auch für Privatanleger ist die Sache lukrativ: Die Zinsen von mittelständischen Anleihen sind meist höher als bei Staatsanleihen, bei denen die Renditen niedrig ausfallen und aufgrund der hohen Staatsverschuldung die Risiken immens sind.

Eine börsennotierte Anleihe macht nicht nur aus Finanzierungssicht Sinn: "So kann eine Mittelstandsanleihe auch ein Instrument sein, um Kunden stärker an ein Unternehmen zu binden", sagt Papenstein. Denn Kunden, die ohnehin schon Produkte von einer Firma kaufen, intensivieren als Investor ihre Beziehung zum Unternehmen.

Flexibler Baustein im Finanzierungs-Mix

Mittelständler sollten aber in Zukunft nicht nur auf diese Anleihen setzen: "Sie eignen sich als ein weiterer Baustein zur Finanzierung. Damit können Unternehmer den Kreis ihrer Finanzierer um einen Partner ergänzen", sagt Papenstein. Denn oft konzentriert sich die Finanzierung nach wie vor auf die Hausbank. Ein Vorteil: Privatanleger halten die Papiere oft über die gesamte Laufzeit. Dagegen schichten institutionelle Anleger ihre Portfolios schnell um. Das sorgt für hohe Kursausschläge. Ein Nachteil bleibt: Anders als Bankkredite sind diese Anleihen während der Laufzeit sehr unflexibel. Die Zins- oder Tilgungskonditionen lassen sich kaum nachverhandeln.

Wenn Mittelständler Anleihen über die Börse platzieren wollen, stehen ihnen mehrere Wege offen: Vorreiter und Marktführer ist die Börse in Stuttgart mit dem Segment Bondm. Aber auch die Börsen in Frankfurt, Düsseldorf, München und Hamburg/Hannover bieten inzwischen entsprechende Plattformen an.

In Stuttgart liegt das Mindestvolumen bei 25 Millionen Euro, an anderen Börsenplätzen ist eine Platzierung zum Teil schon mit zehn Millionen Euro möglich. Die einzelnen Papiere haben einen Nominalwert von 1.000 Euro. Daher kommen sie auch für Privatanleger in Frage. Die Emission ist ohne Kreditinstitut möglich. Nach der Zeichnungsphase wird der Preis der Anleihen über Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt.

So bereiten Sie die Einführung einer Anleihe professionell vor

Damit Unternehmen Anleihen an der Börse platzieren können, brauchen sie in der Regel einen Emissionsprospekt, der durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) genehmigt wird. Zudem benötigen sie ein Bonitätsrating durch eine internationale Ratingagentur. "Zwar ist für den Börsengang kein Kreditinstitut erforderlich, doch ein an der Börse zugelassener Coach ist einzuschalten", erklärt PwC-Finanzierungexperte Bernd Papenstein.

Schließlich sollte die Markteinführung einer Anleihe durch gezielte Finanzmarktkommunikation unterstützt werden. "Wer dauerhaft an der Börse erfolgreich sein will, muss gegenüber Investoren regelmäßig Zahlen offenlegen und transparent informieren", rät Papenstein.

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