Wasser ist ein zentraler Faktor für das weitere Wachstum der chinesischen Wirtschaft. Das hat die chinesische Staatsführung erkannt und die Sicherung von Wasser zum wichtigsten Ziel ihres aktuellen 12. Fünf-Jahres-Plans erklärt. Die Regierung will stark in Wasserversorgung und Wasseraufbereitung investieren, rund 580 Milliarden US-Dollar in den kommenden zehn Jahren. Für deutsche Unternehmen bieten sich auf diesem Markt gute Geschäftsperspektiven.
Im Frühjahr 2011 hat Zentralchina die schwerste Dürre seit 50 Jahren erlebt. Mehr als vier Millionen Menschen waren von akutem Trinkwassermangel betroffen. Wasserknappheit ist ein ernstes Problem in China. Es bedroht vielerorten nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern setzt auch Industrie und Landwirtschaft empfindliche Stöße zu.
Wasserknappheit wird zudem entscheidend beeinflusst von dem hohen Verschmutzungsgrad vieler Seen und Flüsse, die als Trinkwasser-Ressource genutzt werden. In der Folge haben etwa 270 Millionen Menschen in China, vor allem in ländlichen Gebieten, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Landesweit gilt die Hälfte des Wassers aus Versorgungsnetzen als nicht trinkbar. Ein Viertel gilt als so verschmutzt, dass es sich nicht einmal mehr für die industrielle Produktion verwenden lässt. Besonders betroffen sind auch die urbanen Zentren in Shanghai und Peking. Dort wurden im Leitungswasser mehr als 89 chemische Verbindungen nachgewiesen.
"Die chinesische Staatsführung setzt sich seit längerem mit dem Problem der Wasserknappheit und -verschmutzung auseinander", sagt Dr. Matthias Retter, Experte für nachhaltiges Wassermanagement bei PwC. "Aktuell hat die Regierung mit dem Fünf-Jahres-Plan die Wassersicherung zur obersten Priorität erhoben. Große staatliche Investitionen sind für die Bereiche Trinkwasseraufbereitung und Abwasserentsorgung vorgesehen mit einer insgesamten Verdoppelung des Ausgabenbudgets. Denn Wassermangel ist eine erhebliche Gefahr für das weitere Wirtschaftswachstum."
Die Ziele der chinesischen Staatsführung für die kommenden Jahre lauten daher: den spezifischen Wasserverbrauch der Industrie bis 2015 um 30 Prozent senken, den Ausbau neuer Klär- und Entsalzungsanlagen vorantreiben, höhere Strafen für Grenzwertüberschreitungen in der Wasserqualität umsetzen und die Kommunen bei der Einführung eines einzuggebietsbezogenen Emissionshandels zur Wasserqualität unterstützen.
Für Zulieferer aus dem Ausland bietet der Markt der Wasserwirtschaft in China großes Potenzial. "Besonders ausländische Investoren setzen auf Hochtechnologie, die auch aus Deutschland stammen kann", sagt Dr. Matthias Retter. Wachstumspotenzial sieht der PwC-Experte abseits der bekannten großen Metropolen in größeren Städten (lower-tier cities). Geschäftschancen liegen besonders in der Zulieferung deutscher Technologien: Kläranlagen, Anlagen zur Wasseraufbereitung, Mess- und Regeltechnik wie zum Beispiel intelligente Druckmanagementsysteme, Steuerungssysteme und Maschinenbau. "In diesen Bereichen beurteilen wir die Perspektiven als sehr gut", so Dr. Retter. Beispielsweise hat sich der Bedarf an Kläranlagen seit 2005 versechsfacht, auf annähernd 5.200 Anlagen. Und allein im Jahr 2011 werden wohl über 1.000 Abwasserkläranlagen gebaut. Auch die Aussichten für den Markt von Entsalzungsanlagen scheinen sehr gut. Nach Prognosen ist bis 2020 mit einer Verdoppelung bis sogar Verdreifachung zu rechnen, wenngleich aktuell die Aufbereitungskosten pro Kubikmeter dreimal teurer sind und Energiepreise beziehungsweise Treibhausgasemissionen sich zusätzlich auswirken können.
Entscheidend ist es, die besonderen Rahmenbedingungen in China zu kennen. Der Markt steht grundsätzlich ausländischen Unternehmern offen, allerdings kooperieren sie in der Regel mit staatlichen Einheiten. Typische Beteiligungsmodelle sind sogenannte Build-Operate-Transfer oder Transfer-Operate-Transfer. Insgesamt liegt die Beteiligungsquote des Privatsektors national bei zehn bis 20 Prozent. Wichtig ist, dass der Privatsektor attraktive technische Lösungen bieten kann. "Besonders in den größeren Städten (low-tier cities) im Süden und Südwesten besteht nach wie vor ein geringer Grad der Technologisierung bei Abwasseraufbereitunganlagen. Billiglösungen und entsprechend ineffiziente Operationen mit hohen Energiekosten treffen wir dort besonders häufig an." Was die Profiterwartungen angeht, so zeigen sich auch Unterschiede zwischen den drei Säulen der kommunalen Wasserversorgung: Die höchsten Gewinne können über die Wasserverteilung erzielt werden, wohingegen Wasseraufbereitung und Abwasserentsorgung dem nachstehen.
"Insgesamt treffen private Investoren in China auf die drei klassischen Hürden: regulatorische, operationelle und finanzielle", so Dr. Retter. Im Einzelnen sind das beispielsweise komplexe rechtliche Rahmenbedingungen, mangelnde langfristige Sicherheiten, fehlende Fachkräfte oder hohe Investitionssummen, die unter anderem für größere Infrastrukturprojekte notwendig sind. Diese Hürden in Kauf zu nehmen, kann sich lohnen: Die Regierung will ihre Investitionen stark anheben. Dadurch entsteht ein großes Wachstumspotenzial in den nächsten fünf Jahren.