Digitalisierung muss Chefsache sein

17 Mai, 2015

Die Kommunen haben erkannt, an Digitalisierung geht auch für sie kein Weg vorbei. Noch fehlt es aber an klaren Strategien und auch im Management der digitalen Zukunft kann noch einiges besser gemacht werden.

Im Gespräch mit Alfred Höhn und Felix Hasse.

Warum sollten sich Kommunen mit dem Thema der Digitalisierung beschäftigen?

Alfred Höhn: Wir leben mitten im digitalen Zeitalter. Mit unseren Smartphones sind wir ständig online und kommunizieren immer und überall. Wir kaufen online ein, buchen unsere Reisen online und bleiben über die Social Media mit unseren Freunden in Kontakt. Technische Innovationen ermöglichen eine immer stärkere Vernetzung. Die Digitalisierung prägt unsere Gesellschaft zunehmend und beeinflusst deshalb natürlich auch unsere Städte. Die Digital Natives fordern Digitalisierung ein und das nicht nur von privaten Unternehmen, sondern auch von ihrem Lebensraum, ihrer Stadt in der sie sich bewegen, kommunizieren, leben und arbeiten.

Felix Hasse: Digitalisierung ist zu einem wichtigen Standortfaktor für Städte geworden. Unsere Studie zeigt, dass stärker digitalisierte Städte tendenziell wirtschaftlich erfolgreicher sind. Auch die hohe Resonanz auf unsere Umfrage macht deutlich: Das Thema Digitalisierung treibt die Städte um.

Befürworter und Treiber der Digitalisierung in Kommunen

In Ihrer Studie untersuchen Sie den Digitalisierungsstand deutscher Städte. Wo stehen deutsche Städte zurzeit?

Felix Hasse: Deutschlands Städte bewegen sich auf dem richtigen Weg. Viele Städte bieten Online-Services für ihre Bürger an und nutzen die Chancen der Digitalisierung, um die Verwaltung effizienter zu gestalten. Im internationalen Vergleich wird aber deutlich, dass es für Verbesserungen noch viel Luft nach oben gibt. Viele asiatische Länder haben die Chancen der Digitalisierung beispielsweise schon frühzeitig erkannt und sind uns um viele Jahre voraus.

Wie können sich die deutschen Städte noch verbessern?

Alfred Höhn: Die Städte haben die Digitalisierung zwar bereits als Standortfaktor erkannt, aber vielen fehlt eine umfassende Digitalisierungsstrategie. Erst wenn das digitale Entwicklungsziel definiert ist, kann der Weg dorthin skizziert werden. Dann lassen sich die richtigen Maßnahmen zielgerichtet und effizient umsetzen. Eine große Baustelle ist und bleibt eine ausreichende Breitbandversorgung. Ohne dieses Fundament der Digitalisierung fällt Deutschland im internationalen Vergleich noch weiter zurück.

Felix Hasse: Dass Digitalisierung oft auf Verwaltungsebene und nicht im Büro des Bürgermeisters gemanagt wird, ist ein Problem. Digitalisierung muss Chefsache sein und am besten durch einen Digitalisierungsbeauftragten als digitale rechte Hand des Bürgermeisters vorangetrieben werden. Digitalisierung als Querschnittsthema braucht diesen bereichsübergreifenden Kümmerer. Insgesamt haben wir 10 Handlungsempfehlungen entwickelt.

Entscheidungsträger bei der Digitalisierung in Kommunen

Was sind die Erwartungen und auch die Herausforderungen, die Städte im Zusammenhang mit der Digitalisierung sehen?

Felix Hasse: Die Kommunen sehen viele Vorteile in der Digitalisierung, wie z.B. eine höhere Effizienz der Verwaltung und eine Ersparnis von Zeit und Wegen für den Bürger. Sie erwarten auch, dass eine digitale Kommune sowohl für Unternehmen als auch für Bürger attraktiver wird. Eine der größten Herausforderungen ist die Gewährleistung des Datenschutzes und der Datensicherheit. Hier sind nicht nur die Kommunen gefragt. Hier gilt es bundesweit entsprechende Regelungen zu schaffen.

Wo werden die Städte in Deutschland in zehn Jahren stehen?

Felix Hasse: Die Digitalisierung wird auch weiterhin in allen gesellschaftlichen Bereichen an Bedeutung gewinnen. Analoge Prozesse werden digitalisiert und dabei von Grund auf neu organisiert. Das digitale Rathaus wird in einigen Jahren zum Standard gehören. Die Digitalisierung wird Verwaltungsaufgaben beschleunigen und den Kommunen mehr Zeit für andere Aufgaben geben. Zwar birgt die Digitalisierung auch Herausforderungen, sie wird den Kommunen aber auch dabei helfen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern.

Erwartungen der Kommunen für die nächsten fünf bis zehn Jahre

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