Gemeinsam für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser sorgen

08 April, 2015

Unternehmen bekommen die Knappheit von Wasser immer stärker zu spüren. Sie brauchen einen systematischen Ansatz, um Wasserrisiken rechtzeitig auszumachen und auszuschalten. Sie können die Probleme aber nicht im Alleingang lösen. Wie wichtig es ist, mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zu kooperieren, um einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu gewährleisten, erläutern die PwC-Wasserexperten Hendrik Fink und Barbara Wieler.

Im Gespräch mit Hendrik Fink und Barbara Wieler.

Herr Fink, ist Wassermangel wirklich ein so ernstes Problem?

Hendrik Fink: Wir stehen vor einer Zeitenwende. Wasser wird zu einem der zentralen Themen des 21. Jahrhunderts. Die Zahl der Menschen wächst bis 2050 von derzeit 7,3 auf neun Milliarden Menschen. Es wird immer schwieriger, ihnen allen einen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Aber auch für Unternehmen gewinnt das Thema an Brisanz. Denn die Nachfrage nach Wasser wächst doppelt so schnell wie die Bevölkerung. Sie steigt bereits bis 2050 um 55 Prozent. Das wird die Situation in Ländern verschärfen, die heute schon nicht genügend Wasser haben, wie der Nahe Osten oder Teile Afrikas. Davon sind auch Unternehmen betroffen. Die Chance dabei: Es ist eigentlich genügend Wasser vorhanden, Verbrauch und Verteilung sind nur besser zu regeln.

Frau Wieler, wie können wir den Umgang mit Wasser verbessern?

Barbara Wieler: Wasser wird von allen Menschen und Unternehmen genutzt. Im Zuge der zunehmenden Wasserknappheit ist es essenziell, dass sich verschiedene Interessensgruppen gemeinsam engagieren und Zukunftslösungen diskutieren. Regierungen, Gemeinden, Umweltschützer und Unternehmen gehören an einen Tisch. Hier ist es erforderlich, dass alle an einem Strang ziehen, um für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu sorgen.

Wie können sich Unternehmen in diesen Prozess einbringen?

Wieler: Unternehmen können Vorreiter für ein verantwortungsvolles Wasser-Management sein. Aber sie können die Probleme nicht alleine lösen. Ebenso wichtig ist es, den Dialog mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zu suchen. Da ist eine Zusammenarbeit von Unternehmen, Regierungen, Kommunalverwaltungen oder Naturschutzinitiativen gefragt. Wichtig ist auch, das Bewusstsein für den Wert des Wassers zu schärfen. Denn die Kosten sind in der Regel niedrig und bilden nicht den wahren Wert dieser kostbaren Ressource ab. Deswegen wird mit Wasser häufig auch zu achtlos umgegangen.

Gibt es bereits Beispiele für derartige Initiativen?

Fink: Das „European Water Stewardship“ geht hier mit gutem Beispiel voran. Durch die permanente Unterstützung von Initiativen und Projekten gibt das „European Water Stewardship“ dem Thema Wasser eine allgemeine Stimme in Europa und verpflichtet sich somit der Wasservision. Doch auch über den Kontinent hinaus gibt es hierfür gute Beispiele. Hier möchte ich exemplarisch Neuseeland nennen. Angesichts eines zu hohen Wasserverbrauchs und abnehmender Wasserqualität haben sich alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen im „New Zealand Land and Water Forum“ zusammengeschlossen. Dazu zählen Unternehmensvertreter, aber auch Umweltschutz- und Freizeitverbände, Vertreter der Maori, Wissenschaftler und andere Interessensgruppen. Aber auch lokale und nationale Regierungen nehmen an diesem Dialog teil. Gemeinsam entwickeln sie Vorschläge, um in Zukunft mit Wasser besser und verantwortungsvoller umzugehen. Klar ist, dass es keine Blaupause für solche Maßnahmenpakete geben kann. Das hängt zu sehr von den natürlichen Gegebenheiten und den gesellschaftlichen Strukturen der jeweiligen Region ab.

Warum macht es gerade für Unternehmen Sinn, an solchen Initiativen teilzunehmen?

Fink: Es ist wichtig, die Perspektiven der verschiedenen Stakeholder zu erkennen und zu sehen, wo die Probleme im Einzelnen liegen. Nur so lässt sich ein gemeinsames Verständnis entwickeln, um die beste Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Sind die Wasserrisiken für Unternehmen höher als früher?

Wieler: Eindeutig ja. Das gilt für direkte wie indirekte Gefahren. Wasserknappheit kann in einzelnen Branchen die Produktion gefährden oder hohe Kosten verursachen. Risiken finden sich auch in der die Lieferkette. Denn auch hier können indirekt große Schäden entstehen. So wie zum Beispiel beim Tsunami in Japan 2011, als die Hochwasserschäden zu Lieferproblemen bei japanischen Lieferanten führten, die sich negativ auf die weltweite Automobilindustrie auswirkten.

Haben Unternehmen die Brisanz der Wasserrisiken erkannt?

Fink: Das Bewusstsein für die Risiken nimmt zu. Bereits 68 Prozent der weltweit operierenden Unternehmen sahen 2014 Wasser aktuell als einen potenziellen Risikofaktor. Vor drei Jahren waren dagegen nur 59 Prozent dieser Ansicht. Die Risiken sind vielfältig: Dabei geht es nicht um die Rolle von Wasser in der Produktion. Es kann auch bedeuten, dass Wasser als Ressource immer teurer wird und damit Umsätze und Gewinne mindert. Unternehmen, die ihr Wasserrisiko nicht gezielt managen, müssen für Kredite höhere Zinsen bezahlen. Die Reputation von Unternehmen, die nicht auf einen effizienten Umgang achten, kann leiden. Ähnlich dem CO2-Footprint eines Unternehmens wird in Zukunft immer mehr nach dem Stewardship beim Wasser gefragt werden.

Wie können Unternehmen Risiken richtig einschätzen?

Wieler: Unternehmen brauchen ein Wasser-Risikomanagement, um frühzeitig Gefahren zu erkennen. Ein effizienter Umgang mit Wasser und eine Reduktion der Wasserverschmutzung sind von zentraler Bedeutung. Unternehmen brauchen ein Wasser-Management, das fest in der Geschäftsstrategie verankert ist. Auch die komplette Lieferkette muss Teil dieses Managements sein.

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