Frauenanteil in DAX-Aufsichtsräten steigt weiter - Unternehmen bleiben aber unter 30-Prozent-Quote

Frauenanteil legt gegenüber 2011 um zehn Prozentpunkte zu / Aktuell sind 119 von 488 Aufsichtsratsmitgliedern weiblich / Zielquote der Unternehmen stagniert bei gut 23 Prozent

Frankfurt, 23. Juni 2014.

Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der DAX 30-Unternehmen ist in den vergangenen gut drei Jahren um zehn Prozentpunkte gestiegen. Dennoch bleiben die Unternehmen im Durchschnitt klar hinter der von der Politik geforderten Zielquote von 30 Prozent zurück, wie aus einer nunmehr zum vierten Mal durchgeführten Erhebung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC anlässlich der Konferenz zum Deutschen Corporate Governance Kodex (24. und 25. Juni 2014) hervor geht.

Derzeit sind 119 von 488 Aufsichtsratsmitgliedern weiblich (Stand: 31. Mai 2014). Dies entspricht einer Quote von 23,4 Prozent gegenüber lediglich 13,4 Prozent zu Jahresanfang 2011. Stieg der Frauenanteil von Mitte 2012 bis Mitte 2013 noch um 3,5 Prozentpunkte, hat sich der Zuwachs in den vergangenen zwölf Monaten auf 1,7 Prozentpunkte verlangsamt.

"Die nachlassende Dynamik sollte allerdings nicht überbewertet werden", betont Henning Hönsch, Partner und Aufsichtsratsexperte bei PwC. "Neben der nicht steuerbaren Veränderung des Frauenanteils auf der Arbeitnehmerseite ist sie auch darauf zurück zu führen, dass die Steigerungsraten in den Vorjahren sehr hoch waren und viele Unternehmen ihre selbstgesetzten Ziele mittlerweile erfüllt haben."

Unternehmen müssen mit Quote rechnen

Fast alle Aufsichtsräte der DAX-Unternehmen haben sich ein quantifizierbares Ziel zur Erhöhung des Frauenanteils in den eigenen Reihen gesetzt und befolgen damit die Empfehlung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK, Ziff. 5.4.1 Abs. 2), die seit 2010 gilt. Die durchschnittliche Zielquote liegt im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert bei gut 23 Prozent. Einige Unternehmen liegen dabei heute über ihrer Zielsetzung, sechs Unternehmen dagegen noch unter der eigenen Vorgabe.

Dennoch bleibt der Frauenanteil bei allen Unternehmen nach wie vor klar hinter den Vorstellungen der Politik zurück. Die Große Koalition plant die Einführung einer 30-prozentigen Frauenquote für Aufsichtsräte von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen ab 2016. Dazu hat sie im April 2014 Leitlinien für das Gesetzgebungsverfahren veröffentlicht. Jüngsten Medienberichten zufolge soll die Quote allerdings nicht für sogenannte Europäische Aktiengesellschaften (Societas Europaea, SE) gelten. Bereinigt um diese und die weiteren nicht vom Quotenvorhaben betroffenen DAX-Unternehmen liegt der Frauenanteil mit im Schnitt 24,2 Prozent allerdings nur geringfügig höher.

"Trotz der diversen Schwierigkeiten in der juristischen Umsetzung - neben der SE etwa beim Thema Arbeitnehmerwahlen - scheint der politische Wille zur 30-Prozent-Quote unumstößlich. Daher werden sich die meisten Unternehmen wohl nicht auf dem Erreichten ausruhen können. In 16-köpfigen Aufsichtsräten wird nach den derzeitigen Plänen aufgrund von Rundungsregelungen sogar ein Frauenanteil von 37,5 Prozent erforderlich sein", stellt Henning Hönsch fest.

Kommt die gesetzliche Quotenregelung, muss sie von beiden Bänken im Aufsichtsrat erfüllt werden. Mit im Durchschnitt derzeit rund 28 Prozent Frauenanteil sind die Arbeitnehmervertreter nach wie vor näher am Ziel (Anfang 2011: 19,3 Prozent). Auf Anteilseignerseite beträgt der Frauenanteil jetzt rund 21 Prozent (Anfang 2011: 7,8 Prozent).

Die aktuelle PwC-Analyse berücksichtigt neben den in den Geschäftsberichten veröffentlichten Zielen zur Aufsichtsratsbesetzung auch die Wahlergebnisse der diesjährigen Hauptversammlungssaison.

Unternehmen Größe des Aufsichtsrats Anzahl weiblicher AR-Mitglieder zum 31.05.2014 Zielsetzung (in abs. Zahlen)
Tabelle basiert auf den aktuellen, bis zum 31. Mai 2014 veröffentlichten Geschäftsberichten bzw. auf den zum 31. Mai 2014 auf den Internetseiten der Gesellschaften angegebenen Zusammensetzungen der Aufsichtsräte der 30 DAX-Unternehmen
Adidas AG 12 4 3
Allianz SE 12 4 3
BASF SE 12 3 2
Bayer AG 20 4 4
Beiersdorf AG 12 3 4
BMW AG 20 4 4
Commerzbank AG 20 6 6
Continental AG 20 4 4
Daimler AG 20 5 4
Deutsche Bank AG 20 7 7
Deutsche Börse AG 18 4 3
Deutsche Lufthansa AG 20 7 2
Deutsche Post AG 20 7 6
Deutsche Telekom AG 20 7 6
E.ON SE 12 2 4
Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA 6 0 keine Zielsetzung
Fresenius SE & Co. KGaA 12 0 keine Zielsetzung
HeidelbergCement AG 12 2 2
Henkel AG & Co. KGaA 16 7 5
Infineon Technologies AG 12 2 2
K+S AG 16 2 2
Lanxess AG 12 2 3
Linde AG 12 2 2
Merck KGaA 16 5 4
Münchener Rück AG 20 8 6
RWE AG 20 3 4
SAP AG 16 4 1
Siemens AG/td> 20 5 5
ThyssenKrupp AG 20 3 4
Volkswagen AG 20 3 3

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.pwc.de/aufsichtsraetinnen-2014

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