Post Merger Integration nach Firmenfusionen: Die wichtigsten Schritte

Schließen sich zwei Unternehmen zusammen, geschieht das nicht immer reibungslos. Doch mit Hilfe einer bei PwC entwickelten Vorgehensweise lassen sich Fehler vermeiden und Risiken minimieren. Christian Knechtel, Themenkoordinator für das Integrationsmanagement bei PwC, erläutert das Vorgehen.

Harmonisierung der Geschäftsabläufe

"Gleich zu Beginn ist ein Zeitplan abzustimmen, der für alle Beteiligten verbindlich wird", sagt Christian Knechtel. Als realistische Zeitintervalle haben sich in der Praxis folgende Abstufungen bewährt:

  • Vom Start gerechnet 100 Tage für die erste Übernahme-Phase.
  • Ab dem 90sten Tag sollte eine zweiwöchige Evaluierungsphase durchgeführt werden, um die langfristigen Integrationsziele im Detail festzulegen.
  • Ab dem 100. Tag (bis zum Ende des Geschäftsjahres) folgt die Benefits-Phase, die 12 bis 18 Monate mit unterschiedlichen Schwerpunkten dauern kann.

Welche Ziele sollen innerhalb welcher Phasen erreicht werden? Hier warnt Christian Knechtel, überhastet vorzugehen: "Die individuelle Integrationsgeschwindigkeit kann nur gemeinsam mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Danach ist sie jedoch von allen entschlossen einzuhalten." Folgende Kriterien für eine erfolgreiche Harmonisierung der zukünftigen Geschäftsabläufe gelten dabei:

  • Harmonisierung heißt Integration, Integration impliziert Standardisierung, Standardisierung bedeutet Reduzierung von Ausnahmen.
  • Die Unternehmen sollten sich an Best-Practise-Abläufen orientieren, nicht an historischen Prozessen.
  • Zuerst sind interne und externe Reporting-Prozesse zu vereinheitlichen, dann der Personalbereich (HR), anschließend Vertrieb und Einkauf und dann weitere.

Zusammenschluss der IT-Systeme

Hier gilt die gleiche Zeitplanung wie bei der Harmonisierung der Geschäftsabläufe. Im Rahmen dieses Zeitplanes sollten folgende Aufgabenschwerpunkte stehen:

  • Einführung eines unternehmensweiten Schnittstellen-Managements, das sich an der Geschäftsstrategie orientieren muss (Was wird in zwei bis vier Jahren benötigt?).
  • Alle IT-Projekte werden zum Tag 1 minus 30 anhand der künftigen Geschäftsziele bewertet und gegebenenfalls gestoppt.
  • Aktivitäten-Matrix entwerfen: Erfolgskritische Anwendungen (Standardsoftware und eigenentwickelte Software) und betroffene Unternehmensbereiche.
  • Ordnungsmäßigkeit der Datenmigration im Projekt sicherstellen.
  • Zugriffsberechtigungen anpassen (Wer soll auf was zugreifen können?).

Mitarbeiter

Es gilt vorrangig, die Leistungsträger an das Unternehmen zu binden, Ängste durch frühzeitiges Informieren und Beteiligen abzubauen. "Das Mitarbeiter-Management ist bei Fusionen und Übernahmen eines der sensibelsten Themen", sagt Christian Knechtel. Eine Arbeitsliste sollte daher unter anderem die folgenden Punkte enthalten:

  • Leistungsträger identifizieren und Bindungskonzepte erarbeiten
  • Management-Audit durchführen (Wer muss bleiben?)
  • Mitarbeiter rechtzeitig und umfassend informieren (schlechte Nachrichten zuerst)
  • Marketingabteilung und/oder Agentur einbinden, um schnell eine gemeinsame Unternehmenskultur zu entwickeln und zu etablieren.

"Eine solche Checkliste ist allerdings als erste Basis, als eine Anregung zu verstehen", betont Christian Knechtel. "Denn der Zusammenschluss zweier Unternehmen ist ein komplexes Unterfangen, und so kann die Liste im konkreten Fall andere Priorisierungen verlangen." In jedem Fall rät er jedoch, für die Post Merger Integration professionelle Unterstützung von außen in Anspruch zu nehmen, da das eigene Management häufig bereits durch das Tagesgeschäft stark in Anspruch genommen ist. "Denn eine erfolgreiche Unternehmenszusammenführung ist viel zu wichtig, um sie in wenigen, eiligen Besprechungen abzuhandeln", weiß Christian Knechtel.

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