Unternehmen erfassen nun auch C02-Emissionen ihrer Lieferkette

Vier der zehn führenden Unternehmen in Sachen C02-Reduktion kommen aus Deutschland, wie aus dem CDP Global 500 Climate Change Report 2012 hervorgeht. Ein neuer Trend zeichnet sich ab: In Zukunft berichten Unternehmen nicht mehr nur über ihren direkten Schadstoffausstoß, sondern sie beziehen auch die Lieferkette ein, wie Hendrik Fink, verantwortlicher Partner für den Bereich Sustainability Services in Deutschland, erläutert.

Hendrik Fink
Hendrik Fink

Wie bewerten Sie die Klimaschutzaktivitäten der deutschen Unternehmen?

Hendrik Fink: Viele deutsche Unternehmen nehmen den Klimaschutz ernst. Nicht umsonst finden sich gleich vier deutsche Konzerne unter den zehn führenden Unternehmen der 500 größten Firmen weltweit im aktuellen Ranking des Carbon Disclosure Project 2012. Sie zeichnen sich durch eine hohe Transparenz hinsichtlich ihrer C02-Emissionen aus und verfolgen auch konsequent ihre Reduktionsziele. Viele deutsche Unternehmen haben sich konkrete Ziele bis 2020 und darüber hinaus gesetzt.

Reichen die C02-Reduktionsziele der Unternehmen weltweit aus, um die Klimaschutzziele der Vereinten Nationen zu erreichen?

Fink: Nach derzeitigem Stand der Dinge wohl nicht. Auf der UN-Klimakonferenz in Durban im November 2011 haben sich die Staaten darauf geeinigt, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste nach unseren Berechnungen die Emissionen zwischen 2020 und 2050 um vier Prozent pro Jahr sinken. Bei der aktuellen Umfrage des Carbon Disclosure Project unter den 500 größten Unternehmen der Welt hat sich aber gezeigt, dass sie langfristig nur eine Reduktion um ein Prozent pro Jahr anstreben. Das ist zu wenig. Um die Klimaschutzziele zu realisieren, ist ein grundlegender Wandel der globalen Wirtschaft notwendig.

Wie bewerten Sie die Qualität der Informationen zum Thema Treibhausgasemissionen?

Fink: Generell zeichnen sich die führenden Unternehmen durch eine hohe Transparenz aus, was die C02-Emissionsdaten angeht. Sie berichten umfassend über ihren Schadstoffausstoß. Ihr Reporting bezog sich bislang auf die direkte Tätigkeit und auf Emissionen, die bei der Produktion der verbrauchten Energie entstanden sind. Die führenden Unternehmen bilanzieren mittlerweile seit Herbst 2011 auch CO2-Emissionen aus der Lieferkette.

Wird sich das auf dem gesamten Markt durchsetzen?

Fink: Hier zeichnet sich ein Umdenken ab. Die führenden Unternehmen übernehmen da eine Vorreiterrolle. Die Herausforderung besteht darin, dies in der Breite umzusetzen und Ansätze zu finden, wie man die Emissionen der Lieferkette nicht nur effizient erheben, sondern auch steuern und damit letztlich auch reduzieren kann.

Bleibt das Reporting auf C02 beschränkt oder rechnen Sie mit Erweiterungen?

Fink: Ein Paradigmenwechsel zeichnet sich ab. Da Ziel ist, die gesamten Auswirkungen des unternehmerischen Handels auf die Umwelt aufzuzeigen. Das sollte sich nicht nur auf Schadstoffemissionen beschränken. So spielen auch der Wasserverbrauch und andere Faktoren eine zentrale Rolle. Auch hier geht es darum, das Unternehmen mit der gesamten Lieferkette zu betrachten. Gefragt ist eine Art ökologische Gewinn- und Verlustrechnung, die sämtliche Aspekte berücksichtigt. Solche Analysen werden in Zukunft meiner Meinung nach stark an Bedeutung gewinnen. Denn die Stakeholder wollen ein vollständiges Bild über die direkten und indirekten Konsequenzen des unternehmerischen Handelns auf die Umwelt. Das ist ein wichtiger Faktor, um die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu beurteilen.

Wie lässt sich ein C02-Reporting optimal bewerkstelligen?

Fink: Die führenden Unternehmen im CDP-Report geben vor, wie sich ein effizientes Reporting organisieren lässt. Sie haben klare Prozesse und Zuständigkeiten. Damit können sie die Daten Jahr für in konstant guter Qualität erheben und veröffentlichen. Bei einigen Unternehmen können wir allerdings beobachten, dass sie die Daten ineffizient sammeln. Unterschiedliche Abteilungen und Personen sind bei der Datenerhebung einzubeziehen. Bestehen Unklarheiten im Ablauf oder fehlt es an verantwortlichen Personen, kann das zu einem deutlichen Mehraufwand und schlechten Ergebnissen führen. Hier besteht unserer Erfahrung nach oft noch Verbesserungspotenzial.

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