Unternehmen drücken beim IFRS 15 aufs Tempo

08 September, 2017

Etwa jedes zweite börsennotierte deutsche Unternehmen macht in seinem aktuellen Zwischenbericht konkrete Angaben zum neuen Bilanzstandard IFRS 15 / Bei 54 Prozent dieser Gesellschaften lassen sich konkrete Fortschritte im Vergleich zum Geschäftsbericht 2016 feststellen / PwC-Experte Gruss:„Viele Unternehmen haben sich deutlich verbessert – allerdings sind wir insgesamt noch nicht auf dem Stand, den wir uns erhofft hätten“ /  ESMA und DPR machen Druck

Düsseldorf, 08. September 2017

Die „Deutschland AG“ drückt beim IFRS 15 aufs Tempo. Das zeigt eine Analyse der aktuellen Zwischenberichte von 94 börsennotierten Gesellschaften durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Demnach macht etwa jedes zweite Unternehmen in seinem Halbjahresbericht explizite Angaben zum neuen Bilanzstandard, der Anfang nächsten Jahres in Kraft treten soll. Bei 54 Prozent dieser Gesellschaften lassen sich merkliche Fortschritte im Vergleich zum Geschäftsbericht 2016 feststellen.

„Das ist zwar noch nicht der Stand, den wir uns erhofft hätten. Allerdings ist deutlich zu erkennen, dass immer mehr Unternehmen die Schlagzahl erhöhen – während es vor einem halben Jahr noch so aussah, als würde der neue Bilanzstandard von vielen Gesellschaften regelrecht verschlafen.“

Christoph Gruss, Partner bei Capital Markets & Accounting Advisory Services bei PwC in Deutschland

DPR macht neue Bilanzstandards zum Prüfungsschwerpunkt

Der IFRS 15 soll die Bilanzierung von Erlösen aus Verträgen mit Kunden neu regeln. Bislang liegen die entsprechenden Vorgaben zur Umsatzrealisierung weit verstreut – der neue Standard führt die diversen Regelungen nun endlich zusammen. Auch wenn der IFRS 15 offiziell erst zum 1. Januar 2018 in Kraft tritt, hatte die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA im vergangenen Jahr klargestellt, dass sie von den Unternehmen bereits in ihren Abschlüssen 2016 und 2017 konkretere Angaben zu den erwarteten Folgen erwartet. Hinzu kommt: Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung hat die Anhangangaben zur Anwendung neuer Bilanzstandards zu einem ihrer Prüfungsschwerpunkte für 2017 gemacht. „All das zeigt, dass sich die Unternehmen beim IFRS 15 keinerlei ‚Laissez-faire‘ leisten können“, betont PwC-Experte Gruss.

Phasen-Modell von PwC illustriert die Fortschritte vieler Unternehmen

Bei der ersten Untersuchung, die auf den 2016er-Geschäftsberichten beruhte, hatte PwC den Stand der Vorbereitungen in acht Phasen untergliedert. Wie sich herausstellte, befand sich damals noch kein einziges Unternehmen in Phase sechs, sieben oder acht; und nur sieben Prozent hatten schon Stufe vier oder fünf erreicht. Im Vergleich dazu lassen die diesjährigen Zwischenberichte deutliche Fortschritte erkennen – jedenfalls bei den Gesellschaften, die sich überhaupt zum IFRS 15 äußern. So verharren nur noch 57 Prozent in Phase eins oder zwei (zum Vergleich: Ende 2016 waren es noch 76 %), während sich immerhin schon 27 Prozent (17 %) in der dritten Phase, 11 Prozent (5 %) in der vierten Phase und 4 Prozent (2 %) in der fünften Phase befinden. Ein Konzern steht auf Stufe sechs – was bedeutet, dass er die Einführung des neuen Bilanzstandards fast schon bewältigt hat.

Wie schon bei den Geschäftsberichten 2016 zeigte sich auch diesmal, dass die Dax-Konzerne in ihren Vorbereitungen tendenziell weiter sind als MDax-, SDax- oder TecDAx-Unternehmen. So befinden sich bereits 33 Prozent der Großkonzerne in Phase vier, fünf oder sechs. Dagegen sind es unter den übrigen börsennotierten Unternehmen, die untersucht wurden, nur 10 Prozent. Ebenfalls auffällig: Die Dax-Konzerne machten im Schnitt deutlich umfangreiche Angaben zum neuen Bilanzstandard als die kleineren Unternehmen. Bei den einen waren es im Schnitt 132 Wörter – bei den anderen lediglich 70 Wörter.

„Ohne Schlussspurt wird es für viele Unternehmen nicht reichen“

„Die Unternehmen geben nicht nur quantitativ mehr Informationen als vor einem halben Jahr – sondern sie äußern sich auch inhaltlich deutlich detaillierter, etwa was die Auswirkung der neuen Regeln auf interne Steuerungsgrößen oder einzelne Geschäftsbereiche angeht“, lobt Christoph Gruss. Zugleich mahnt der PwC-Experte jedoch an, dass Tempo in den wenigen verbleibenden Monaten bis zur Einführung von IFRS 15 noch einmal zu steigern. „Ohne Schlussspurt wird es für die meisten Unternehmen nicht reichen – speziell was die IT-Umsetzung betrifft.“

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