Die Artenvielfalt ist seit Jahren rückläufig, die Ökosysteme verändern sich. Diese Entwicklungen haben dramatische wirtschaftliche Konsequenzen: Die finanziellen Verluste liegen nach Schätzungen zwischen zwei und viereinhalb Billionen US-Dollar. Das entspricht zwischen 3,3 und 7,5 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Studie "Biodiversity and business risk" von PwC zeigt, wieso Unternehmen den Verlust der Artenvielfalt als Gefahr erkennen und in ihr Risikomanagement integrieren sollten.
In den Chefetagen der Unternehmen wird viel über den Klimawandel diskutiert. Das Problem der schwindenden Artenvielfalt wird allerdings häufig ignoriert. Das zeigt der 13th Annual Global CEO Survey von PwC: Nur 27 Prozent der 1.200 befragten Unternehmenslenker stufen den Rückgang der Artenvielfalt als Risiko für das Wachstum ihres Unternehmens ein. Den Klimawandel sehen immerhin 37 Prozent der befragten CEOs als potenzielle Gefahr für ihr Unternehmen.
Auffällig ist aber, wie unterschiedlich die Wahrnehmung in verschiedenen Regionen der Welt ist: Nur 14 Prozent der nordamerikanischen Unternehmenschefs sehen die rückläufige Artenvielfalt als Gefahr. Das sieht in den Schwellenländern ganz anders aus: 34 Prozent der asiatischen und sogar 53 Prozent der südamerikanischen CEOs stufen den Rückgang der Biodiversität als Risiko für ihr Geschäft ein.
Wie stark die Wechselwirkungen zwischen dem Rückgang der Biodiversität und Naturkatastrophen sind, zeigen zahlreiche Beispiele: Wenn beispielsweise Mangroven-Wälder gerodet werden, um Platz für Shrimp-Zuchtfarmen zu schaffen, sind die Küsten den Flutwellen eines Tsunamis noch schutzloser als zuvor ausgeliefert. Die Folgen wurden bei der Flutkatastrophe in Südostasien im Jahr 2004 sichtbar. Der Hurricane Katrina verursachte im Süden der USA Schäden von rund 150 Milliarden US-Dollar. Das ist weit mehr als ein nachhaltiger Schutz der Küstengebiete der Region kosten würde.
Ob und in welchem Ausmaß der Rückgang der Biodiversität ein unmittelbares unternehmerisches Risiko darstellt, ist je nach Branche und Geschäftsmodell unterschiedlich. Betroffen sind nicht nur Unternehmen aus Primärindustrien wie dem Bergbau, der Mineralöl- und Gasbranche oder der Land- und Forstwirtschaft. Auch auf die Konsumgüterbranche kommen Risiken zu: Ressourcen werden knapp und teurer. Das wirkt sich auf die Wertschöpfungskette aus und macht sie anfällig für Risiken, die mit der schwindenden Artenvielfalt und der Veränderung der Ökosysteme zusammenhängen.
Unternehmen sollten mögliche Risiken deshalb systematisch erfassen und mögliche Auswirkungen evaluieren. So drohen beispielsweise nicht nur direkte Verluste durch Dürren oder Überschwemmungen, sondern auch Mehrkosten durch staatliche Regulierung, etwa Umweltschutzauflagen und -abgaben oder auch Importverbote. Letztlich beeinflusst der Umgang mit dem Thema das Image eines Unternehmens und kann sich damit auf den Markenwert auswirken. Ein großes Risiko, besonders für konsumnahe Unternehmen.
Weitere Informationen, wie CEOs ihr Unternehmen vor möglichen Risiken schützen können, bietet die Studie "Biodiversity and business risk". Sie steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Biodiversity and business risk
A Global Risks Network briefing
William Evison
Christopher Knight
et al.
Prepared by PwC for the World Economic Forum
Januar 2010
20 S.