"Wir werden den Wert von Wasser erst verstehen, wenn der Brunnen trocken ist", wusste bereits der amerikanische Politiker Benjamin Franklin im 18. Jahrhundert. Heute ist weltweit jeder dritte Mensch von Wasserknappheit betroffen. Im Jahr 2030 könnten fast 50 Prozent der Weltbevölkerung in Regionen leben, in denen mehr Wasser verbraucht wird als zur Verfügung steht. Der Mangel an (sauberem) Süßwasser ist nicht nur für Individuen eine existenzielle Bedrohung. Auch Unternehmen stehen vor großen Risiken, wenn dieses Wasser knapp wird. Wie Firmen damit umgehen können, zeigt ein Best-Practice-Guide von PwC.
Das rasante Bevölkerungswachstum hat dazu geführt, dass sich der Wasserverbrauch in den letzten 50 Jahren verdreifacht hat. 39 Prozent der Unternehmen, die für den Jahresbericht 2010 des "CDP Water Disclosure" befragt wurden, spürten bereits die Folgen von Wasserknappheit, Überschwemmungen oder Dürreperioden auf ihr Geschäft: Wasserpreise steigen, denn immer stärker verschmutztes Wasser muss aufwändig behandelt werden. Überschwemmungen oder extreme Trockenheit können die Produktion im schlimmsten Falle unmöglich machen.
Besonders stark betroffen sind Branchen, die hohe Wassermengen benötigen, wie beispielsweise landwirtschaftliche Betriebe, Bergbau- und Energieunternehmen. Aber auch Unternehmen der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie spüren die Folgen. Über internationale Lieferketten sind auch deutsche Unternehmen betroffen.
Wie Unternehmen die Risiken steuern können, die mit der Ressource Wasser verbunden sind, hat PwC in einem Best-Practice-Guide zusammengefasst. "An erster Stelle steht", so Barbara Wieler, Expertin für Nachhaltigkeit bei PwC, "die Geschäftsrisiken, die für das eigene Unternehmen durch die Ressource Wasser entstehen können, zu identifizieren und zu bewerten". Dabei hilft eine geografische oder räumliche Analyse. Barbara Wieler empfiehlt Unternehmen, genau zu berechnen, wie gut sie mit der Ressource Süßwasser umgehen. Wie hoch ist der Verbrauch? Wie hoch die Kosten? Wie viel Wasser steht lokal zur Verfügung? In welcher Qualität?
Investoren und die Öffentlichkeit fragen immer genauer nach, wie nachhaltig Unternehmen wirtschaften. "Deshalb sollten Unternehmen in ihrer internen und externen Berichterstattung auch zum Thema Wasser Stellung nehmen", rät Barbara Wieler. Welche Kennzahlen sich dafür eignen können, zeigt der Best-Practice-Guide.
Darüber hinaus sollten Firmen eine Management-Strategie entwickeln, wie sie den Umgang mit Wasser verbessern wollen. Eine Maßnahme kann darin bestehen, die Abhängigkeit von Frischwasser zu verringern, indem das Unternehmen eigenes Wasser aufbereitet. Wie das in der Praxis aussehen kann, macht IBM vor: Das Unternehmen konnte durch die Aufbereitung von Abwasser den Wasserverbrauch für die Reinigung von Halbleiter-Chips am Standort New York um 30 Prozent reduzieren und dadurch jährlich Kosten in Höhe von 1,5 Millionen US-Dollar einsparen.
Außerdem werden Unternehmen intensiver mit Kommunen zusammenarbeiten müssen, so Wieler weiter. Das gelte besonders für Produktionsstätten in Ländern, wo qualitätsbezogene Standards mittelfristig beispielsweise an EU-Standards angepasst werden.
Letztlich entstehen rund um die Ressource Wasser aber auch Geschäftschancen: Der Markt für Produkte und Dienstleistungen, die die Effizienz von Wasser erhöhen, wird auf 50 bis 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Wie das funktionieren kann, zeigt General Electric bereits heute: Technologien für die Aufbereitung und den Schutz von Wasser hat der Konzern in einem neuen Geschäftsfeld zusammengefasst, das 2009 bereits 18 Milliarden US-Dollar an Einnahmen generierte. Ähnliche Erfolge kann beispielsweise auch Siemens vorzeigen.
Praxisbeispiele renommierter Unternehmen, quer durch alle Branchen, ergänzen den theoretischen Teil der Publikation. Lesen Sie in dem kostenlos verfügbaren pdf des Best-Practice-Guides, welche Strategien Lebensmittelkonzerne wie Nestlé und Coca Cola oder Konsumgüterfirmen wie Unilever und Nike definiert haben, um das mit der Ressource Wasser verbundene Risiko für ihr Unternehmen in den Griff zu bekommen.
The true value of water
Best practices for managing water risks and opportunities
PwC, USA
Januar 2011
19 S.
kostenlos