Aufmerksamkeit fürs CO2-Reporting wächst weltweit weiter

Unternehmen weltweit schenken der Berichterstattung über ihre Klimagas-Emissionen weiter wachsende Beachtung: Selbst im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2009 antworteten mehr als 400 der 500 größten Firmen der Welt auf Fragen des Carbon Disclosure Project (CDP) nach ihrem CO2-Reporting - so viele wie nie zuvor. Die Initiative, die getragen wird von 475 institutionellen Anlegern, wertet das als Indikator dafür, wie hoch das Thema auf der Agenda der Konzernlenker steht.

Von den 500 größten Firmen im FTSE-Global-Index haben stolze 82 Prozent die Verantwortung für das Thema Klimawandel auf Vorstandsebene angesiedelt, zeigt der Global-500-Report, den PwC für das Carbon Disclosure Project zusammengestellt hat. Am weitesten verbreitet ist die Verankerung des Themas auf höchster Ebene bei Versorgern und Rohstoffkonzernen. Diese beiden Sektoren erhalten auch die besten Noten für die Rechenschaft, die sie über ihre CO2-Emissionen ablegen.

Die guten Noten, die die Sektoren "Utilities" und "Materials" für ihr CO2-Reporting erhalten, legen den Schluss nahe, dass Vorstandsverantwortung und Sorgfalt im CO2-Reporting Hand in Hand gehen. Allerdings ist der Druck auf die beiden Branchen auch deutlich größer: Sie stehen wie wenige andere im Blickpunkt der Öffentlichkeit und im ständigen Austausch mit der Politik.

Umso erstaunlicher ist es, dass die - emissionsarme - Finanzbranche sich offenbar intensiv mit dem Ausstoß von Klimagasen auseinandersetzt: Ihre Bewertung fällt ähnlich positiv aus wie die für das Reporting der emissionsintensiven Sektoren - und liegt damit über dem Durchschnitt der 500 weltgrößten Unternehmen. Die indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf Handels- und Investmentaktivitäten und das Kreditgeschäft zwingen die Institute offenbar zum Nachdenken.

Die Finanzbranche ist mit elf Unternehmen sogar der am stärksten vertretene Sektor im "Global 500 Carbon Disclosure Leadership Index" (CDLI). In ihm fasst das Carbon Disclosure Project die 50 Unternehmen mit den besten Noten für die CO2-Berichterstattung zusammen. Neben US-Unternehmen, die die Hälfte des CDLI ausmachen, sind australische, britische und deutsche Unternehmen in nennenswerter Zahl im Index vertreten. Die allmählich greifenden Emissionsregularien dürften zur Qualität des CO2-Reportings in diesen Ländern beigetragen haben.

Die zehn Unternehmen mit den besten Bewertungen für ihr Klimagas-Reporting (in alphabetischer Reihenfolge)
Unternehmen Branche
Quelle: Carbon Disclosure Project, Carbon Disclosure Project 2009 - Global 500 Report, S. 9
Bayer Chemie und Pharma
BASF Chemie und Pharma
HSBC Holdings Finanzdienstleistungen
Wal-Mart Handel und Konsumgüter
Chevron Energiewirtschaft
Cisco Systems Technologie, Medien und Telekommunikation
PG&E Energiewirtschaft
Public Service Enterprise Group Energiewirtschaft
Spectra Energy Energiewirtschaft
Bank of Montreal Finanzdienstleistungen
Boeing Industrielle Produktion
Carnival Handel und Konsumgüter
Rio Tinto Industrielle Produktion
Samsung Electronics Technologie, Medien und Telekommunikation

Enger Zusammenhang zwischen Reporting und Emissionsvermeidung

Wie stark sich Unternehmen für die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen tatsächlich machen, drückt der Carbon Disclosure Leadership Index zwar noch nicht aus - im Fokus steht hier die Qualität des Reportings. Erstmals wurden jedoch 2009 Daten zu Vermeidungsanstrengungen der Unternehmen erhoben. Und ein enger, wenn auch noch nicht zwingender Zusammenhang zwischen Reporting und Vermeidung lässt sich bereits feststellen.

