Klarer Kurs für deutschen Schiffbau: Planungssicherheit und Finanzierbarkeit der Aufträge

Die Schiffbauindustrie in Deutschland ist unverändert eine innovative und wettbewerbsfähige Branche. Gleichwohl sind die Auswirkungen des Einbruchs von 2009 – die größte Krise der Nachkriegszeit – immer noch zu spüren. Der weitere Erfolg des deutschen Schiffbaus hängt deshalb von einigen wesentlichen Schlüsselelementen ab, wie PwC nun in einer Studie darlegt.

Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik e.V. (VSM) hat mit Unterstützung der fünf norddeutschen Küstenbundesländer im Vorfeld zur 8. Nationalen Maritimen Konferenz PwC mit einer Kurzstudie beauftragt, die anhand von Daten und Fakten die jüngsten Branchenentwicklungen darlegen und insbesondere die zugespitzte Situation der Finanzierung von Schiffbauprojekten aufgreifen soll.

Fakt ist, dass die hiesige Schiffbauindustrie weiterhin stark ist: Der Umsatz deutscher Schiffbauunternehmen lag 2012 bei 5,1 Mrd. €, der Umsatz der deutschen Schiffbauzulieferer 2011 bei 11,5 Mrd. €. Insgesamt sind knapp 100.000 Menschen in der Branche beschäftigt. Die anhaltende globale Schifffahrtskrise - die größte in den vergangenen 50 bis 60 Jahren - hat indes Spuren in diesem maritimen Wirtschaftszweig hinterlassen. Unternehmen ohne Spezialisierung sind vom Markt verschwunden oder befinden sich in Insolvenz.

Der weitere Erfolg des deutschen Schiffbaus hängt deshalb naturgemäß von der Gewinnung einer ausreichenden Anzahl neuer und profitabler Aufträge ab. Jeder Neubau-Standort benötigt zwei bis vier Aufträge pro Jahr zur Auslastung seiner Kapazitäten. Daraus wird die hohe Bedeutung der einzelnen Aufträge für das jeweilige Unternehmen deutlich. Neben den technischen und innovativen Fähigkeiten ergeben sich daraus zwei wesentliche Schlüsselelemente für den Unternehmenserfolg, so die Studie: die Planungssicherheit während der Abarbeitung und die Finanzierbarkeit der Aufträge.

  • Planungssicherheit: Der Planungshorizont für einzelne Aufträge umfasst im Durchschnitt drei Jahre. Nach Angebotsabgabe sind die Unternehmen an den vereinbarten Baupreis gebunden. Steigen die externen Kosten, wie zuletzt durch die EEG-Umlage oder die Branchenzuschläge auf Zeitarbeit, so mindern diese direkt die Ergebnismargen. Längerfristig verlieren die deutschen Schiffbauunternehmen dadurch trotz hoher Innovationskraft, ihrer Systemkompetenz und stetiger Verbesserung der Kosteneffizienz an Wettbewerbsfähigkeit
  • Finanzierbarkeit: Die Finanzierungsbedarfe der deutschen Schiffbauunternehmen können im aktuellen Finanzierungsmarkt derzeit nur teilweise unter schwierigen Bedingungen gedeckt werden. Speziell die vormals in der Schiffsfinanzierung involvierten deutschen Banken unterliegen aktuell deutlichen Restriktionen, insbesondere aufgrund der Finanzkrise und daraus folgenden regulatorischen Erfordernissen. Diese wirken sich im Schiffsfinanzierungssegment besonders ungünstig aus, da die Schiffsportfolios aufgrund der lange andauernden Schifffahrtskrise nur wenig getilgt werden. In Teilsegmenten besteht offenbar ein Finanzierungsmarktversagen

„Die Herstellung eines „Level-playing-field“ in der Finanzierung des Schiffbaus ist allerdings eine wesentliche Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit des Schiffbaus am Standort Deutschland. Es wären vor diesem Hintergrund kurzfristig geeignete Maßnahmen umzusetzen, um den deutschen Schiffbauunternehmen im Rahmen der Finanzierung von Projekten mehr Chancengleichheit am Markt zu verschaffen“, kommentiert Holger Jandke, Partner bei PwC für den Bereich Shipping & Ship Financing

Weitere zentrale Erkenntnisse der Untersuchung sind:

  • Ungelöste Finanzbedarfe existieren in der Branche insbesondere bei großen Projekten und neuen Technologien. Und: Großprojekte, die syndizierte Kredite erfordern, sind zum Teil sehr schwer zu finanzieren. Dies gilt insbesondere auch für inländische Besteller.
  • Öffentliche Finanzierungshilfen sind unabdingbar im Gesamtfinanzierungskonzept. Staatliche Rahmenbedingungen im Bereich Forschung und Entwicklung sowie Innovation sind gut angelegt, in der Höhe und den Verfahren aber noch nicht an die veränderten Produktportfolios angepasst.

Bibliographische Daten

Zur Lage des deutschen Schiffbaus 2013

Herausgeber

PricewaterhouseCoopers

Bibliographie/Quelle

September 2013
86 S.

Preis

kostenfrei

Dienstleistungen