Für einen klaren Blick: Emissionsreporting über das eigene Werkstor hinaus

Unternehmen sollen nicht mehr nur über die direkten Emissionen von Klimagasen berichten, die in ihren Produktionsanlagen und durch ihren Energieverbrauch entstehen. Auch die sogenannten indirekten Emissionen soll künftig offenlegen, wer nach den Grundsätzen des Greenhouse Gas Protocols über seine Emissionen berichtet. Diese Emissionen entstehen beispielsweise durch Geschäftsreisen von Mitarbeitern oder bei der Herstellung von Vorprodukten entlang der Lieferkette. "Keine einfache Aufgabe", meint PwC-Emissionsexperte Robert Prengel: "Belastbare Daten zu Emissionen von Lieferanten fehlen häufig."

Lange war es außerordentlich schwer, die Klimagasemissionen von Unternehmen angemessen zu vergleichen. Ein Hauptgrund dafür war die uneinheitlich gewählte Abgrenzung von Klimabilanzen. Denn das Greenhouse Gas Protocol, ein von mehreren NGOs entwickelter und weithin anerkannter Berichtsstandard, sieht bislang nur verpflichtend Reports vor über die Emissionen aus eigenen Anlagen, sogenannte Scope-1-Emissionen, und Emissionen aus dem Bezug von Energie, die sogenannten Scope-2-Emissionen. Die Berichterstattung zu indirekten Emissionen (Scope-3-Emissionen) war hingegen optional.   

Mit dem "Corporate Value Chain (Scope 3) Accounting & Reporting Standard" hat die Initiative "Greenhouse Gas Protocol" (GHG) Ende des Jahres 2010 einen Standard zur Diskussion gestellt, der diese Lücke Anfang 2011 schließen wird. Der Standard regelt das verbindliche Reporting aller relevanten indirekten Scope-3-Emissionen, beispielsweise über den CO2-Ausstoß in der Lieferkette und durch bezogene Dienstleistungen. Wer bislang schon gemäß GHG-Protocol über seine Emissionen berichtet, sollte sich angesichts dieser Neuregelung fragen:

  • Welche der bisher nicht berichteten indirekten Emissionssegmente sind relevant?
  • Wie können die relevanten Emissionen belastbar bestimmt werden?

Unternehmen schätzen den Aufwand zu hoch ein

"Der Aufwand für die Erhebung belastbarer Daten über Lieferanten erscheint vielen Unternehmen zu hoch", hat PwC-Experte Prengel beobachtet, der Unternehmen in Fragen des Carbon Footprint berät. Denn es ist logistisch äußerst anspruchsvoll, unter den oft zahlreichen Lieferanten die notwendigen Daten zu erheben. Ein weiteres Problem sei vielfach die Qualität der Daten, berichtet Prengel: "Lieferanten stellen nur in den seltensten Fällen Informationen zu CO2-Emissionen zur Verfügung. Und wenn sie es tun, ist es schwierig, die Glaubwürdigkeit und Vollständigkeit der Daten zu bewerten."

Deshalb rät Prengel Unternehmen dazu, bei der Berichterstattung über Scope-3-Emissionen zunächst auf Informationen zurückzugreifen, die im Unternehmen bereits vorhanden sind: "Oft können Unternehmen mit Hilfe von Daten der Einkaufsabteilung die für die Klimabilanz wesentlichen Güter und Dienstleistungen identifizieren." Auf dieser Datenbasis erhalte das Management bereits einen ersten objektiven Einblick in die Emissionsstruktur der Lieferkette und könne dann fundiert weitere Maßnahmen einleiten. Oft lässt sich der geschätzte Aufwand für ein Screening der gesamten Scope-3-Emissionen nach dem neuen Standard des GHG-Protocol durch eine gute Planung erheblich reduzieren.

Im Gespräch mit Robert Prengel, Experte für CO2-Reporting bei PwC

Warum sollten Unternehmen auch über indirekte Emissionen berichten?

Robert Prengel: Nur wenn die gesamten Emissionen - Scope 1,2 und 3 - identifiziert sind, lassen sich sinnvoll Reduktionspotenziale identifizieren und Erfolge bei der Minimierung dokumentieren. Ohne diesen Überblick setzen sich Unternehmen leicht dem Vorwurf aus,  bewusst unvollständige Daten darzustellen. Das kommt bei Investoren und Öffentlichkeit, die zunehmend Transparenz über alle Emissionen der Geschäftstätigkeit fordern, nicht gut an. Deshalb sollten - und werden - die indirekten Emissionen auch bei der Auswahl von Geschäftspartnern und Lieferanten eine immer größere Rolle spielen.

Wie können Unternehmen den Aufwand für die Ermittlung der indirekten Emissionen senken?

Prengel: Viele Daten sind bereits in den Unternehmen vorhanden und müssen gar nicht erst aufwändig erhoben werden. Wir haben mit dem Efficient Supply Chain Emissions Reporting (ESCHER) ein Vorgehen entwickelt, das auf Basis von anerkannten ökonometrischen Methoden und statistischen Input-/Output-Daten die kompletten indirekten Emissionen der Lieferkette eines Unternehmens erfasst. Unsere sonstigen indirekten Emissionen wurden für den PwC Nachhaltigkeitsbericht nach dieser Methodik berechnet.

Wie unterscheidet sich das ESCHER-Vorgehen von der Erstellung einer Ökobilanz?

Prengel: Eigene Ökobilanzen bieten sich an, wenn die betrachteten Warenströme homogen und ausreichende Information zu Materialzusammensetzung und Herstellungsprozessen vorliegen. In komplexeren Umgebungen kann man diesen Ansatz aus Kostengründen in der Regel nicht flächendeckend verfolgen. ESCHER hilft Unternehmen hingegen, kosteneffizient und belastbar Emissionen für die gesamte Lieferkette zu berechnen. Relevante Produkte mit hohen indirekten Emissionen können damit leicht identifiziert werden. Bei diesen Produkten wiederum können Ökobilanzen dann gezielt für ein Emissionsmanagement eingesetzt werden.