Im Nachhaltigkeitsreporting steckt hinter den Kulissen noch viel Handarbeit

In vielen Unternehmen hat sich das Thema Nachhaltigkeit bereits zu einem Kernelement des unternehmerischen Handelns entwickelt. Doch Steuerung, Überwachung und Berichterstattung der Nachhaltigkeitsleistung hält mit dieser Entwicklung oftmals nicht Schritt, beobachtet Robert Prengel aus dem PwC-Team Sustainability Services. Eine Vielzahl manueller Prozesse, unterschiedlichste Datenquellen und fehlende Schnittstellen machten das Nachhaltigkeitsreporting vielfach personalintensiv, langwierig und fehleranfällig, sagt der Experte. Die richtige Software-Lösung kann bei vielen dieser Probleme Abhilfe schaffen.

Im Gespräch mit Robert Prengel, Experte für Systeme und Prozesse im PwC-Bereich Sustainability Services

Viele Unternehmen organisieren ihre Nachhaltigkeitsprozesse noch "nebenbei". Sie hingegen machen sich stark für ein professionelles Management und "harte Fakten" als Grundlage für ein glaubwürdiges Reporting. Warum?

Robert Prengel: Nachhaltigkeit ist, wenn das Thema ernst genommen wird, integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Da ist es nur logisch, die Prozesse genau so professionell zu gestalten wie in anderen strategischen Bereichen. Außerdem verlangen Kunden, Geschäftspartner, NGO's, die interessierte Öffentlichkeit und zunehmend auch der Finanzmarkt immer stärker nach belegbaren Informationen – und nach Berichten, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Konsistenz zwischen den unterschiedlichen Reports ist da natürlich oberstes Gebot, um die Glaubwürdigkeit nicht zu gefährden.

Wie schaffen es Unternehmen, verlässliche Daten über ihr Nachhaltigkeitsengagement schnell und mit vertretbarem Aufwand anforderungsgerecht aufzubereiten?

Prengel: Was zum Beispiel in der Finanzberichterstattung – Stichwort "Jahresabschluss" – gang und gäbe ist, muss auch in der Nachhaltigkeitsberichterstattung Einzug halten. Unternehmen brauchen standardisierte Prozesse, effektive Kontrollen und eine geeignete Software-Unterstützung! Vielfach verlässt man sich aber bislang bei Steuerung, Überwachung und Berichterstattung von Nachhaltigkeitsleistungen noch auf individuelle Abfragen, eigenentwickelte Tabellenblätter und diverse Insel-Lösungen. Weil Schnittstellen fehlen, müssen Daten nicht selten mehrfach erfasst werden. Selbst bei größter individueller Sorgfalt lassen sich da Übertragungs- und Konsolidierungsfehler kaum ausschließen.

Wird denn ein Nachhaltigkeitsreporting durch Softwareunterstützung zuverlässiger und damit glaubwürdiger?

Prengel: Jeder Bericht gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn die enthaltenen Informationen ohne großen Aufwand belegbar sind, sich also zum "Ursprungsbeleg" zurückverfolgen lassen. Dies wir in aller Regel einfacher durch eine Software-Lösung, die die Berichtsprozesse automatisiert unterstützt und dabei auch die Ordnungsmäßigkeits- und Sicherheitsanforderungen an IT-Systeme, wie sie zum Beispiel vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) in den "Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung beim Einsatz von Informationstechnologie" dargestellt sind, erfüllen. Außerdem helfen derartige Software-Lösungen, die Effizienz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu erhöhen.

Gibt es die optimale Lösung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und wie viel Aufwand ist es, sie zu implementieren?

Prengel: Welche Lösung im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt von den konkreten Anforderungen und den unternehmensspezifischen Prozessen ab. Aber auch Faktoren wie Größe und Komplexität der Unternehmensorganisation und eventuell Branchenspezifika spielen  eine Rolle. Schließlich gilt es, die Geschäftsprozesse individuell, flexibel und effizient zu unterstützen. Neben den funktionalen Anforderungen sind auch die bereits im Einsatz befindlichen Anwendungen, zum Beispiel im Finanz- und Rechnungswesen oder bereits bestehende Reportingsysteme zu berücksichtigen – sowie die im Unternehmen etablierten Systemplattformen, das spezifische Know-How der IT-Abteilung, bestehende IT-Standards und so weiter. Die neue Software muss ja auch in die IT-Landschaft des Unternehmens integriert werden.

Was sollten Unternehmen weiterhin beachten, um die erwarteten Effizienzgewinne zu realisieren?

Prengel: Besonders wichtig ist es, den Blick auch nach vorn zu richten. Schließlich sind Softwarelösungen in Unternehmen oft deutlich länger als zehn Jahre im produktiven Einsatz. Neben der Fortentwicklung der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie möchte ich hier beispielhaft die zunehmende Individualisierung der Berichterstattung entsprechend den unterschiedlichen Stakeholderanforderungen oder ein in den Finanzbericht integriertes Nachhaltigkeitsreporting nennen. Kurzfristig sollte auch die Chance nicht vertan werden, im Zusammenhang mit einer Softwareeinführung die bestehenden Prozesse kritisch zu beleuchten und Optimierungspotentiale durch effiziente, Software-gestützte Prozesse zu nutzen.