Das Unternehmertestament: Ausdruck verantwortungsvoller Nachfolgeplanung

Wenn es um die Testamentserrichtung geht, steht für die meisten Menschen allein die finanzielle Versorgung ihrer Liebsten im Mittelpunkt. Ein Unternehmer ist jedoch zusätzlich seinem Unternehmen gegenüber verpflichtet. Diese Verpflichtung endet nicht mit dem Tod, sondern geht darüber hinaus: Er schuldet dem Unternehmen eine verantwortungsvolle Nachfolgeplanung, welche die Interessen der Familie und seiner Mitarbeiter gleichermaßen berücksichtigt.

Unter einem Unternehmertestament ist nachfolgend nicht nur das Testament im Rechtssinne zu verstehen. Es ist vielmehr als ein Kanon von aufeinander abgestimmtem Testament, Ehevertrag und Gesellschaftsvertrag sowie anderen flankierenden Maßnahmen zu begreifen.

Ganzheitliche Planung

Anders als bei Kapital- und Immobilienvermögen, das die Erben nur verwalten müssen, bedarf ein ererbtes Unternehmen der Führung. Die Qualitäten dazu gehen jedoch nicht automatisch beim Erbfall auf den Erben über. Hier gilt es rechtzeitig zu handeln und den Generationswechsel fließend zu gestalten. Die frühzeitige Einbeziehung der "Unternehmenserben" im Wege der vorweggenommen Erbfolge sollte stets Vorrang vor der Anordnung der Unternehmensnachfolge via Testament haben. Der Unternehmer sollte die Unternehmensnachfolge als das auffassen, was sie ist: die größte berufliche und private Herausforderung seines Lebens.

Nachfolgeplanung sollte nicht ausschließlich unter steuerlichen Aspekten geplant werden

Es wäre dabei verfehlt, wenn die Nachfolgeplanung ausschließlich von rechtlichen und steuerlichen Überlegungen bestimmt würde. Natürlich sollte die Unternehmensnachfolge steueroptimal gestaltet werden. Dennoch haben betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten stets Vorrang vor Steuerersparnissen. Durch ein rechtzeitiges Einbeziehen der Kinder in die unternehmerische Verantwortung hat auch der Unternehmer die Möglichkeit, sich ein Bild über die Eignung und Qualifikation der Kinder zu machen und gegebenenfalls frühzeitig nach einem anderen geeigneten Unternehmensnachfolger zu suchen.

Unternehmer bis zum Schluss

Entscheidet sich ein Unternehmer jedoch gegen eine Unternehmensnachfolge zu Lebzeiten, trifft ihn die Verpflichtung, die Nachfolge durch zweckdienliche Gestaltung von Testament, Ehevertrag und Gesellschaftsvertrag vorzubereiten. Nur wenn diese drei Dokumente aufeinander abgestimmt sind, kann von einer guten und verantwortlichen Nachfolgeplanung die Rede sein. Eine Gefährdung der weiteren Existenz des Unternehmens nach dem Erbfall stellen regelmäßig Pflichtteils- und Zugewinnausgleichsansprüche dar. Wenn jedoch das Unternehmen den größten Teil des Erbes darstellt, ist häufig nicht genügend Liquidität zur Befriedigung der Ansprüche vorhanden, sodass eine Zerschlagung des Unternehmens droht. Insofern ist es ratsam, dieses Risiko bereits im Vorfeld auszuschließen oder zumindest zu begrenzen.

Vermeidung von Zugewinnausgleichsansprüchen

Sinnvoll dazu ist oftmals die Beendigung des gesetzlichen Güterstandes zu Lebzeiten durch den Abschluss eines Ehevertrages und einen anschließenden Wechsel in die modifizierte Zugewinngemeinschaft. Dabei wird lediglich das Unternehmen aus dem Zugewinn "herausgehalten", ansonsten bleibt der Zugewinnausgleichsanspruch des überlebenden Ehegatten bestehen. Steuerlich nachteilig ist insofern, dass ein geringerer, für erbschaftsteuerliche Zwecke steuerfrei zu stellender Zugewinnausgleichsanspruch entsteht.

Vermeidung von Pflichtteilsansprüchen

Bezüglich der Pflichtteilsansprüche ist die einzig sichere Methode der notarielle Pflichtteilsverzicht der Pflichtteilsberechtigten, in der Regel der Kinder und des Ehegatten. Um die Familie zu einem Pflichtteilsverzicht zu bewegen, kann es ratsam sein, einen notariellen Erbvertrag abzuschließen. Das hat den Vorteil, dass die Unternehmensnachfolge mit den Familienangehörigen verbindlich geregelt ist, Erbstreitigkeiten so weitestgehend vermieden werden können und alle Planungssicherheit haben.

Ertragsteuerliche Fallstricke

Bei der Gestaltung des Testaments muss der Unternehmer, insbesondere wenn er sein Unternehmen als Personen- oder Kapitalgesellschaft führt, sorgsam darauf achten, dass es bei der von ihm angedachten Nachfolge nicht zur ertragsteuerpflichtigen Aufdeckung stiller Reserven kommt.

In dem Bestreben, die Kinder gleichmäßig zu bedenken, wird die ertragsteuerliche Konsequenz oft nicht mit einbezogen. Der typische Fall ist der, dass von dem Unternehmer seiner Gesellschaft überlassenes Betriebsvermögen (zum Beispiel das Grundstück) nicht auf den Erben übertragen wird, der auch die Beteiligung oder das Unternehmen erbt. Bei Personengesellschaften kann es so zur ungewollten Entstrickung von Sonderbetriebsvermögen kommen, bei Kapitalgesellschaften zur unfreiwilligen Beendigung von sogenannten Betriebsaufspaltungen. Dieses ungewollte ertragsteuerliche Ergebnis kann dadurch vermieden werden, dass dem einen Erben nicht nur das Grundstück, sondern auch eine Beteiligung am Unternehmen vermacht wird. Ebenfalls bestünde die Möglichkeit, dem einen Kind das Unternehmen und das Grundstück zu vererben und das andere Kind dadurch abzusichern, dass es jährlich am Gewinn des Unternehmens beteiligt wird.

Vorsorge - bevor es zu spät ist

Zu einer verantwortungsvollen, vorausschauenden Nachfolgeplanung gehört, rechtzeitig damit zu beginnen und alle notwendigen Vollmachten und Dokumente zur Verfügung zu stellen, denn: "Mors certa, hora incerta" (Sicher ist der Tod, unsicher die Stunde).

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