Augen auf beim Unternehmenskauf: So werden Umweltrisiken aufgespürt

„Die Analyse von Umweltrisiken gehört zum Pflichtprogramm beim Unternehmenskauf“, sagt PwC-Experte Dieter W. Horst. Der Spezialist für Umweltrisiken spürt seit 23 Jahren Altlasten und Rechtsverstöße zum Umweltschutz auf. Er weiß: „Wenn Unternehmen verkauft werden, gibt es viele Sachverhalte zu bewerten, damit Chancen und Risiken angemessen im Kaufpreis berücksichtigt werden können. Ein besonders wichtiges Thema sind Haftungsrisiken wegen Umweltsünden der Vergangenheit.“

Im Gespräch mit dem Umweltrisiko-Experten Dieter W. Horst


Dieter W.
Horst

Sie raten im Vorfeld eines Unternehmenskaufs zu einer Environmental Due Diligence. Was ist das genau?

Dieter Horst: Eine Environmental Due Diligence ist eine systematische Analyse der Umweltrisiken eines Unternehmensstandortes – meist im Zusammenhang mit einem Verkauf des Standortes. Ziel der Analyse ist es, aktuelle oder zukünftige Risiken rund um Umweltsachverhalte zu identifizieren. Denn diese können sich entscheidend auf die Transaktion und den Kaufpreis auswirken. Da geht es darum, mögliche Haftungsrisiken für Altlasten zu ermitteln. Aber auch der genehmigungskonforme Anlagenbetrieb, die Einhaltung von Grenzwerten und der Umgang mit Gefahrenstoffen sind häufig wichtige Themen.

Wer beauftragt diese Analyse?

Horst: Auftraggeber können Käufer wie Verkäufer sein. Käufer wollen Risiken identifizieren, die zum Beispiel den Weiterbetrieb oder Ausbau des Standortes behindern oder die kaufpreisreduzierend wirken können. Für Verkäufer ist es wichtig, vorab zu wissen, welche Defizite sie vielleicht noch kurzfristig beseitigen können oder welche Strategien sie den Käufern anbieten können, um die Risikolast zu teilen.

In welchem Fall empfehlen Sie eine Environmental Due Diligence?

Horst: Auf alle Fälle empfehlenswert ist sie für Unternehmen aus besonders risikorelevanten Branchen. Dazu gehören Unternehmen aus der Chemiebranche, aber auch Maschinenbauer oder Firmen aus der Kunststoff- und Metallverarbeitung. Bei Energieerzeugern ist die Analyse ebenfalls sinnvoll. Wenn es am Standort in der Vergangenheit zu Betriebsstörungen wie einem Brand oder Stoffaustritten gekommen ist oder die Vornutzung des Standortes nicht bekannt ist, rate ich zu besonderer Aufmerksamkeit. Bei Standorten, deren Anlagen umfangreichen Genehmigungswerken unterliegen – wie dem Bundesimmissionsschutzgesetz, dem Wasserhaushaltsgesetz oder der Störfallverordnung – sollte man auch besser zweimal hingucken.

Was wird bei der Analyse genau untersucht?

Horst: Bei einer Environmental Due Diligence wird zuerst einmal die Unternehmensorganisation und besonders das Umweltmanagement daraufhin untersucht, ob sie geeignet sind, den Umweltschutz zu gewährleisten. Dabei nehmen wir Verfahrensweisen, Verantwortlichkeiten, Ressourcen, Praktiken und Standards auf und bewerten sie auf ihre Tauglichkeit. In der Produktion schauen wir uns die Prozessabläufe genau an und analysieren die Umweltbelastungen beispielsweise durch Lärm, Abwärme, Abwasser, Luftbelastung oder Strahlung. Wir analysieren aber auch Kostenfaktoren wie den Energieverbrauch. Ein ganz wichtiger Punkt ist die mögliche Kontamination von Boden und Gebäuden.

Warum spielen Altlasten dabei eine wichtige Rolle?

Horst: Noch vor rund 40 Jahren war es legal, wenn Unternehmen ihre Abfälle auf dem Werksgelände ohne Sicherungsmaßnahmen vergruben. Durch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg wurden Produktionsanlagen zudem so zerstört, dass gefährliche Inhaltsstoffe unkontrolliert austreten konnten. Diese Verunreinigungen wurden nach dem Krieg oft nur notdürftig beseitigt. Dazu kommt eine Besonderheit im deutschen Recht: Unternehmen haften für Bodenverunreinigungen als Zustandsstörer unabhängig von ihrem Verschulden.

Was bedeutet das genau?

Horst: Verschuldensunabhängig bedeutet, dass die Behörde den Grundstückseigentümer zur Übernahme der Sanierungskosten zwingen kann – und zwar auch dann, wenn dieser die Altlast gar nicht verursacht hat. Das gilt sogar, wenn er das Grundstück weiterverkauft hat. Altlasten sind zudem nur sehr aufwändig und langwierig zu beseitigen, besonders wenn das Grundwasser betroffen ist.

Auf welche anderen Sachverhalte sollten Unternehmen beim Unternehmenskauf achten?

Horst: Umwelt ist das Pflichtprogramm, aber immer mehr Themen aus dem Bereich der Nachhaltigkeit gewinnen an Relevanz, wenn es um Risikomanagement beim Unternehmenskauf geht. Unternehmen sollten beispielsweise genau hinsehen, ob die Arbeitnehmerrechte respektiert werden, wie nachhaltig die Lieferkette ist oder ob das Unternehmen verantwortungsbewusst mit gefährlichen Inhaltsstoffen der Produkte umgeht. Auch der Dialog mit Stakeholdern gewinnt zur Reputationssicherung immer mehr an Bedeutung. Darum hat PwC vor einigen Jahren die „Sustainability Due Diligence“ entwickelt. Damit decken wir das gesamte Spektrum relevanter Nachhaltigkeitsthemen ab. Wir ermitteln dabei nicht nur die Risiken, sondern auch mögliche Chancen für Prozessoptimierungen oder Kosteneinsparungen. Denn beim Thema Nachhaltigkeit geht es ja nicht darum, die Welt zu retten, sondern darum, clever zu wirtschaften.

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