Neuer Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung rückt das Wesentliche in den Mittelpunkt

Konsumenten, Medien und andere Stakeholder fordern von Unternehmen, dass sie gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, ihre Aktivitäten nachhaltig ausrichten und ausführlich darüber informieren. Als Standard für die freiwillige Berichterstattung über nicht-finanzielle Themen hat sich der Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative (GRI) etabliert. Im Mai 2013 hat die Initiative die vierte Version ihres Leitfadens veröffentlicht. Hendrik Fink und Aissata Touré, PwC-Experten für Nachhaltigkeit, geben im Gespräch einen Überblick zu den wesentlichen Änderungen.

Im Gespräch mit Hendrik Fink und Aissata Touré, Experten für Nachhaltigkeit bei PwC:


Hendrik Fink

Welche wichtigen Neuerungen bringt GRI G4, die im Mai vorgestellte vierte Version des Leitfadens zur Nachhaltigkeitsberichterstattung?

Hendrik Fink: Die neue Version des Leitfadens stellt das Prinzip der Wesentlichkeit in den Mittelpunkt. Unternehmen sollen verstärkt die wesentlichen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit darstellen. Dafür müssen sie im Rahmen einer systematischen Wesentlichkeitsanalyse ihre zentralen Handlungsfelder identifizieren und deren Bedeutung für das Unternehmen und seine Stakeholder bestimmen. Über diese Handlungsfelder müssen sie berichten und den Prozess selbst transparent darlegen. Zudem müssen sie für die wesentlichen Handlungsfelder den Managementansatz darstellen, d.h. erläutern, wie sie die diesbezüglich bestehenden und für sie relevanten Herausforderungen analysieren und managen. Im Übrigen leiten sich auch die zu berichtenden unternehmensspezifischen Indikatoren aus der Wesentlichkeitsanalyse ab. Damit wird die Wesentlichkeitsanalyse zum berichtsbestimmenden Element.


Aissata Touré

Welche Vorgaben macht die aktuelle Version des Leitfadens zu den wichtigen Themen Lieferketten, Ethik und Treibhausgasemissionen?

Aissata Touré: Nach dem neuen GRI G4-Leitfaden müssen Unternehmen umfassend über das Management ihrer Lieferantenbeziehungen Auskunft geben. Bereits im Rahmen der Darstellung der Unternehmensorganisation ist eine Beschreibung der Lieferketten gefordert. Zudem müssen Unternehmen bei wesentlicher Bedeutung des Themas ihre Beschaffungspraktiken erläutern und darstellen, wie sie Lieferanten auswählen und bewerten. Der Leitfaden enthält nun auch einen eigenen Abschnitt zum Thema Ethik: Hier sollen Unternehmen über ihre ethischen Grundsätze informieren und ihren Managementansatz sowie ausgewählte Leistungsindikatoren zu ihrer Anti-Korruptionspolitik darlegen. Die Angaben der Unternehmen zu Treibhausgas-Emissionen werden mit Managementinstrumenten wie dem Greenhouse Gas Protocol und dem ISO-14064-Standard harmonisiert. Das soll die Berichterstattung erleichtern. Tendenziell dürfte aber auch die Berichterstattung über Treibhausgas-Emissionen komplexer werden, weil wesentliche Auswirkungen über die gesamte Wertschöpfungskette zu berichten sind, was auch bei Treibhausgas-Emissionen bislang nur in geringem Umfang erfolgt.

Woran erkennt ein Investor oder Konsument, ob ein Unternehmen bei seiner Berichterstattung die Vorgaben aus GRI G4 einhält?

Fink: Bislang mussten Unternehmen Auskunft geben, in welchem Umfang sie sich an dem GRI-Berichtsrahmen orientiert haben: Von A für „alles abgedeckt“ bis hin zu C für „wenig abgedeckt“. Zukünftig sollen Unternehmen angeben, ob sie den Bericht gemäß den GRI-Kriterien erstellt haben. Dabei wird zwischen einer Erfüllung der Kernanforderungen und einer umfassenden Erfüllung unterschieden. Gleichzeitig wird die externe Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten in Zukunft immer wichtiger. Für interessierte Stakeholder kommt eine externe Prüfung einem Gütesiegel gleich, das aussagt: Die Transparenz und Glaubwürdigkeit der Daten ist vorbildlich.

Was bedeutet die neue Version des Leitfadens für das berichtende Unternehmen?

Touré: Unternehmen müssen ihre Berichterstattung in Zukunft noch deutlicher an den für das Geschäftsmodell wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen ausrichten. Sie können die relevanten Nachhaltigkeitsaspekte für ihr Unternehmen herausfiltern und sich darauf konzentrieren, für die wesentlichen Themen geeignete Messgrößen zu erheben, damit ihre Nachhaltigkeitsleistung adäquat zu steuern, zu verbessern und ihre Stakeholder über die Erfolge zu informieren. Insofern liegt in der Umsetzung von GRI G4 auch eine große Chance.

Wie können Sie Unternehmen bei der Umsetzung der Vorgaben aus GRI G4 unterstützen?

Fink: Die Umsetzung von GRI G4 wirft in der Praxis viele Fragen auf. Um Unternehmen bei ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung zu unterstützen, haben wir einen Readiness Check entwickelt. Dieser Check betrachtet die drei Fokusfelder: Wesentlichkeitsanalyse, Managementansätze und Kennzahlen. Mit diesem Instrument können wir eine Positionsbestimmung vornehmen und einem Unternehmen sagen, wo es auf dem Weg zu einem vorbildlichen Bericht im Einklang mit GRI G4 steht.