Netzwerke spielen eine zentrale Rolle bei der Standortwahl chinesischer Investoren

Chinas Unternehmer haben Geld. Und sie drängen ins Ausland. Das macht sie zur begehrten Zielgruppe deutscher Standortwerber. Nicht wenige Standortmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaften buhlen um die Gunst von Investoren aus der Volksrepublik. Schließlich schaffen Direktinvestitionen Arbeitsplätze - oder retten zumindest einige, wie bei den Investments vergangener Jahre, als chinesische Geldgeber in kränkelnde deutsche Firmen einstiegen. Im Interview erklärt Jens-Peter Otto, Leiter der China Business Group von PwC Deutschland, Präferenzen und Motive chinesischer Investoren.


Jens-Peter Otto,
Leiter der China
Business Group
von PwC

Die Volksrepublik China ist unter den BRIC-Staaten hinter Russland die Nummer zwei bei ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. Was macht die Bundesrepublik so interessant?

Jens-Peter Otto: Deutschland generell und das Label "Made in Germany" im Besonderen genießen in der VR China einen hervorragenden Ruf. Vor allem für größere Unternehmen ist Deutschland - wegen der hervorragenden Qualifikation deutscher Ingenieure - auch interessant als Standort für Forschungs- und Entwicklungszentren, dieser Zugang zu Know-how darf neben dem Marktzugang auch als Motiv für die Einstiege chinesischer Investoren bei kränkelnden deutschen Unternehmen vermutet werden. Dazu kommt die zentrale Lage in Europa: Für viele chinesische Unternehmer ist ein Engagement in Deutschland der erste Schritt zur Erschließung des europäischen Markts. Deshalb achten Sie auf einen Standort, von dem aus sie möglichst viele Plätze möglichst günstig erreichen können.

Wenn aber gute nationale und internationale Verbindungen ein Argument für chinesische Investoren sind - dürfen sich Standorte ohne internationalen Flughafen dann überhaupt Hoffnungen machen auf chinesische Investoren?

Otto: Leichter Zugang zu innereuropäischen Verbindungen und direkten Flügen in die chinesische Heimat sind sicherlich starke Argumente. Allerdings ist chinesischen Unternehmern bei der Standortwahl auch wichtig, wie bekannt eine Region ist und ob schon andere chinesische Unternehmer sich dort niedergelassen haben. Denn das macht es ihnen leichter, sich über die Zielregion zu informieren. So lässt es zumindest eine Untersuchung des German Center for Market Entry, einem Spin-off der Freien Universität Berlin erkennen, die wir von PwC als Kooperationspartner unterstützt haben.

Welche chinesischen Unternehmen interessieren sich denn Ihrer Erfahrung nach für Deutschland?

Otto: An ein Engagement in Deutschland denken sowohl große Unternehmen, die in Richtung Know-how schielen, als auch ganz kleine, die von Deutschland aus den europäischen Markt erschließen wollen. Insgesamt stehen chinesische Investoren wohl noch ziemlich am Anfang. Viele müssen erst einmal Marken aufbauen, denen die Verbraucher vertrauen. Gelingt ihnen das, werden wir in den nächsten Jahren kontinuierlich steigende Investitionen aus der VR China sehen.

Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für Deutschlands Standortwerber?

Otto: Chinesische Investoren wollen gut informiert werden. Wer also für seine Standortwerbung ein bestehendes chinesisches Netzwerk mobilisieren kann, hat Vorteile im Wettbewerb - die viel beschworene "Mund-zu-Mund-Propaganda" ist kaum zu unterschätzen. Schließlich nennen chinesische Unternehmer professionelle Helfer wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer kaum öfter als Unterstützer und Berater beim Markteinstieg als Familie und Freunde. Der Netzwerk-Gedanke ist also sehr ausgeprägt.

Mit welchen Hürden haben chinesische Investoren besonders zu kämpfen?

Otto: Als Barrieren für ihre Geschäfte nennen chinesische Unternehmer häufig kulturelle und rechtliche Unterschiede: Wie bekommt man eine Aufenthaltsgenehmigung, wie eine Arbeitserlaubnis? Aber auch die fremde Sprache stellt sie vor Probleme.

Welche Steine können denn deutsche Kommunen, Standort- und Wirtschaftsförderer Ihrer Ansicht nach "vor Ort" aus dem Weg räumen?

Otto: Die Arbeits- und Aufenthaltsregularien kann sicher keine Kommune einfach aus dem Weg räumen. Aber wir sehen auch bei unseren Kontakten, dass häufig chinesische Ansprechpartner lieber und besser mit Chinesen kommunizieren. Oft sind es aber auch vergleichsweise kleine Dinge, die das Leben leichter machen: In Shanghai, wo ich seit drei Jahren lebe, finde ich ein kleines Computerprogramm für mein Mobiltelefon extrem hilfreich: Ich tippe in europäischer Schrift beispielsweise den Namen des Hotels ein, in dem ich einen Mandanten treffen möchte; und automatisch erhalte ich als Antwort Namen und Adresse des Hotels in chinesischen Schriftzeichen. Damit kann ich dann zum Beispiel einem Taxifahrer klar machen kann, wo ich hinmöchte. Es sind solche kleinen Dinge, die möglicherweise den Unterschied ausmachen.