Der Ausstoß von Kohlendioxid ist in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern, den sogenannten G20-Ländern, im Jahr 2010 erstmals seit der Jahrtausendwende wieder stärker gewachsen als die Wirtschaftsleistung: Das Bruttoinlandsprodukt der G-20-Volkswirtschaften wuchs um 5,1 Prozent, ihre CO2-Emissionen jedoch um 5,8 Prozent. "Die wirtschaftliche Erholung war, wo sie eingesetzt hat, eine schmutzige", fasst Michael Werner, verantwortlicher Partner für den Bereich Sustainability Services bei PwC in Deutschland, die Ergebnisse der PwC-Studie "Counting the cost of carbon" zusammen.
In den Vorjahren und insbesondere in der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte der Low Carbon Economy Index von PwC noch kleine Schritte in Richtung klimafreundlichen Wirtschaftens erkennen lassen: Die CO2-Emissionen entkoppelten sich von der Wirtschaftsleistungen, schrumpften schneller als die jeweiligen Volkswirtschaften. "Nach zu kleinen Schritten in die richtige Richtung sehen wir jetzt eine Bewegung in die grundsätzlich falsche Richtung", beschreibt Michael Werner die Situation.
"Wenn die G-20 die Ziele des Klimagipfels von Cancun noch erreichen wollen und die Erderwärmung bis zum Jahr 2050 auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen sie ihre CO2-Emissionen nun jährlich um 4,8 Prozent reduzieren", kommentiert Michael Werner: "Ein Ziel, das kaum noch zu erreichen und zu finanzieren ist."
Auch in Deutschland ist es im Jahr 2010 nicht gelungen, die Decarbonisierung voranzutreiben und wirtschaftliches Wachstum mit sinkenden CO2-Emissionen zu erreichen: Der Kohlendioxid-Ausstoß stieg um 3,7 Prozent, das Bruttoinlandsprodukt wuchs nur 3,6 Prozent. Will Deutschland seinen Beitrag zur Erreichung der Weltklimaziele wie vereinbart leisten, muss es seine Treibhausgasemissionen bis 2050 um jährlich 6 Prozent reduzieren. Ebenso ist es den meisten anderen Ländern der G20-Gruppe in 2010 bis auf wenige Ausnahmen nicht gelungen, ihre CO2-Emissionen zu verringern.
Die Ursachen für diese Entwicklung: das schnelle Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern, insbesondere China, Brasilien und Südkorea, kalte Winter, der relativ geringe Preis von Kohle gegenüber Gas und sinkende Investitionen in erneuerbare Energien. In den Jahren 2008 und 2009 waren die Emissionsraten in den meisten G-20-Ländern gesunken. Diese Entwicklung war auch durch die Finanzkrise bedingt.
Kaum einem Land – mit Ausnahme von China in den 1990er-Jahren – ist es bislang über einen längeren Zeitraum gelungen, CO2-Emissionen zu senken. Grund dafür sind auch die enormen Kosten für den Klimaschutz: Das Weltwirtschaftsforum beziffert sie mit 500 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2020. Im Jahr 2010 haben die Länder 243 Milliarden US-Dollar in grüne Energien investiert, weniger als die Hälfte. Hätten die Länder bereits im Jahr 2000 mit einer konsequenteren Klimaschutzpolitik angefangen, wäre lediglich eine Reduktion der Emissionen von 2 Prozent jährlich notwendig gewesen.
Counting the cost of carbon
Low carbon economy index 2011
PwC LLP
November 2011
26 S.
DIN A4
Zahlr. Tabellen und Grafiken