'Staat 4.0' - Digitale Transformation ist Chance und Herausforderung für die öffentliche Hand

Nach Euro-Krisenmanagement und Haushaltskonsolidierung soll die Politik wieder mehr für das Wachstum tun: Unternehmen in Deutschland fordern von der öffentlichen Hand neue Impulse für Innovationen und für die Infrastruktur, wie die Studie "Government & the Global CEO: Fit for their futures" zeigt. Was die Top-Manager von Regierungen und Verwaltungen erwarten und wie diese den Anforderungen gerecht werden können, erläutert Alfred Höhn.

Im Gespräch mit Alfred Höhn, PwC-Partner und Leiter des Bereichs öffentlicher Sektor:


Alfred Höhn

Die Politik hat in den vergangenen Monaten viele Entscheidungen von großer Tragweite für die deutsche Wirtschaft getroffen. Wie beurteilen die Unternehmen die Bilanz von Regierung, Parlament und Verwaltung und welche Risiken sehen sie für ihre künftige Geschäftsentwicklung?

Auf den Punkt gebracht: Die deutschen Top-Manager sehen Fortschritte bei der Konsolidierung und Stabilisierung, vermissen aber Innovations- und Wachstumsimpulse. Mögliche Steuererhöhungen oder auch denkbare radikale Schritte zur Haushaltssanierung bereiten den Entscheidern hierzulande deutlich weniger Sorgen als ihren Kollegen weltweit. Defizite gibt es nach Ansicht der CEOs deutscher Unternehmen allerdings in den Bereichen Infrastruktur, Innovationsklima und nicht zuletzt der Energiepolitik: Das Risiko steigender Energiekosten wird in Deutschland deutlich höher eingeschätzt als im globalen Durchschnitt.

Lässt sich aus den Studienergebnissen ableiten, welche Prioritäten die öffentliche Hand setzen sollte?

Zuerst sollte die Politik die kurzfristigen Unsicherheiten ausräumen. Konkret wollen die Unternehmen wissen, welche Änderungen durch das Gesamtprojekt der „Energiewende“ noch auf sie zukommen. Der von den CEOs angemahnte Ausbau der Infrastruktur ist sicherlich auch im Zusammenhang mit diesem Themenkomplex zu sehen. Langfristig sehen die Manager allerdings vor allem den grundlegenden technologischen Wandel durch Digitalisierung und Vernetzung sowie die Alterung der Gesellschaft als Herausforderungen, die sie nur mit Unterstützung von Staat und Politik bewältigen können.

Was konkret kann der Staat tun?

Notwendig ist nach Einschätzung der Befragten die Etablierung eines „Ökosystems für Innovation", in dem Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung, gemeinnützige Organisationen und Bildungsträger stärker als bisher gemeinsam neue Lösungen entwickeln. Die öffentliche Hand sollte beispielsweise nationale und lokale Innovationsstrategien vorgeben, die sich nicht auf finanzielle Förderung beschränken, sondern den Wissenstransfer zwischen privatem und öffentlichem Sektor beschleunigen.

Zudem müssen Behörden und Verwaltungen den digitalen Wandel intern vorantreiben. Erstens schafft dies die Schnittstellen, die sie zur effizienten Kommunikation mit der vernetzten Umwelt künftig benötigen. Und zweitens ist die digitale Transformation auch wesentlich für die Arbeit der öffentlichen Hand selbst. Die Belastung der Verwaltungsmitarbeiter ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Hinzu kommt, dass durch den demografischen Wandel beziehungsweise den Generationswechsel auch die Behörden Gefahr laufen, Wissen und Kompetenzen zu verlieren – die Digitalisierung, Zusammenführung und automatisierte Auswertung von Daten wird für die Erfüllung öffentlicher Aufgaben unerlässlich sein.