Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum: Zukunftsperspektive mit Öko-Vorzeichen

Die ländlichen Räume spielen heute eine Schlüsselrolle bei der nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland und der Sicherung von Arbeitsplätzen. Sie erfüllen auch eine wichtige Funktion dabei, den Herausforderungen des demografischen Wandels, des Klimawandels und des Verlustes der Biodiversität zu begegnen.

Etwa 40 Prozent der Deutschen leben oder arbeiten heute im ländlichen Raum. Mit rund 75 Prozent der Gesamtfläche prägt dieser das Landschaftsbild Deutschlands und bietet Lebensräume für eine große Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Zudem manifestieren sich gerade auch in diesen Regionen die großen ökologischen und demografischen Herausforderungen unserer Zeit.

Märkte und Branchen ermitteln und entwickeln

Eine von PwC im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) sowie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) erstellte Studie zeigt innovative ökologische Wirtschaftspotenziale auf, die geeignet erscheinen, die Rolle der ländlichen Räume als eine tragende Säule der Wirtschaftskraft zu stärken, ihre Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort zu erhöhen beziehungsweise weiterhin zu erhalten und langfristig die natürlichen Ressourcen zu schonen.

Es sind im Wesentlichen acht Märkte und Branchen, die die wirtschaftliche Entwicklung des ländlichen Raumes gegenwärtig prägen:

  • Landwirtschaft
  • Forst- und Holzwirtschaft
  • Ernährungsgewerbe
  • Energieerzeugung
  • ökologische Dienstleistungen
  • Gesundheitswesen
  • Bildungsmarkt. Gegenwärtig arbeiten bereits viele im ländlichen Raum Beschäftigte in Bildungseinrichtungen, die umweltrelevantes Wissen vermitteln.

Für die künftige Marktentwicklung konnte festgestellt werden, dass bei den meisten der betrachteten Sektoren von sinkenden Beschäftigtenzahlen im ländlichen Raum auszugehen ist. Ausnahmen bilden die Bereiche Tourismus und Gesundheitswesen. Hier können konstante bis steigende Beschäftigungszahlen erwartet werden.

Beim ökologischen Landbau übersteigt zuweilen die Nachfrage deutlich das Angebot

Abweichend vom Gesamttrend bestehen für viele der untersuchten ökologischen Teilmärkte in der Zukunft weitere Wachstumschancen, da das Marktpotenzial oft größer ist als das gegenwärtig realisierte Volumen. Dies zeigte sich zum Beispiel in der Landwirtschaft, wo die hohe Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischem Landbau das Angebot zeitweise deutlich übersteigt. In der Landwirtschaft gewinnen die Erzeugung von Biolebensmitteln, aber auch die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen und Biomasse zunehmend an Bedeutung. Allein der Umsatz an Biolebensmitteln hat sich seit dem Jahr 2000 knapp verdreifacht und von den insgesamt rund 1,2 Millionen Beschäftigten im Landwirtschaftssektor arbeiten heute bereits mehr als 40.000 im Bereich des ökologischen Landbaus und fast 100.000 im Bereich der Produktion von Biomasse. Für die Landwirtschaft insgesamt ist aufgrund der Produktivitätssteigerung hingegen auch in Zukunft mit wachsenden Betriebsgrößen und sinkenden Beschäftigtenzahlen zu rechnen.

IT-Infrastrukturen und Dienstleistungsmärkte als Katalysatoren

Eine wesentliche Erkenntnis der PwC-Studie besagt, dass besondere Infrastrukturen und Dienstleistungsmärkte die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Räume positiv beeinflussen und auch die Entwicklung ökologischer Teilmärkte unterstützen; gleichwohl erfolgt deren Wertschöpfung eher im städtischen Raum.

Diese Infrastrukturen und Dienstleistungsmärkte erzielen einen Katalysatoreneffekt: gute IT- und Breitband-Infrastruktur, gute Verkehrs-Infrastruktur und Mobilitätskonzepte, geeignete Finanzierungsmöglichkeiten sowie Förderung von Forschung und Entwicklung.

Die Analyse der acht Märkte und Branchen zeigt, dass das größte Wachstum ökologischer Märkte dort zu verzeichnen ist, wo gezielte staatliche Programme das gestiegene Umweltbewusstsein der Bevölkerung aufgreifen und fördern, etwa im Bereich der erneuerbaren Energien. Hierbei kann zum Beispiel eine noch stärker auf die Belange ländlicher Räume ausgerichtete EU-Agrar- und Strukturpolitik wichtige Impulse geben. Auch aus der Förderung der sektorenübergreifenden Regionalentwicklung ergeben sich wichtige Ansatzpunkte für eine positive Entwicklung der ländlichen Räume.

Fazit

Die richtigen Anreize, gezielt gesetzt, können wesentlich dazu beigetragen, die strukturellen Herausforderungen ländlicher Räume zu meistern.