"Der Mittelstand sucht heute in Finanzierungsfragen neue Wege. Zentrales Thema der Familienunternehmen ist es, ihre Zahlungsfähigkeit langfristig zu sichern. Der klassische Kredit hat nicht mehr das Monopol," so Dr. Peter Bartels, Mitglied des Vorstands und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC. Eine Studie, die PwC und die Stiftung Familienunternehmen bei der TU München in Auftrag gegeben haben, analysiert, in welchen Situationen der Kapitalmarkt für Familienunternehmen eine Finanzierungsalternative bieten kann und wo mögliche Stolpersteine liegen.
Viele Familienunternehmen setzen auf eine Finanzierung aus verschiedenen Quellen. Der Kapitalmarkt kann für Familienunternehmen auch ohne einen Börsengang eine attraktive Finanzierungsalternative bieten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Die Kapitalmarktfähigkeit von Familienunternehmen - Unternehmensfinanzierung über Anleihen, Schuldscheindarlehen und Börsengang".
Familienunternehmen sehen durchaus den Vorteil, dass sie über eine Finanzierung am Kapitalmarkt einen größeren Bekanntheitsgrad in der breiten Öffentlichkeit erreichen können. Ein Punkt, der ihnen bei Kunden oder auch bei der Rekrutierung von Mitarbeitern unmittelbare Vorteile bringt.
Die Tendenz, dass sich der Mittelstand gegenüber einer Kapitalmarktfinanzierung öffnet, zeigt sich auch in der steigenden Popularität von Mittelstands-Bonds. An einigen Börsen in Deutschland haben diese sich als eigenes Segment etabliert.
Bankkredite, das zeigen die Interviews mit den Befragten, werden zwar nach wie vor wichtig bleiben, aber alternative Kapitalmarktfinanzierungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie werden alledings sehr unterschiedlich bewertet. So schätzen die Familienunternehmen die Anleihe deutlich positiver ein als die Kapitalmarktexperten. Bei der Emission von Schuldscheinen ist es umgekehrt. Besonders unterschiedlich ist die Einschätzung der Mezzanine-Finanzierung: Der Kapitalmarkt hält sie für zukunftsfähig, während Familienunternehmer sie nicht als alternative Finanzierungsquelle sehen.
Die befragten Familienunternehmen, die bereits den Kapitalmarkt in Anspruch genommen haben, bewerten diesen Weg durchweg positiv. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie auf der Fremdkapitalseite Schuldscheindarlehen oder Anleihen emittiert haben oder auf der Eigenkapitalseite über einen Börsengang eine Kapitalerhöhung erreichten.
Unbedingte Voraussetzung, um den Kapitalmarkt erfolgreich zu nutzen, ist die Bereitschaft des Unternehmens, sich zu öffnen und gegenüber der Öffentlichkeit Transparenz zu zeigen. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die gezielte Kommunikation mit Investoren. Das bestätigen sowohl die Kapitalmarktexperten als auch die für die Studie befragten Familienunternehmer.
"Entscheidend ist eine Kombination aus Finanzierungsinstrumenten, die optimal auf die Unternehmensstrategie abgestimmt sind. Nur so können die gewählten Finanzierungsalternativen ihren vollen Nutzen entfalten", ist Dr. Peter Bartels überzeugt.
Die Kapitalmarktfähigkeit von Familienunternehmen
Unternehmensfinanzierung über Schuldschein, Anleihe und Börsengang
Univ.-Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner
Univ.-Prof. Dr. Christoph Kaserer
Dipl.-Kffr. Nina Günther
Dipl.-Kffr. Sarah Volk
Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS)
Technische Universität München
PwC, Frankfurt am Main
Stiftung Familienunternehmen, München
März 2011
192 S.
zahlr. Abb.
zahlr. Tab.
ISBN: 978-3-942467-12-4