PwC-Studie: Mehr Transparenz der Staatsfinanzen durch doppelte Buchführung

Der Anteil von Staaten mit einer doppelten Buchführung wird von derzeit 26 Prozent auf 63 Prozent in fünf Jahren steigen, wie aus der PwC-Studie „Towards a new era in government accounting and reporting“ hervorgeht. Dazu befragten und analysierten die PwC-Experten 100 Staaten rund um den Globus. „Mit der Abkehr von der kameralistischen Buchführung verbessert sich die Transparenz der staatlichen Finanzen. Staaten müssen mit der neuen Buchführung die Kosten für zukünftige Ausgaben wie Pensionen schon in der Gegenwart ausweisen. Damit wird deutlich, welche Kosten politische Entscheidungen verursachen“, sagt Alfred Höhn, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs öffentlicher Sektor.

In der Rechnungslegung von Staaten zeichnet sich ein Zeitenwechsel an: Immer mehr Staaten stellen von der kameralistischen Buchführung, die Ausgaben und Einnahmen gegenüberstellt, auf eine doppelte Buchführung um. Derzeit gibt es eine große Vielfalt an Rechnungslegungspraktiken. Nach den Ergebnissen der PwC-Studie haben bisher allerdings nur 26 Prozent der befragten 100 Staaten auf eine doppelte Buchführung umgestellt.. „Diese ermöglicht eine umfassende und aussagekräftige Darstellung des staatlichen Vermögens und der eingegangenen Verpflichtungen“, erklärt Höhn. Nach der Studie von PwC wird der Anteil der Staaten mit einer doppelten Buchführung in den nächsten fünf Jahren auf 63 Prozent steigen. Somit ist ein eindeutiger Trend hin zur doppelten Buchführung feststellbar.

Viele Entwicklungsländer wollen Rechnungslegung umstellen

Gegenwärtig verwenden 59 Prozent der befragten OECD-Staaten eine doppelte Buchführung, in fünf Jahren wird der Anteil auf 69 Prozent steigen. Vor allem Entwicklungsländer werden verstärkt diese Systematik verwenden – mehr als die Hälfte der für die Studie befragten Staaten außerhalb der OECD will in den nächsten fünf Jahren umstellen. Allein elf Länder in Afrika, zehn in Asien und acht in Lateinamerika planen, ihre Rechnungslegung umzustellen. Viele Staaten orientieren sich dabei an den IPSAS (International Public Sector Accounting Standards), die Regelungen für eine doppelte Buchführung von Staaten enthalten. Diese Regelungen lehnen sich an die internationalen Rechnungslegungsstandards für Unternehmen (IFRS) an.

EU-Kommission strebt periodengerechte Buchführung für EU-Länder an

Auch die EU-Kommission plant, neue Rechnungslegungsstandards für eine periodengerechte Buchführung einzuführen. Derzeit beginnt die Vorbereitungsphase, in der die Kommission zunächst Vorschläge sammelt. „Wir rechnen mit einer EU-Verordnung in den kommenden Jahren“, so Höhn. „Für die Umstellung auf eine doppelte Buchführung brauchen Staaten nach unseren bisherigen Erfahrungen einen Vorlauf von mindestens drei Jahren“, betont Höhn. So sind beispielsweise umfangreiche Vorarbeiten notwendig, um die Daten für die Anlagenbuchhaltung zu ermitteln. Dabei stellen sich viele Fragen für die Bewertung staatlichen Vermögens, zum Beispiel für die Infrastruktur oder für Gebäude. Aber auch Rückstellungen oder Offenlegungspflichten werfen in der Praxis viele neue Fragen auf.

Fehlendes Fachpersonal ist eine große Herausforderung

Die Umstellung auf eine doppelte Buchführung kann nur gelingen, wenn dazu entsprechend qualifiziertes Personal in der staatlichen Verwaltung zur Verfügung steht. So nannten auch 55 Prozent der befragten Regierungen fehlendes Fachpersonal als eine große Herausforderung. „Für viele Mitarbeiter in der staatlichen Verwaltung ist die Umstellung der Rechnungslegung ein großer Wandel. Sie brauchen gezielte Fortbildungen, um die neuen Aufgaben bewältigten zu können“, betont Höhn. Auch sind neue IT-Systeme gefragt, um die neue Form der Buchführung praktisch umsetzen zu können.

Bibliographische Daten

PwC Global survey on accounting and reporting by central governments
Towards a new era in government accounting and reporting

Herausgeber

PwC

Bibliographie/Quelle

April 2013
40 S.
PDF-Dokument

Preis

kostenlos