Elektromobilität: Auf Kundenwünsche eingehen

Eine aktuelle sozioökonomische Analyse von PwC hat gezeigt, dass neue Normen und Standards essenziell sind, damit Elektromobilität künftig Fahrt aufnehmen kann. Wie stark dieser Einfluss allerdings sein kann, verdeutlicht Dr. Georg Teichmann,PwC-Experte aus Frankfurt, im Interview.

Im Gespräch mit Dr. Georg Teichmann

Dr. Georg Teichmann
Dr. Georg
Teichmann

Herr Teichmann, warum sind sozioökonomische Faktoren bei der Frage der Akzeptanz von Elektromobilität derart bedeutend?

Georg Teichmann: Die Marktdurchdringung der Elektromobilität wird erst dann möglich, wenn die Nutzer die neue Technologie akzeptieren und als gleichwertig gegenüber anderen, konventionellen und alternativen Antriebstechnologien wahrnehmen. Anders ausgedrückt: Für die Hersteller heißt diese sozioökonomische Komponente nichts anderes, als auf Kundenwünsche einzugehen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass die Nutzer wahrscheinlich nicht als Gesamtheit, sondern als Gruppen nach und nach die Elektromobilität praktisch entdecken.

… was im Detail bedeutet?

Teichmann: … dass jede Nutzergruppe individuelle Kriterien und Maßstäbe ansetzt. Der Gruppe der Technikbegeisterten sind demnach vielleicht Merkmale wie "Strommix statt Benzin" und "induktives Laden wichtig", die sicherheitsbewussten Nutzern hingegen noch mehr Wert auf die Punkte "Zuverlässigkeit" und "Komfort" legen. In Summe konnten wir insgesamt sechs kritische Faktoren identifizieren, die das Potenzial haben, die Nutzerakzeptanz und somit die Marktdurchdringung der Elektromobilität entscheidend zu beeinflussen.

Welche konkrete Rolle spielen dann Normen in diesem Kontext?

Teichmann: Wir haben den Normungsbedarf anhand von Detailbetrachtungen der identifizierten kritischen Faktoren und durch die Anwendung der Methode der Use Cases für relevante Teilgebiete abgeleitet. Dies, um die Stellen zu identifizieren, an denen Normen und Standards unterstützen können. So konnten wir darüber hinaus zwei Szenarien, ein Basis- sowie ein Negativszenario, daraus ableiten, die zeigen, welchen massiven Einfluss beispielsweise mangelhafte oder gar nicht vorhandene Sicherheitsnormen haben können. Die Ergebnisse der Studie können daher ein wichtiger Bestandteil und Wegweiser für die zukünftige Diskussion des Normungsbedarfs sowie für die Einleitung von Normungsvorhaben in der Elektromobilität sein, da sie unter Berücksichtigung der Interessen aller Akteure (Nutzer, Wirtschaft etc.) und der technischen Voraussetzungen die relevanten Normungsfelder – in Ergänzung zur deutschen Normungs-Roadmap Elektromobilität – beschreiben.

Schaubilder zum Thema

Tab. 1: Merkmale von unterschiedlichen Nutzergruppen

Abb. 3: Kritische Faktoren der Elektromobilität

Abb. 4: Szenario 1 - Basisszenario

Abb. 5: Szenario 2 - Negativszenario