Prüfungsstandard AA 1000 zu Nachhaltigkeits-Aktivitäten hält Einzug in Deutschland

Aktivitäten zur nachhaltigen Unternehmensführung haben viele Unternehmen längst angeschoben. Mit dem Standard AccountAbility 1000 (AA 1000) hält ein weltweit gültiges Regelwerk für die Prüfung von Nachhaltigkeitsmanagement und -reporting in Deutschland Einzug. Eine Prüfung nach AA 1000 bescheinigt nicht nur die Zuverlässigkeit eines Nachhaltigkeitsberichts und erhöht seine Glaubwürdigkeit, sie stellt auch sicher, dass das Nachhaltigkeitsmanagement alle relevanten Fakten und Stakeholder einbezieht.

Der AA-1000-Standard bietet zum einen im AccountAbility Principles Standard (AA 1000 APS) eine Guideline für die unternehmerischen Strukturen und Prozesse im Nachhaltigkeitsbereich. Zum anderen bestimmt das Regelwerk des AccountAbility Institute of Social and Ethical Accountability im AA 1000 Assurance Standard, wie eine Prüfung durchgeführt werden muss.

Lorbeeren für die Pioniere

Vorreiter, die ihr Nachhaltigkeitsmanagement und ihre Nachhaltigkeitsberichte bereits nach dem im Jahr 2008 veröffentlichten Standard haben prüfen lassen, schnitten in Nachhaltigkeitsrankings des Jahres 2009 hervorragend ab: BP plc errang Platz 1 im SAM's Dow Jones World Index. Vodafone belegte erste Plätze bei Accountability 2008 und im CRRA Ranking 2008. Telefonica wurde der erste Platz zuteil beim Good Company Ranking 2008.

Standardsetter nimmt Stakeholder als Maßstab

Die Interessen der Stakeholder standen im Mittelpunkt, als das AccountAbility Institute of Social and Ethical Accountability den AA-1000-Standard in einem zweijährigen Überarbeitungsprozess entwickelte. Mehr als 4.500 Personen aus über 90 Ländern kommentierten die Entwicklung in einer öffentlich zugänglichen Online-Plattform der unabhängigen, nicht gewinnorientierten Denkfabrik zur Unterstützung verantwortungsbewusster und nachhaltiger Geschäftspraktiken; mehr als 20 internationale Konsultationen organisierte AccountAbility.

Herausgekommen ist ein Prüfstandard, der erstmals konkret beschreibt, in welcher Weise die Interessen der Stakeholder in der Nachhaltigkeits-Berichterstattung und -Prüfung zu berücksichtigen sind. Der internationale Prüfungsstandard ISAE 3000, der vorgesehen ist für die Prüfung nicht-finanzieller Unternehmensinformationen und auf dem der AA-1000-Standard aufbaut, ließ diesen Aspekt offen.

AA 1000 AS soll mehr bieten als Sicherheit über die Verlässlichkeit von Informationen

Ziel des ersten integrierten Standards für Nachhaltigkeitsinformationen ist es, durch die Prüfung nach AccountAbility-Prinzipien die Reputation und Glaubwürdigkeit gegenüber den Stakeholdern weiter zu stärken. Die Orientierung am Stakeholder-Ansatz zieht sich durch die gesamte Prüfung und trägt damit zur Weiterentwicklung und Systematisierung des Stakeholder-Managements bei. Der Prüferblick auf Systeme und Prozesse sowie die damit verbundenen Feststellungen und Empfehlungen, die auch auf der Prüfbescheinigung zu sehen sind, sind oft Initialzündung für die Optimierung des internen Nachhaltigkeitsmanagements.

Drei Prinzipien leiten die Prüfung nach AA 1000

Die Prüfung von Nachhaltigkeitsmanagement und -reporting nach dem AccountAbility-Standard soll sicherstellen, dass Unternehmen sich im Umgang mit den Stakeholdern und bei der Veröffentlichung von Nachhaltigkeits-Informationen von drei Prinzipien leiten lassen:

  • Inclusivity:
    Unternehmen beziehen gezielt und systematisch Stakeholder ein. Im Austausch mit den Stakeholdern können Unternehmen konkrete Zusagen und qualitative Ansprüche an das eigene Geschäftsgebaren formulieren. Denkbar sind Verpflichtungen gegenüber Stakeholdern, aber auch Erklärungen zur Einhaltung internationaler Standards, etwa des UN Global Compact.
  • Materiality:
    Unternehmen haben gemeinsam mit Stakeholdern bedeutsame Themen identifiziert und festgelegt, wie Stakeholder in die Diskussion darüber einbezogen werden. Als Best Practise haben sich umfassende Workshops mit Stakeholdern zur Themenfindung und Priorisierung herausgestellt. Die Darstellung der relevanten Themen erfolgt meist in einer Wesentlichkeitsmatrix mit den Dimensionen "Bedeutung für die Stakeholder des Unternehmens" und "Bedeutung für das Unternehmen".
  • Responsiveness:
    Unternehmen sind sich im Klaren darüber, wie sie auf Impulse aus dem Dialog mit den Stakeholdern reagieren. Abgestimmte Systeme zum Management von Stakeholder-Anfragen und für möglicherweise krisenverursachende Sachverhalte aus dem Unternehmensumfeld sind der richtige Ansatz.

