Nachhaltigkeit soll ein Element werden in einer neuen, integrierten Form der Berichterstattung

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung soll mit der Finanzberichterstattung verschmelzen zu einem ganz neuen, integrierten Reporting. So steht es im Diskussionspapier des International Integrated Reporting Committee (IIRC), in dem sich auch PwC engagiert. Denn, so erklärt Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands von PwC in Deutschland im Interview: "In unserer globalisierten und eng vernetzten Wirtschaftswelt liefert die isolierte Betrachtung eines Unternehmens oder einzelner Märkte nur noch einen begrenzten Erkenntnisgewinn." Und Andreas Bröcher, Partner im PwC-Bereich Nachhaltigkeit sieht auch einen erzieherischen Effekt des integrierten Reportings.


Prof. Dr. Norbert 
Winkeljohann

Nach ISO 26000, dem Greenhouse Gas Protocol oder den Vorschlägen der Global Reporting Initiative ein weiteres Regelwerk für die Berichterstattung der Unternehmen über Nachhaltigkeit - warum?

Prof. Dr. Norbert Winkeljohann: Der Vorschlag, den das International Integrated Reporting Committee (IIRC) in seinem Diskussionspapier präsentiert geht weiter als die bisherigen Initiativen. Das Komitee, in dem sich auch PwC engagiert, entwirft eine ganz neue Berichterstattung: Unternehmen sollen nicht mehr separat und in verschiedenen Berichten informieren über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten, ihre Bemühungen um den Umweltschutz und ihre Finanzkennzahlen; die Idee ist vielmehr eine einheitliche, kohärente und integrierte Berichterstattung und Rechnungslegung.

Welche Vorteile soll die integrierte Berichterstattung bringen?


Andreas Bröcher

Andreas Bröcher: Das Integrated Reporting hat aus unserer Sicht zwei große Vorteile: Erstens trägt es dem Wunsch von Analysten und Investoren Rechnung, die immer umfassender über Lage und Perspektiven eines Unternehmens informiert sein wollen. Zweitens erklärt ein Reporting, das Finanzkennzahlen, Perspektiven und auch Nachhaltigkeitsaktivitäten einbezieht, noch besser den wahren Wert eines Unternehmens; denn nur noch etwa ein Fünftel der Bewertung an der Börse lässt sich heute durch finanzielle und andere Assets erklären, den Großteil bestimmen mittlerweile Faktoren, über die noch wenig konsistent berichtet wird.

Ist es nicht eher ein Verlust, wenn die detaillierte Nachhaltigkeitsberichterstattung untergeht zwischen Finanzkennzahlen und Börsenwerten?

Bröcher: Ich denke, anders herum wird ein Schuh daraus, man kann durchaus auf einen erzieherischen Wert des Integrated Reportings hoffen: Je stärker Sustainability-Faktoren in die Regelberichterstattung eingehen, desto stärker werden sie auch in der Unternehmenssteuerung, im Risikomanagement und bei Management-Entscheidungen berücksichtigt.

Können Sie die Vorteile des "Integrated Reporting" an einem Beispiel deutlich machen?

Bröcher: Das Sportlifestyle-Unternehmen PUMA hat als erstes Unternehmen weltweit mit PwC-Unterstützung eine Gewinn- und Verlustrechnung erarbeitet, die Umwelteffekte berücksichtigt. Zum Beispiel hat man Preise errechnet für den Wassereinsatz in Baumwollplantagen, bei denen auch eine Rolle spielt, wie knapp die Ressource Wasser in den Anbauregionen tatsächlich ist. Dadurch wird ein deutliches Signal gesetzt: Wo Wasser knapp ist, wird die Produktion teurer, auch wenn die Wasserpreise am Markt künstlich niedrig gehalten werden. So dient der "tatsächliche" Preis als Warnsignal. Denn wo Wasser knapp ist, steigt das Risiko von Produktions- und Ernteausfällen.

Das International Integrated Reporting Committee erwartet, dass die Integrierte Berichterstattung auch die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen herausstellt. Welche Faktoren können hier eingehen?

Bröcher: Einer der entscheidenden Faktoren für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens dürfte es sein, wie gut Unternehmen in der Lage sind, Veränderungen ihres unternehmerischen Umfelds zu erspüren und darauf zu reagieren. Ein zielgerichteter Dialog mit Stakeholdern wie Umweltgruppen und anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) kann da eine wertvolle Orientierung sein. Dass - und wie - Unternehmen hier zuhören und reagieren, das soll eines der Elemente des Integrierten Reportings sein.

Wann wird das "Integrated Reporting" kommen?

Winkeljohann: Im September 2011 hat das IIRC seine Ideen, an deren Ausarbeitung PwC ja maßgeblich beteiligt war, der Öffentlichkeit vorgestellt. Bis zum Dezember 2011 sammelt das IIRC Feedback. Insgesamt reichen die Planungen des IIRC, die über Praxistests und einen Diskussionsvorschlag, einen sogenannten "Exposure Draft", bis zu einem finalen Rahmen für das Integrated Reporting führen sollen, bis ins Jahr 2013.