Patienten fürchten Datenmissbrauch im Gesundheitswesen

11 April, 2016

Healthcare-Barometer 2016: Nahezu jeder zweite Versicherte steht Digitalisierung im Gesundheitswesen skeptisch gegenüber / Markt für Smartwatches & Co. stagniert / Hausarzt bleibt weiterhin wichtigste Informationsquelle

Frankfurt, 11. April 2016

Datensicherheit im Gesundheitswesen ist ein Thema, das Versicherte umtreibt: Fast jedem Zweiten fehlt das Vertrauen, dass persönliche Daten, die digital übermittelt und gespeichert werden, sicher sind und nicht in falsche Hände geraten. Das zeigt das aktuelle Healthcare-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für das jährlich mehr als 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren zu Themen aus dem Gesundheitsbereich befragt werden. An der Skepsis gegenüber der Digitalisierung ändert offensichtlich auch das neue E-Health-Gesetz nichts, das Sicherheitsstandards festschreibt und den rechtlichen Rahmen für die Telemedizin und die elektronische Gesundheitskarte bildet. Nur 22 Prozent der gesetzlich Versicherten und 14 Prozent der Privatversicherten begrüßen dieses Gesetz ohne Einschränkung, 47 Prozent der Privatversicherten und 43 Prozent der gesetzlich Versicherten sind jedoch nach wie vor misstrauisch.

Digitalisierung erspart Patienten viele Wege

„Die Vorteile, die die Digitalisierung gerade im Gesundheitswesen birgt, sind noch viel zu wenig bekannt“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma. „Notfalldaten, die auf der Gesundheitskarte gespeichert sind, können Leben retten. Die digitale Übertragung von Unterlagen würde die Kommunikation zwischen Versicherten, Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus deutlich erleichtern und Patienten viele Wege ersparen. Minicomputer wie Smartwatches, die körperliche Werte wie Blutdruck und Herzfrequenz überwachen, würden die Versorgung alter und chronisch kranker Menschen deutlich verbessern.“ Doch auch die Minicomputer am Handgelenk setzen sich in Deutschland nicht durch: Nur 17 Prozent der Befragten nutzen die Möglichkeit, eigene Vitalwerte mithilfe mobiler Hightech-Geräte zu bestimmen und auszuwerten. Dieser Anteil hat sich seit dem Vorjahr nicht verändert.

Generation 55+ vertraut dem Hausarzt noch mehr als die jüngeren Versicherten

Der Hausarzt bleibt für 62 Prozent der Befragten der wichtigste Ansprechpartner, wenn es darum geht, eine Klinik für einen Krankenhausaufenthalt zu finden. Mit zunehmendem Alter steigt das Vertrauen in seine Kompetenz: 34 Prozent aller Antworten der Altersgruppe 55+ entfallen auf ihn. In der Altersgruppe der 35- bis 54-Jährigen sind es 28 Prozent, bei den 18- bis 34-Jährigen 25 Prozent.

Freunde und Bekannte haben bei der Informationsbeschaffung in der jungen Altersklasse hingegen an Bedeutung verloren: Nur noch 20 Prozent der Antworten der 18- bis 34-Jährigen entfallen auf Freunde und Bekannte – im Vorjahr waren es noch 24 Prozent. Zudem zeigt sich, dass das Internet ebenfalls eine wichtige Informationsquelle ist und nicht nur für die jüngere Generation eine Rolle spielt. Im Gegenteil: Bewertungsseiten im Internet und Onlineforen werden von allen Altersklassen nahezu gleichermaßen genutzt.

Grundsätzlich genießt das deutsche Gesundheitssystem einen großen Vertrauensbonus. Wie im Vorjahr zählt es nach Einschätzung von mehr als der Hälfte der Befragten zu den drei besten weltweit. Ebenso viele vergeben für die Qualität der Krankenhäuser Bestnoten. Knapp 80 Prozent sind der Meinung, von ihrer Krankenversicherung alle nötigen Leistungen zu erhalten, 89 Prozent sind mit ihrer Krankenversicherung insgesamt zufrieden. Eine private Zusatzversicherung hat bisher jedoch nur ein Drittel der gesetzlich Versicherten abgeschlossen.

Versicherte erwarten in Arztpraxen mehr Service

Kritik entzündet sich allerdings an fehlendem Service: 45 Prozent der Versicherten (2015: 43 Prozent) stören sich daran, dass sich der Arzt zu wenig Zeit für sie nimmt. Auffällig ist vor allem die wachsende Unzufriedenheit unter Privatversicherten: Ihr Anteil ist innerhalb eines Jahres von 22 auf 29 Prozent und damit um fast ein Drittel gestiegen. Bemängelt werden auch Praxisöffnungszeiten, die sich zu wenig an den Bedürfnissen der Patienten orientieren. „Neben Fachkompetenz des Arztes spielt der Service eine immer wichtigere Rolle. Gerade die Altersgruppe der unter 34-Jährigen legt darauf besonderen Wert“, so Burkhart. „ Arztpraxen sind deswegen gut beraten, ihre Abläufe auf Kundenfreundlichkeit hin zu überprüfen.“


Über PwC:

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