Digitalisierung in der Logistikbranche: Big-Data gewinnt nur langsam an Fahrt

Die Mehrheit der Logistikunternehmen setzt Data Analytics nur zurückhaltend ein / 35 Prozent der Logistiker haben sich noch nicht mit Big Data beschäftigt / Großes Potenzial sehen die meisten deutschen Unternehmen in der Kostensenkung

Frankfurt, 28. September 2015

Der digitale Wandel macht auch vor der Transport- und Logistikwirtschaft nicht halt. Schlüsseltechnologien wie Big Data und Business Intelligence ermöglichen es den Unternehmen beispielsweise, neue Kunden zu gewinnen, Kosten zu senken und völlig neue Geschäftsfelder zu erschließen. Doch die Mehrheit der Logistiker schöpft dieses Potenzial noch nicht aus: Bei lediglich 19 Prozent der Unternehmen ist Big Data bereits Teil der Wertschöpfung und Grundlage der Geschäftsprozesse. 35 Prozent der Unternehmen haben sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt; rund 70 Prozent dieser Gruppe planen das auch nicht für die Zukunft. Dies sind Ergebnisse der Studie „Data Analytics in der Logistik – Im Windschatten oder auf der Überholspur?“, der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. An der Untersuchung haben sich 200 Logistikunternehmen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern beteiligt.

Unternehmen wollen investieren, sind aber noch zurückhaltend

Die Investitionsbereitschaft der Logistikunternehmen fällt verhalten aus. Grundsätzlich sind knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen bereit in die neuen Technologien zu investieren. Rund ein Drittel (35 Prozent) plant Investitionen bis zu 100.000 Euro für die kommenden zwei Jahre. 19 Prozent möchten bis zu 500.000 Euro in diesem Zeitraum investieren. Dabei werden sie sich auf das Transport- und Streckennetzmanagement sowie Finanzen und Controlling fokussieren. Über 40 Prozent lassen offen, wie hoch ihre Budgets sind und in welche Unternehmensbereiche sie investieren möchten. „Die Unternehmen wollen investieren, allerdings bislang nur in relativ geringem Umfang. Offenbar unterschätzen manche, wie gravierend die neuen Technologien zur Datenanalyse die Branche verändern werden. Wer jetzt nicht die Weichen stellt, wird im Wettbewerb zurückfallen.“, sagt Dietmar Prümm, Leiter des Bereichs Transport und Logistik bei PwC.

Im Moment wird Big Data vor allem in den Bereichen Transport- und Streckennetzmanagement sowie in Finanzen und Controlling zu je rund 30 Prozent genutzt. Business Intelligence wird in diesen Bereichen ebenfalls vorrangig eingesetzt, vor allem zur Sammlung von Unternehmensdaten (76 Prozent) und für das Reporting (65 Prozent). Nachholbedarf für Business Intelligence besteht bei der Datenanalyse zur Entscheidungsfindung und Steuerung sowie beim Echtzeit-Reporting. Die Mehrheit der Unternehmen verzichtet dabei bislang auf standardisierte Software-Lösungen, obwohl diese ein großes Kosteneinsparpotenzial bieten. „Gerade die Optimierung der Transport- und Streckennetzplanung durch Data Analytics hat für die Branche hohe Relevanz“, so Dietmar Prümm, „Auf der Kostenseite können reduzierte Wartezeiten der Fahrer und ideale Betankungsintervalle der Fahrzeuge hohe Einsparungen bringen. Umsatzseitig gilt: Je besser die Kapazitätsauslastung, desto höher die Renditen. Auch hierbei kann Data Analytics durch Laderaum- und Routenoptimierung deutliche Wettbewerbsvorteile bringen.“

Logistiker versprechen sich durch Big Data Kostensenkungen

Trotz der grundsätzlichen Investitionsbereitschaft bleiben Potenziale durch Data Analytics noch ungenutzt. Als wichtigsten Beweggrund für den Einsatz von Big Data nennen 34 Prozent der deutschen Logistikunternehmen vor allem die mögliche Kostensenkung, während für die europäischen Mitbewerber die Gewinnung neuer Kunden an erster Stelle steht (37 Prozent). Die Aussicht auf neue Geschäftsmodelle ist lediglich für 8 Prozent der Befragten das Hauptmotiv für den Einsatz von Big Data.

Die größten Hürden liegen in den Unternehmen selbst

Die größte Hürde, um diese Potenziale zu heben, sehen die Logistiker in ihrem Unternehmen selbst: 50 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass ihnen noch eine Big-Data-Strategie fehlt. An zweiter Stelle wurde als Hindernis „Wissen und Fähigkeiten unserer Mitarbeiter“ genannt (47 Prozent), an dritter Stelle „Organisation und Prozesse“ (45 Prozent). Die Verantwortlichkeit für die Themen Business Intelligence und Big Data liegt in den Unternehmen überwiegend beim CIO oder CEO. „Die Verantwortlichkeit bei der Unternehmensleitung zeigt, dass die Unternehmen dem Thema eine hohe Relevanz beimessen. Eine eigene Organisationseinheit, im Sinne eines  Competence Centers, sehen wir bisher nur selten in Logistikunternehmen, aber um die vielfältigen Erkenntnisse aus den Datenanalysen bestmöglich zu vernetzen und auch in anderen Unternehmensbereichen wie Controlling, Personalwesen oder Vertrieb zu verankern, braucht es eine zentrale Einheit“, sagt Nico Reichen, Experte für Data und Analytics bei PwC.

Begriffsverständnis:

Für die Befragung wurde zwischen den Begriffen Business Intelligence und Big Data unterschieden. Unter den Begriff Data Analytics fallen sowohl Business Intelligence, also die systematische Gewinnung, Auswertung und Darstellung von Daten, als auch Big Data, das dagegen die Analyse sehr großer, strukturierter und unstrukturierter Datenmengen bezeichnet.

Quelle:

Data Analytics in der Logistik – Im Windschatten oder auf der Überholspur? September 2015

Weitere Informationen unter:
pwc.de/data_analytics_logistik

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