Neuer Berichtsstandard erleichtert sozialen Organisationen die Arbeit

"Wir wollen sozialen Unternehmern helfen, Zweifel an ihrer Arbeit auszuräumen", fasst Hendrik Fink von PwC das Hauptziel der Initiative zusammen, die gemeinsam einen Berichtsstandard für Soziale Organisationen, den "Social Reporting Standard" (SRS), entwickelt hat. Denn, so Fink: "Auch wer vorrangig Gutes tun will und weniger auf Profite aus ist, wird gefragt, ob er sinn- und wirkungsvoll agiert." Der Social Reporting Standard ermöglicht es sozialen und anderen Non-profit-Organisationen sowie Social Entrepreneurs, ihr Wirken standardisiert zu dokumentieren.

"Der neue Berichtsstandard wird seine Wirkung sowohl gegenüber Spendern und anderen Geldgebern entfalten als auch in die Organisationen hineinwirken", ist sich PwC-Experte Hendrik Fink sicher. Denn der Standard, an dessen Entwicklung zahlreiche Social Entrepreneurs mitgearbeitet haben, zeigt nicht nur jene Punkte auf, die Spender und Sponsoren interessieren. Er macht auch deutlich, welche Kenngrößen soziale Organisationen bei ihren Aktivitäten im Auge behalten sollten.

Internes Reporting erleichtert die Steuerung

Nur Organisationen, die ihre Aktivitäten und Projekte intern sinnvoll kontrollieren, können rechtzeitig reagieren, wenn Projekte aus dem Ruder zu laufen drohen. "Im eigenen Interesse", sagt Hendrik Fink, "sollten deshalb auch soziale Organisationen die Wirksamkeit ihrer Vorhaben und den Einsatz von Geldern und Ressourcen kontrollieren."

Der Social Reporting Standard bietet Anhaltspunkte dafür, welche Kenngrößen für eine Steuerung sinnvoll und notwendig sind. Er erleichtert es sozialen Organisationen damit, ihr internes Berichtswesen wirkungsvoll zu gestalten und überflüssiges Datensammeln zu vermeiden.

Jede Anwendung des Standards vergrößert die Akzeptanz

Was der Social Reporting Standard für das interne Reporting leistet, das soll er auch in der Kommunikation mit externen Förderern und Investoren leisten: "Wir gehen davon aus, dass auch die Geldgeber sozialer Organisationen das Standardset an Informationen akzeptieren", erklärt Hendrik Fink, der auf die Erfahrung aus vielen Prüfungen von Nachhaltigkeitsberichten deutscher Unternehmen zurückgreift. Damit, meint Fink, hat der Social Reporting Standard auch das Zeug dazu, Klarheit in die Anforderungen an die externe Berichterstattung sozialer Organisationen zu bringen.

"In dem Maß, in dem Investoren und Förderer eine einheitliche Berichterstattung sozialer Organisationen und sozialer Unternehmer nach diesem Standard akzeptieren und keine weitergehenden oder abweichenden Anforderungen stellen, können die Verantwortlichen in sozialen Organisationen ihren Berichtsaufwand reduzieren", meinen die Initiatoren des Social Reporting Standards.

Der Berichtsstandard ist modular aufgebaut. Dadurch können Organisationen die Elemente für ihre Berichte auswählen, die ihrer aktuellen Situation gerecht werden. Er eignet sich dadurch auch für die Berichterstattung über einzelne Projekte, an denen mehrere Organisationen mitwirken.

Der "Berichtsstandard für Soziale Organisationen" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Ashoka Deutschland gGmbH, Auridis GmbH, BonVenture Management GmbH, Schwab Foundation, TU München und der Universität Hamburg mit Unterstützung von PwC. Soziale Organisationen und Unternehmen in Deutschland sind eingeladen, mitzuwirken an seiner Weiterentwicklung. Der Standard soll den Dialog befördern zwischen unternehmerischem Denken und wirkungsorientiertem Handeln zu Gunsten des Gemeinwohls.

Im Gespräch mit Hendrik Fink, PwC-Experte für Nachhaltigkeit


Hendrik Fink

Warum brauchen soziale Organisationen und "Social Entrepreneurs" einen Standard für die Berichterstattung?

Hendrik Fink: In ihrem eigenen Interesse sollten Soziale Organisationen und "Social Entrepreneurs" sich fragen, ob sie ihre Ressourcen tatsächlich wirkungsvoll einsetzen. Der Standard hilft ihnen zu identifizieren, welche Kenngrößen sie dafür im Auge behalten sollten. Mit diesen Angaben können sie dann auch Förderer und Spender angemessen und vergleichbar informieren - und sicher sein, jenen alle relevanten Informationen anzubieten.

Wird da nicht bürgerschaftliches Engagement in die starren Vorgaben der Wirtschaftsprüfung und eines Berichtsstandards gezwängt?

Fink: Jedes Engagement muss sich doch daran messen lassen, ob es seine Ziele erreicht. Wenn aus einer Initiative von Arbeitslosen ein Supermarkt entsteht mit dem Ziel, Menschen wieder eine sinnvolle Beschäftigung zu geben - dann ist doch die Frage, ob mit den gleichen Mitteln möglicherweise noch mehr Leute in Jobs kommen könnten. Der Berichtsstandard hilft hier Transparenz zu schaffen und eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen.

Läuft die ständige Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten nicht auch ohne einen starren Berichtsstandard?

Fink: Selbstverständlich. Der Social Reporting Standard will allerdings helfen, diese Suche zu fokussieren - und damit allen Beteiligten die Arbeit erleichtern. Denn nicht selten werden viel zu viele Informationen erhoben, Informationen und Berichte gehen zum Teil am Ziel vorbei. Der "Berichtsstandard für Soziale Organisationen" hilft, das Volumen auf das zu reduzieren, was nach den Erfahrungen der Initiatoren aus Wirtschaft und Wissenschaft und den Anwendungen und Prüfungen in sozialen Organisationen notwendig ist.