Berlin, 17. Januar 2012
PwC-Statement zur Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft: Regulierung droht den Markt zu verdrängen / Energieerzeugung, Netzinfrastruktur und Kapazitätsmärkte brauchen mehr Wettbewerb
Der grundlegende Umbau der deutschen Energieversorgung durch die so genannte Energiewende setzt zu stark auf staatliche Lenkung und vernachlässigt marktwirtschaftliche Mechanismen. Dies gilt heute bereits für die Bereiche Energieerzeugung und -verteilung, künftig möglicherweise auch für die Vergütung von Reservestromkapazitäten.
"Eine marktorientierte Energiepolitik erfordert einen Ordnungsrahmen: Spielregeln, die so zu setzen sind, dass die Ziele der Energiepolitik erreicht werden. Dabei steht die Funktionsfähigkeit des Preismechanismus im Mittelpunkt. Fixierte Preise und Entgelte bergen grundsätzlich die Gefahr der Fehlallokation von Kapital. Die Energiewende wird jedoch nur dann gelingen, wenn die ohnehin knappen Ressourcen effizient verwendet werden und der 'Markt als Entdeckungsverfahren' genutzt wird“, warnt Norbert Schwieters, Leiter des Bereichs Energie bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, auf der „Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft 2012“.
Im Bereich der regenerativen Energieerzeugung ist mit der optionalen Marktprämie durch die EEG-Novelle ein erstes Signal für die Einführung von Marktmechanismen gegeben worden. Deutlich weitergehend ist demgegenüber der Vorschlag der Monopolkommission, zur Beseitigung von Engpässen im Netz das bundesweite Versorgungsgebiet in mehrere Preiszonen aufzuteilen. Je nach Versorgungslage und Nachfrage würden sich in den Regionen unterschiedliche Preise für die Netznutzung ergeben, die wiederum Anreize für Kraftwerksbetreiber schaffen, sich in Regionen mit ungedecktem Strombedarf anzusiedeln.
Eine Chance zur Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Prinzipien bietet die zurzeit intensiv diskutierte Schaffung von Kapazitätsmärkten. Da Wind- und Solarkraftwerke keine gleichmäßige Energieversorgung garantieren können, müssen konventionelle Kraftwerke als Ersatz bereit stehen. Für die notwendigen Investitionen in diese Reservekapazitäten bekommen die Kraftwerksbetreiber aber keine angemessene Vergütung. Die Ergänzung des "Energieerzeugungsmarktes" durch einen Kapazitätsmarkt könnte die fehlenden Investitionsanreize in flexible konventionelle Kraftwerke gewährleisten. Dieser Markt sollte aber so gestaltet sein, dass das Entgelt für die bereitgestellte Kapazität im Wettbewerb und nicht durch Regulierung ermittelt wird.
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