Mittelständler sehen Risikomanagement als Wettbewerbsvorteil

Mittelständische Unternehmen sind risikobewusst. 81 Prozent der deutschen Mittelständler bestätigen, dass ihnen das Thema Risikomanagement wichtig ist. Dazu hat auch die Finanzkrise 2008/2009 beigetragen. Allerdings gibt es für die Unternehmen noch Nachholbedarf: Nur 28 Prozent der Firmen sind mit ihrem eigenen Risikomanagement zufrieden. Einer der Schwachpunkte: Die Unternehmen planen nicht langfristig genug, um Risiken steuern zu können. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie "Risikomanagement 2.0", die PwC zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) veröffentlicht hat. Für die Analyse wurden rund 1.000 Mittelständler, darunter 43 Prozent Familienunternehmer, befragt.

Für Mittelständler ist das Risikomanagement mehr als eine Pflichtaufgabe – knapp 90 Prozent der befragten Unternehmen betrachten es als Chance, ihr Vermögen zu schützen und den Fortbestand ihres Unternehmens zu sichern. 93 Prozent der Firmen richten ihre unternehmerischen Entscheidungen danach aus und 90 Prozent erkennen darin einen klaren Wettbewerbsvorteil. Die größten Risiken sehen die Unternehmen in Konjunktur und Wettbewerb, gefolgt von gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben und dem Fachkräftemangel.

"Die meisten Mittelständler erkennen inzwischen, dass sie durch ein gut aufgestelltes Risikomanagement ihren Unternehmenserfolg nachhaltig fördern können", sagt Thomas Tilch, Partner bei PwC im Bereich Governance, Risk & Compliance. Entsprechend ordnet die Mehrheit, 63 Prozent der befragten Unternehmen, das Thema einer zentralen Abteilung im Haus zu, häufig dem Controlling. Die meisten Unternehmen haben auch Risikoverantwortliche benannt. "Der überwiegende Anteil zumindest größerer mittelständischer Unternehmen hat damit die Weichen für eine Verzahnung von Risikomanagement und Unternehmenssteuerung gestellt", erläutert Björn Bürger, Experte für Risikomanagement bei PwC.

Unternehmer denken oft zu kurzfristig

Das Bewusstsein für Risiken ist bei mittelständischen Unternehmern also ausgeprägt. Schwierigkeiten ergeben sich allerdings häufig in der Praxis. Insbesondere konzentriert sich die Mehrheit lediglich auf kurzfristige Risiken – 64 Prozent der Studienteilnehmer bestätigen, dass ihre Risikoanalyse nur auf die kommenden ein bis zwei Jahre ausgerichtet ist. Diese Tendenz ist bei Familienunternehmern noch stärker ausgeprägt. "Die Analyse orientiert sich häufig an der einjährigen Budgetplanung. Gerade für Mittelständler wäre eine langfristige Steuerung aber wichtig, da sie in der Regel in wenigen Geschäftsfeldern tätig sind und ihre Risikostreuung entsprechend gering ist. Fahren auf Sicht reicht auf Dauer nicht", sagt Thomas Tilch und empfiehlt daher eine längerfristige Betrachtungsweise.

Nicht alle Risiken auf dem Schirm?

Für eine risikoorientierte Unternehmenssteuerung müssen alle wesentlichen Risiken vollständig abgebildet werden. An Tochtergesellschaften und Beteiligungen wird zwar fast immer gedacht. Übergreifende und eher prozessuale Themen wie IT, Compliance oder Nachhaltigkeit werden aber deutlich seltener berücksichtigt. Hier gibt es also noch einiges zu tun.
Handlungsbedarf sehen die PwC-Experten auch in der IT-Ausstattung der Unternehmen zum Thema Risikomanagement. 66 Prozent der Firmen gaben an, ihr Risikomanagement IT-gestützt durchzuführen, mehr als 80 Prozent davon arbeiten mit Standard-Office-Produkten. Dies kann bei gleichzeitiger Nutzung durch verschiedene Anwender oder in Bezug auf Konsolidierungs- und Datensicherheitsaspekte zu Problemen führen. Standard-Anwendungsprogramme und intelligente Toollösungen helfen dabei, dies zu verhindern.

Defizite in der Bewertung von Risiken

Schwachpunkte gibt es nicht nur in der Erfassung, sondern auch in der angemessenen Bewertung von Risiken. Die Umfrage zeigt, dass 22 Prozent aller mittelständischen Unternehmen keine Bewertung der Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß vornehmen. Bei Familienunternehmen liegt dieser Wert sogar bei 30 Prozent. Für Großunternehmen ist das längst Selbstverständlichkeit. Hier sehen Tilch und Bürger ein klares Defizit, denn Risiken lassen sich nur so vergleichen und beurteilen: "Wir empfehlen Unternehmen, eindeutige Bewertungskriterien festzulegen und anzuwenden."

Den Bedarf sehen auch die Unternehmen selbst: 69 Prozent bestätigen, dass sie Verbesserungspotenziale in ihrem Risikomanagement erkennen – vor allem in der Risikoidentifikation und -bewertung (68 Prozent), bei der Risikovermeidung und -reduzierung (ebenfalls 68 Prozent) sowie für die Risikoberichterstattung und die . Verbindung mit dem Controlling. Die Studie beinhaltet zahlreiche Handlungsempfehlungen zur Hebung dieser Potenziale.

Bibliographische Daten

Risikomanagement 2.0
Ergebnisse und Empfehlungen aus einer Befragung in mittelständischen deutschen Unternehmen

Herausgeber

PwC
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)

Bibliographie/Quelle

Dezember 2011
32 S.
zahlr. Abb.
zahlr. Tab.

Preis

kostenlos