Offen für Neues

Die deutschen Familienunternehmen sind in den vergangenen fünf Jahren nachhaltig gewachsen. Wesentlich zum Erfolg beigetragen haben der Mut zur Internationalisierung und die Offenheit für neue Ideen und Einflüsse, wie eine mit dem Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) und mit Unterstützung der INTES Akademie für Familienunternehmen erstellte PwC-Studie zeigt.

Im Gespräch mit Dr. Peter Bartels, Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC


Dr. Peter
Bartels

Familienunternehmen gelten als traditionsbewusst und werteorientiert, aber auch als eher risikoscheu, wenig flexibel und tendenziell wachstumsschwach. Ist diese Charakterisierung zutreffend, oder wird sie von den Studienergebnissen widerlegt?

Dr. Peter Bartels: Werteorientierung und Wachstum waren auch in den – durchaus schwierigen - vergangenen fünf Jahren kein Widerspruch. Unsere Analyse zeigt, dass sich die große Mehrheit der Familienunternehmen seit 2008 erfolgreich an Wettbewerbserfordernisse angepasst hat, ohne ihre identitätsstiftenden Werte und Ziele aus dem Blickfeld zu verlieren. Etwa drei Viertel der befragten Betriebe haben ihren Umsatz zum Teil deutlich gesteigert, zwei von drei haben zusätzliches Personal eingestellt und gut die Hälfte der Unternehmen arbeitet profitabler als vor Beginn der Wirtschaftskrise. Gleichzeitig rangieren bei den Befragten für Familienunternehmen typische Ziele wie die Sicherung des familiären Zusammenhalts oder auch die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft deutlich vor rein betriebswirtschaftlichen Zielen wie beispielsweise der Gewinnmaximierung.

Also sind werteorientierte Unternehmen auch in Krisenzeiten erfolgreicher als andere?

Bartels: Ganz so einfach ist es nicht. Auch Familienunternehmen brauchen eine Wachstumsstrategie sowie die Mittel und Fähigkeiten, um diese umzusetzen.

Wie sieht diese Wachstumsstrategie denn aus?

Bartels: Wir haben in der Studie vier unterschiedliche Wachstumsstrategien bei den befragten Familienunternehmen identifiziert. Die gemessen an der Entwicklung von Umsatz, Mitarbeiterzahl, Vermögen und Rendite erfolgreichsten Unternehmen setzen sowohl auf organisches Wachstum als auch auf Akquisitionen, und zwar im In- und Ausland. An zweiter Stelle folgen die Familienunternehmen, die ihre Internationalisierung vorantreiben, dabei aber auf Akquisitionen verzichten. In den wachstumsschwächeren Clustern sind überwiegend Unternehmen zu finden, die ausschließlich im Inland aus eigener Kraft bzw. durch Unternehmensübernahmen expandieren.

Die Internationalisierung spielt demnach eine Schlüsselrolle?

Bartels: Ja, die überdurchschnittlich erfolgreichen Unternehmen sind auch auf überdurchschnittlich vielen Auslandsmärkten aktiv. Übrigens ist China noch vor den USA der wichtigste Markt bzw. Standort außerhalb der EU – so viel zu dem Klischee, dass Familienbetriebe das unternehmerische Risiko scheuen.

Woran liegt es denn, dass einige Familienunternehmen eine expansivere Wachstumsstrategie verfolgen als andere?

Bartels: Die Studienergebnisse deuten auf einen starken Zusammenhang zwischen Wachstum und Governance-Strukturen hin: Unternehmen mit einem ausgewogenen Verhältnis von familieninternen und –externen Entscheidern bzw. Anteilseignern agieren zumindest tendenziell erfolgreicher als reine Familienunternehmen. Dabei kommt es aber auch auf die innerfamiliäre Balance an. Eine starke Anteilskonzentration bei wenigen Familienmitgliedern ist ebenso ein wachstumshemmender Faktor wie sehr lange Amtszeiten von Geschäftsführern aus dem Familienkreis. Wie wichtig die rechtzeitige Verjüngung der Unternehmensführung sein kann, zeigt sich bei der Internationalisierung: Meist ist es die Enkelgeneration, die den Schritt ins Ausland wagt.