Sustainable Investments - The Business Case for Biodiversity

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen verzeichnet seit Jahren ein dynamisches Wachstum. Laut einer Analyse des Sustainable Business Institute (SBI) hat sich allein im deutschsprachigen Raum das Volumen nachhaltiger Publikumsfonds seit 2002 auf rund 32 Milliarden Euro mehr als verzehnfacht (Stand vom 30.09.2010). Gleichzeitig führen der fortschreitende Verlust der Artenvielfalt und die Zerstörung intakter Ökosysteme zu einer Verknappung wertvoller Naturressourcen.

Aktuelle Berechnungen im Auftrag der Finanzinitiative der Vereinten Nationen (UNEP FI) und den Principles for Responsible Investment (PRI) beziffern den durch Menschen verursachten Verlust der Vielfalt an Arten, Genen und Biotopen mit 6,6 Billionen US-Dollar pro Jahr. Das entspricht mehr als 11 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts.

Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich Chancen für innovative Geschäftskonzepte, die den Fokus auf den Schutz der Artenvielfalt legen. Denn privatwirtschaftliche Investitionen in Naturschutzprojekte können betriebswirtschaftlich attraktiv sein. Für Kapitalanleger, Umweltverbände, nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und nicht zuletzt den Staat eröffnet dies neue Möglichkeiten.


Abbildung: Volumen der im deutschsprachigen Raum zum Vertrieb zugelassenen nachhaltigen Publikumsfonds.
Quelle: Sustainable Business Institute (SBI) of the European Business School e.V.

Naturschutzprojekte können sich wirtschaftlich rechnen

Die PwC-Studie "Sustainable Investments for Conservation - The Business Case for Biodiversity" im Auftrag des WWF Deutschland demonstriert, dass sich eine ganze Reihe von Projekten zum Schutz der Natur wirtschaftlich rechnen – also eine Rendite abwerfen. Sie stellen also eine interessante Investitionsmöglichkeit für Anleger dar, die mit ihrem Investment einen verbesserten Schutz der Naturvielfalt fördern wollen. Dabei geht es vor allem um Naturschutzprojekte, in denen durch eine nachhaltig gestaltete und streng kontrollierte Nutzung einzelner Naturressourcen eine langfristige Absicherung wertvoller Naturräume und damit der Schutz der biologischen Vielfalt gewährleistet werden kann.

Um eine strategische Zusammenarbeit von Investoren und Umweltschutzorganisationen zu ermöglichen, wurde das Modell einer "Sustainable Investments"-Holding entwickelt. Das dahinter stehende Prinzip: Umweltorientierte Unternehmer oder auch Naturschutzorganisationen gründen eine Holding, die profitable Natur- und Artenschutzprojekte bündelt. Die eigentliche Projektausführung überlassen sie Beteiligungen, deren Nachhaltigkeit vor Ort von unabhängiger Seite anhand von strengen Umweltschutzkriterien überprüft wird. Dazu sammeln sie die nötigen Gelder und legen in Zusammenarbeit mit einer Umweltschutzorganisation die Investmentkriterien fest, nach denen die Holding ihre Beteiligungen auswählt.

Referenzprojekte aus Naturtourismus und nachhaltiger Forstwirtschaft

Für die Bereiche Naturtourismus und nachhaltige Forstwirtschaft haben ausschließlich privat finanzierte Referenzprojekte in Brasilien, Namibia und Costa Rica gezeigt, dass sich Naturschutz, soziale Belange und ein positiver Kapitalertrag nicht gegenseitig ausschließen. Bei der Auswahl der Fallstudien stellte der WWF sicher, dass die Geschäftskonzepte die Kriterien der ökologischen Nachhaltigkeit erfüllen und zusätzlich einen sozialen Mehrwert schaffen, etwa indem sie der lokalen Bevölkerung Alternativen zur Rodung des tropischen Primärwaldes bieten. Auf der Grundlage des Kyoto-Protokolls ergeben sich beispielsweise für Aufforstungsprojekte Ertragspotenziale aus dem Verkauf von CO2-Emissionszertifikaten.

Der Beitrag der Wälder zum Klimaschutz wird honoriert

Auch aus der Debatte um den Beitrag der Wälder zum Klimaschutz beim internationalen Klimagipfel in Cancún und den Beschlüssen zum REDD-Programm könnten sich neue Finanzierungsmöglichkeiten für Aufforstungsprojekte und eine nachhaltige Nutzung von Wäldern ergeben. REDD steht für Reducing Emissions from Deforestation and Degradation - die Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern. Diese Emissionen betragen heute 20 bis 25 Prozent der vom Menschen produzierten Treibhausgase. Zukünftig sollen vermiedene Emissionen aus tropischer Entwaldung anerkannt und finanziell belohnt werden.

"Sustainable Investments"-Holding unterstützt die Risikostreuung 

Da viele wichtige Naturschutzprojekte gerade auch in Entwicklungsländern angesiedelt sind, müssen sich Investoren intensiv mit den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen und Investitionsrisiken befassen. Um projekt- und landesspezifische Risiken so gering wie möglich zu halten, ist daher ein großes Länder- und Projektportfolio empfehlenswert. Die erforderliche Risikostreuung bietet das Unternehmensmodell der "Sustainable Investments"-Holding. Die Gründung einer solchen Holding ist ein leichtes. Jetzt sind Banken, Politik, Umweltverbände und Wirtschaft gefragt, dieses Thema in ihrem eigenen Interesse voranzutreiben.

Chancen bleiben ungenutzt - Rio-Konferenz soll Fortschritt bringen

Bisher werden die oben genannten Ansatzpunkte und Geschäftschancen jedoch noch kaum genutzt. Nur sehr wenige Unternehmen machen Natur– und Artenschutzbelange zu einem nennenswerten Teil ihres Geschäfts. Vor dem Hintergrund des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung und der anstehenden UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung 2012 ("Rio plus 20") sind innovative Lösungsansätze zur langfristigen Finanzierung von Schutzgebieten und zum verbesserten Management wichtiger Naturressourcen jedoch notwendiger denn je.

Die Rio-plus-20-Konferenz wird die erste Umweltkonferenz auf Staats- und Regierungschefebene nach der Kopenhagener Klimakonferenz sein. Sie soll den Boden für eine Transformation der Volkswirtschaften zu einer "Green Economy" bereiten und eine schlagkräftige UN-Umweltorganisation unter Einbeziehung der Schlüsselbereiche Klima, Biodiversität, nachhaltige Entwicklung etablieren. Seitens des privaten Sektors gilt es, die neuen Rahmenbedingungen im Sinne einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung zu nutzen.