Als eifrigste Emissionsvermeider haben sich bei der Erhebung, die PwC für das Carbon Disclosure Project ausgewertet hat, Unternehmen der Technologiebranche erwiesen.

Sieben der zwölf am stärksten in der Emissionsvermeidung engagierten Unternehmen sind dem Global-500-Report des Carbon Disclosure Projects zufolge in Europa beheimatet, fünf in den USA. Unter den europäischen Unternehmen schneiden sowohl beim CO2-Reporting als auch bei den Vermeidungsanstrengungen jene Unternehmen am besten ab, die unter das Europäische Emissionshandelssystem (Emission Trading Scheme, ETS) fallen.

Aus Deutschland melden vor allem große Gesellschaften ihre Emissionen

In Deutschland befragte das Carbon Disclosure Project die 200 nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen. Von den angeschriebenen DAX-Unternehmen antworteten stolze 97 Prozent, auch wenn insgesamt nur 102 der angeschriebenen deutschen Unternehmen antworteten. Kleineren Unternehmen dürfte zum einen häufig noch das Personal für die Beantwortung der Umfrage fehlen. Zum anderen scheint in dem Segment der "small caps" auch der Kapitalmarkt wesentlich zurückhaltender mit seinen Fragen zu sein.

Auch außerhalb von USA und EU wächst die Aufmerksamkeit für Klimagas-Emissionen

Zwar sind die westlichen Industrienationen noch Vorreiter beim Reporting von Klima-Emissionen. Doch sowohl in Asien als auch in Lateinamerika wächst die Aufmerksamkeit: Die Zahl der Unternehmen aus Asien, die auf die Anfrage des Carbon Disclosure Projects antworteten, stieg zwischen 2008 und 2009 um fast 40 Prozent auf 71. Aus Brasilien antworteten sogar alle dort ansässigen Global-500-Unternehmen, so dass die Rücklaufquote aus den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) auf 44 Prozent stieg.

Im Gespräch mit Hendrik Fink, PwC-Experte für Nachhaltigkeit


Hendrik Fink

Frage: Warum scheuen Firmen selbst in Krisenzeiten nicht vor Zeit- und Personalaufwand für CO2-Reporting zurück?

Hendrik Fink: Wie Nachhaltigkeitsberichte insgesamt haben sich die CO2-Reports zu einer wesentlichen Richtschnur für Einkäufer und Auftraggeber, Investoren und Kapitalgeber, Kunden, Politiker und zahlreiche andere Stakeholder entwickelt. Ohne solche Reports sind manche Aufträge schon nicht mehr zu gewinnen, manche Geldquellen verschlossen.

Frage: Ist nicht allmählich ein funktionierendes CO2-Reporting bei allen Unternehmen installiert, die es brauchen?

Fink: Der Report des Carbon Disclosure Projects, den PwC als Global Advisor der Initiative zusammengestellt hat, zeigt es ja deutlich: In vielen Ländern beginnt das Interesse daran gerade erst. Dort haben noch längst nicht alle Unternehmen ein Reporting installiert. Und bei vielen kleineren Unternehmen, die nicht zu den Global-Top-500 zählen, wächst das Bewusstsein auch erst langsam.

Frage: Rechnen Sie mit weiteren, strengeren Auflagen internationaler oder nationaler Regulatoren? Oder hält man in der Politik die bestehenden Initiativen der Wirtschaft für ausreichend?

Fink: Das ist natürlich eine politische Frage und daher schwer zu beantworten. Einerseits hat das europäische Emissionshandelssystem (ETS) durchaus zählbare Emissionsreduzierungen bewirkt. Andererseits darf ein Emissionsregime die Unternehmen nicht zu stark belasten und zu sehr ans Gängelband nehmen.