Spendenfinanzierte, nicht gewinnorientierte Organisationen (Nonprofit-Organisationen, kurz: NPO) stehen häufig vor einem Dilemma: Spenden und Fördermittel sollen maßgeblich für den guten Zweck der jeweiligen Organisation verwendet werden, jedoch sollen die Verwaltungskosten so gering wie möglich gehalten werden. Ab einer gewissen Größe der Organisation ist aber eine Professionalisierung der Arbeit im Hinblick auf die Beschäftigung von hauptamtlichen Mitarbeitenden unerlässlich.
Komplexe Projekte lassen sich nicht mehr ausschließlich mit freiwilligen Mitarbeitern realisieren, sondern setzen den Einsatz bezahlter Fachkräfte voraus. Die Finanzierung erfordert eine Akquise von Spendengeldern durch Kampagnen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit, für die wiederum professionelle und damit in der Regel kostenpflichtige Unterstützung benötigt wird. Private und öffentliche Geldgeber erwarten darüber hinaus, dass die Verwendung der Mittel korrekt und transparent dokumentiert wird.
Die vorliegende Studie zeigt auf, welchen Professionalisierungsgrad Nonprofit-Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit erreicht. Hierzu führte das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim 18 Tiefeninterviews mit Expertinnen und Experten innerhalb verschiedenener NPOs im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit durch, die über jährliche Einnahmen von deutlich unter 250.000 Euro bis über 100 Millionen Euro verfügen (Stand 2008). Die Befragung konzentrierte sich auf die Themenfelder Organisationsumfeld, Fachwissen innerhalb der Organisation, Governance, eingesetzte Managementmethoden und Vernetzung der NPOs.
Ein wesentlicher Aspekt der Professionalisierung ist die Einhaltung anerkannter Standards. Zertifizierungen und Auszeichnungen wie das DZI-Siegel, der VENRO-Verhaltenskodex und der PwC-Transparenzpreis werden von nahezu allen großen Organisationen mit einem Jahreseinkommen über 250.000 Euro angestrebt. Von den kleineren befragten Organisationen sind lediglich 16,7 Prozent mit dem DZI-Siegel zertifiziert, ebenso viele orientieren sich am Verhaltenskodex.
Alle großen NPOs der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigen bezahltes Personal, während in den kleinen Organisationen der Anteil hauptamtlicher Mitarbeitender bei deutlich unter 20 Prozent liegt. Die "Schwelle zur Hauptamtlichkeit" der Mitarbeitenden liegt bei einem Jahreseinnahmen von etwa 250.000 Euro.
Die Weiterbildung von angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern ist in großen Organisationen die Regel (66,7 Prozent der befragten NPOs), aber auch in kleineren verbreitet. Obwohl NPOs mit Jahreseinnahmen unter 250.000 Euro weitestgehend auf ehrenamtlicher Basis arbeiten, bildet ein Drittel der befragten Organisationen ihre Mitarbeiter weiter aus.
Verstärkt hat sich in den vergangenen Jahren der Trend, die Öffentlichkeitsarbeit in die Bereiche Public-Relations und Fundraising aufzuteilen. In beiden neuen Kommunikationsbereichen setzen die NPOs fachspezifisch ausgebildetes Personal ein. Diese Entwicklung lässt sich bereits bei jeder dritten befragten Organisationen beobachten, mehrheitlich jedoch bei den großen Organisationen.
Die Professionalisierung nimmt auch auf Vorstandsebene zu. So verfügen die meisten Vorstände der untersuchten NPOs über eine akademische Ausbildung. 75 Prozent der großen und 33 Prozent der kleinen Organisationen berufen Personen mit kaufmännischer Expertise in den Vorstand. Hauptamtliche Vorstände gibt es bei 58 Prozent der größeren NPOs, jedoch bei keiner der kleineren Organisationen.
Die befragten NPO adaptieren zunehmend Managementmethoden, die in gewinnorientierten Unternehmen üblich sind. Projektevaluationen beispielsweise gibt es bei 75 Prozent der großen und 50 Prozent der kleinen befragten Organisationen. Die Veröffentlichung von Jahresberichten ist für NPO mit Einnahmen über 250.000 Euro mittlerweise selbstverständlich, jedoch auch bei jeder zweiten kleineren Organisation üblich.
Über ein strategisches Management verfügen ausschließlich die größeren Organisationen (83,3 Prozent). Ziel hierbei ist es in erster Linie, die Organisation am Markt zu positionieren sowie die Formulierung einer innovativen und zielorientierten Strategie. Ein Customer Relationship Management (CRM) setzen 50 Prozent der großen Organisationen ein, definierte Qualitätsstandards verwenden knapp 42 Prozent der NPOs mit Einnahmen über 250.000 Euro.
Die Studie "Trends der Professionalisierung in Nonprofit-Organisationen" können Sie hier bestellen.
ifm Mannheim: Das Institut für Mittelstandsforschung Mannheim ist eine zentrale Forschungseinrichtung der Universität Mannheim und führt Forschungsvorhaben zu aktuellen und strukturellen mittelstandsbezogenen Themen durch. Zu den Themenschwerpunkten gehören vor allem: Gründungsforschung, Familienunternehmen, Innovationsmanagement und Diffusion von Managementkonzepten im Mittelstand sowie die Lehre in den Bachelor- und Masterstudiengängen an der Universität Mannheim. Seine besondere Stärke liegt in der interdisziplinären Ausrichtung und der Brückenfunktion zwischen Wissenschaft und Praxis. Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.700 Mitarbeitern und einer Gesamtleistung von rund 1,33 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. An 29 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie Beratung in den Bereichen Deals und Consulting (Advisory).