Lebensmittelsicherheit: Digitale Lösungen sollen das Informationsbedürfnis der Verbraucher stillen

09 September, 2014

Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne, verseuchte Sojasprossen und dioxinhaltige Eier: Das Vertrauen der Verbraucher in Lebensmittel ist in Folge dieser und weiterer Skandale erschüttert. Eine EU-Verordnung, die am 13. Dezember 2014 in Kraft tritt, macht nun Vorgaben, worüber Lebensmittelhersteller und der Handel bei ihren Produkten informieren müssen. Wie wollen die Unternehmen diese EU-Vorgaben umsetzen und das Vertrauen der Verbraucher zurückgewinnen? Worüber informieren sie bereits heute ausführlich? Wo bestehen noch Lücken? Mehr dazu im Gespräch mit dem PwC-Experten Gerd Bovensiepen.

Im Gespräch mit Gerd Bovensiepen, Partner und Leiter des PwC-Bereichs Handel und Konsumgüter in Deutschland und Europa.

Was tun Händler und Hersteller, um das verlorene Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen?

Gerd Bovensiepen: Die Lebensmittelhersteller und Händler haben erkannt, dass der Verbraucher gerade durch die Lebensmittelskandale der jüngsten Vergangenheit ein hohes Informationsbedürfnis hat. Sie setzen deshalb verstärkt auf eine lückenlose und transparente Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte. Viele wollen dabei über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen und sicherstellen, dass sich die Verbraucher jederzeit und von überall über die Herkunft und den Transport der Produkte informieren können.

Wie kann diese vollständige Transparenz gelingen?

Bovensiepen: Dabei helfen den Unternehmen die Möglichkeiten digitaler Technologien – von Barcodes über RFID bis hin zu mobilen Applikationen. Der Kooperationspartner unserer aktuellen Studie „Digitalisierung als Schlüssel für nachhaltige Wertschöpfungsketten“, GS1 Germany, beispielsweise setzt in diesem Bereich Standards. Drei von vier Unternehmen der Branche wollen in den kommenden zwei Jahren in digitale Lösungen investieren, um Produkteigenschaften und Transportwege für den Verbraucher transparent zu machen.

Worüber informieren die Unternehmen bereits heute und was haben sie in Zukunft vor?

Bovensiepen: Die große Mehrheit der Händler und Lebensmittelhersteller macht Angaben zu Nährwerten und Zutaten oder gibt Hinweise für Allergiker. Auch zertifizierte Gütezeichen und Siegel wie das Deutsche Bio-Siegel setzen sich immer mehr durch. Mit Hilfe von Produkt-Websites oder Barcodes möchten die Unternehmen künftig noch ausführlicher über Herkunft und Eigenschaften ihrer Produkte informieren und die Rückverfolgbarkeit ihrer Waren sicherstellen. Damit trägt die Branche dem Wunsch der Verbraucher nach nachhaltigen Lebensmitteln Rechnung.

An welcher Stelle gilt es noch Informationslücken zu füllen?

Bovensiepen: Nur gut die Hälfte der Unternehmen informiert schon heute lückenlos und detailliert über den Herstellungsprozess und den Transportweg bis zum Supermarkt. Und nur eine Minderheit der Hersteller und Händler veröffentlicht Informationen zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln in ihren Produkten. Und das obwohl Umfragen zeigen, dass Verbraucher großen Wert auf diese Angaben legen.

Welche Hürden müssen Unternehmen nehmen, wenn sie digitale Lösungen für Informationszwecke einsetzen möchten?

Bovensiepen: Viele Unternehmen tun sich noch schwer damit, digitale Lösungen und Nachhaltigkeit zu verknüpfen. Die größten Hürden liegen bei der Integration der digitalen Dienste ins Qualitätsmanagement sowie bei der technischen Sicherheit und dem Datenschutz. Aber auch die hohen Investitionskosten für digitale Lösungen erschweren die Umsetzung. Doch die Investitionen lohnen sich: Durch die fortschreitende Digitalisierung ist es heute viel leichter, das Informationsbedürfnis des interessierten und kritischen Verbrauchers zu stillen. Von diesen Möglichkeiten sollten Unternehmen unbedingt Gebrauch machen, um das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen.

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Gerd Bovensiepen
Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter
bei PwC in Deutschland und EMEA
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