Fit für die Zukunft: Nachhaltiges Wassermanagement

Nachhaltigem Wassermanagement kommt im 21. Jahrhundert eine Schlüsselstellung zu. Das rasante wirtschaftliche Wachstum der Emerging Markets, der Klimawandel und die Zunahme der Weltbevölkerung belasten die Ressource Süßwasser in zunehmendem Maße. Während die sich erneuernden Trinkwasserspeicher immer weiter unter Druck geraten, hat sich der Trinkwasserverbrauch in den letzten 50 Jahren verdoppelt.

Schon im Sommer 2003 bekamen deutsche Unternehmen einen Eindruck davon, was extreme Hitze und sinkende Pegelstände von Flüssen und Seen bewirken können: Der extrem heiße Sommer brachte damals nach Informationen der Munich Re in Europa einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 13 Milliarden US-Dollar. Im Sommer 2010 mussten deutsche Atomkraftwerke ihre Leistung drosseln, weil das Kühlwasser durch die Sommerhitze knapp geworden war.

"Wasser wird als Wettbewerbsfaktor immer wichtiger", warnt PwC-Nachhaltigkeitsexperte Michael Werner. Denn schon im Jahr 2030 wird mit 47 Prozent fast die Hälfte der Weltbevölkerung in sogenannten "High water stress" Regionen leben, das heißt Regionen, in denen mehr Wasser verbraucht wird, als zur Verfügung steht. So lautet zumindest die Prognose der Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD).

Erst mit einem nachhaltigen Wassermanagement, sagt PwC-Experte Werner, könnten Unternehmen die Risiken im Umgang mit der Ressource Wasser erkennen und angemessen bewerten. Denn nicht nur bei der Herstellung ihrer Produkte, bei industriellen Prozessen, in der Energieversorgung und beim Transport sind Unternehmen von der Verfügbarkeit von Wasser in ausreichender Menge und Güte abhängig. Auch der Absatz vieler Produkte setzt voraus, dass den Endnutzern genügend sauberes Wasser zur Verfügung steht.

Vorteile im Wettbewerb um die weltweit knapper werdenden Wasservorräte werden die Unternehmen haben, die frühzeitig wasserbezogene Daten ihrer Produktion und ihrer Lieferkette erfassen, sich um effiziente Lösungen der Wassereinsparung kümmern und sich für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen vor Ort einsetzen.

Sie schützen damit ihre Reputation – etwa bei Nutzungskonflikten zwischen den Unternehmen beziehungsweise dessen Lieferanten und der Bevölkerung – und kommen staatlichen Regulierungsbestrebungen zuvor.

Sogar Anleger an den Kapitalmärkten achten mittlerweile auf einen verantwortungsvollen Umgang der Unternehmen mit Wasser: Das Carbon Disclosure Project (CDP) – ein internationaler Zusammenschluss von Investoren, die ein Anlagevolumen von insgesamt 64 Billionen US-Dollar zusammenbringen – hat seine jährliche Befragung von Unternehmen der Global 500 zu CO2-Emissionen im Jahr 2010 um Parameter rund um die Ressource Wasser erweitert. Auch die Investoreninitiative Ceres hat Anfang 2010 ihre erste Benchmark-Studie über Wasserrisiken bei namhaften Unternehmen veröffentlicht. Um vor den Investoren-Initiativen zu bestehen, müssen Unternehmen  nachweisen, dass sie ökologisch und ökonomisch handeln.

Im Gespräch mit Michael Werner, PwC-Nachhaltigkeits-Experte:


Michael Werner

Frage: Unternehmen agieren in Deutschland, aber auch weltweit - wo ist nachhaltiges Wassermanagement besonders notwendig?

Michael Werner: Wasser wird weltweit knapper. Das betrifft in Deutschland in geringem Maße Produktionsstandorte, aber viel entscheidender sind derzeit Lieferketten in anderen Teilen der Welt. Unternehmen müssen deshalb eine globale Strategie nach dem Motto "think global, act local“ entwickeln. Dabei hilft ein weltweites Netzwerk von Experten, um Produktionsstandorte auch international von Addis Abeba über Bangalore bis Zulia abdecken zu können.

Frage: Welche wasserrelevanten Daten sollten erfasst werden?

Werner: Ein Unternehmer sollte seine Position bei wasserrelevanten Themen im Vergleich zu seinen Wettbewerbern genau kennen. Er muss über die Stakeholder-Anforderungen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie eventuelle Nutzungskonflikte im Bilde sein. Auch Szenarien zum Klimawandel sollte man durchspielen - denn der beeinflusst Wasserbedarf und -verfügbarkeit ganz erheblich. Stets muss man dabei auch Lieferanten und Zulieferer berücksichtigen. Ziel sollte eine Wasserstrategie sein, die in die Unternehmensstrategie integriert ist.

Frage: Das "Nachhaltigkeitsbarometer" von PwC ließ erkennen, dass viele deutsche Unternehmen sich mit "Nachhaltigkeit" vorwiegend aus Imagegründen befassen. Wie schätzen Sie das Engagement für nachhaltiges Wassermanagement ein?

Werner: Eine einseitige Konzentration - nur auf die gute Reputation gerichtet - greift bei einem nachhaltigen Wassermanagement zu kurz. Unternehmer sollten auch die Vorteile der Kostenersparnis und der vorausschauenden Risiken nicht außer Acht lassen.