Eine Prüfung nach Standard AA 1000 besteht aus zwei Modulen. Das erste Modul, im Standard als "Typ 1" bezeichnet, bezieht sich auf die Prüfung des Nachhaltigkeitsmanagement, insbesondere den Umgang mit Stakeholdern. Im zweiten Modul ("Typ 2") werden veröffentlichte Nachhaltigkeitsinformationen geprüft, die für Stakeholder die höchste Entscheidungsrelevanz besitzen. Die "Typ 1"-Prüfung ist verpflichtend anzuwenden und nicht veränderbar, "Typ 2" ist optionaler Bestandteil der Prüfung.

In der "Typ 1"-Prüfung kontrollieren die Prüfer durch Interviews mit dem Nachhaltigkeitsmanagement und Einsicht in die verfügbare Dokumentation, ob die beschriebenen drei Leit-Prinzipien des Standards in den betrachteten Prozessen und organisatorischen Rahmenbedingungen des Nachhaltigkeits- bzw. Stakeholdermanagement-Systems ausreichend umgesetzt sind. Bei der "Typ 2"-Prüfung wird die externe Nachhaltigkeitsberichterstattung mit der internen Sicht abgeglichen. Die veröffentlichten Nachhaltigkeitsleistungsinformationen werden auf ihre Verlässlichkeit geprüft.

AA-1000-Standard lässt Chance auf Nachbesserung

Eine Prüfung nach AA 1000 erfordert nicht, dass alle Prinzipien des Standards bereits im Vorhinein erfüllt sind. Der Standard lässt sogar bewusst die Chance, bei erkannten Mängeln während der Prüfung "nachzubessern". Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeits-Aktivitäten nach dem weltweit gültigen AA-1000-Standard testieren lassen wollen, müssen dennoch vorab grundlegende Entscheidungen treffen, etwa zur Orientierung an Stakeholder-Ansprüchen. Außerdem müssen sie Ressourcen zur Umsetzung einplanen. Da der AccountAbility-Standard auf Prozesse abstellt, sollten für eine Prüfung zudem solide Dokumentationen vorhanden sein. Dadurch wird außerdem die Voraussetzung geschaffen, dass Prozesse personenunabhängig und über Unternehmensbereiche sowie Schnittstellen hinweg funktionieren.

Im Gespräch mit PwC-Mitarbeiter Kai Michael Beckmann, der 2009 erstmals Corporate-Responsibility-Berichte nach AA 1000 geprüft hat


Kai Michael
Beckmann

Frage: Welche Vorteile haben Unternehmen und Stakeholder durch eine Prüfung nach dem Standard AA 1000?

Kai Michael Beckmann: Unternehmen wie Adressaten der Nachhaltigkeits-Aktivitäten profitieren von der nach einem international akzeptierten Standard geprüften Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements und - bei der optionalen Prüfung "Typ 2" - auch von der geprüften Zuverlässigkeit der Informationen. In den Prüfungsbescheinigungen sind außerdem in jedem Fall Feststellungen und Empfehlungen zum Nachhaltigkeitsmanagement und den Systemen und Prozessen für die Erzeugung von quantitativen Nachhaltigkeitsinformationen aufgeführt. Mit dem Mehr an Standardisierung steigt der Aussagewert der Prüfungsbescheinigung.

Frage: Wie groß ist die Bereitschaft für eine Prüfung nach AA 1000?

Beckmann: Der Volkswagen-Konzern und die Otto-Group haben im Jahr 2009 ihre Nachhaltigkeitsberichte von PwC Deutschland nach dem neuen Standard prüfen lassen. Ansonsten herrscht noch große Skepsis. Durch Vorabgespräche versuchen wir für die Anforderungen zu sensibilisieren. Wir raten jedoch bei Erstprüfungen meistens dazu, eine Prüfung mit "limited Assurance", also mit gegrenzter Prüfungssicherheit zu wählen - im Gegensatz zu "high Assurance", hinreichender Prüfungssicherheit.

Frage: Brauchen Unternehmen, die sich bereits nach ISAE 3000 haben prüfen lassen, überhaupt eine Prüfung nach dem neuen Standard?

Beckmann: Eine Prüfung nach AA 1000 bietet einen deutlichen Mehrwert gegenüber der Prüfung nach ISAE 3000: AA 1000 enthält klare Vorgaben zu Prozessen und Strukturen im Nachhaltigkeitsbereich und genießt auch deshalb größere Reputation bei Stakeholdern. Dass Unternehmen in den Prüfbescheinigungen Empfehlungen zum Nachhaltigkeitsmanagement und -reporting erhalten, ist ein weiterer Vorteil.