Die Einführung der E-Bilanz verschiebt sich um ein Jahr

16 September, 2010

Ab dem Jahr 2012 sind Unternehmen dazu verpflichtet, ihre steuerliche Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln. Die sogenannte E-Bilanz zwingt Unternehmen dazu, erhebliche Anpassungen in ihren Prozessen und ihrer IT vorzunehmen. Zwar sind seitens der Finanzverwaltung noch viele Fragen offen - zum Beispiel, in welchem Detailgrad die Daten erhoben werden müssen. Die Experten bei PwC raten Unternehmen dennoch dazu, die Umstellung schon jetzt vorzubereiten, da ansonsten die Zeit knapp werden könnte.

Die Neuregelung greift erstmals für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2011 beginnen. Ab diesem Stichtag müssen Unternehmen ihren Jahresabschluss elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Diese Regelung ist Teil des Steuerbürokratieabbaugesetzes (SteuBAG), das Ende 2008 verabschiedet wurde. Die neue papierlose Kommunikation soll Medienbrüche vermeiden und das Verfahren insgesamt vereinfachen. Zur Übermittlung der Daten hat die Finanzverwaltung den Standard XBRL (= extensible Business Reporting Language) ausgewählt. Halten Unternehmen sich nicht an die Verordnung, droht ihnen die Festsetzung von Zwangsgeldern. Nur in besonderen Härtefällen können Unternehmen von der elektronischen Bilanz ausgenommen sein, das gilt voraussichtlich aber nur für kleine Firmen.

Diese Module müssen elektronisch übermittelt werden:

  • (Handels-)Bilanz
  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Ergebnisverwendung
  • Kapitalkontenentwicklung (bei Personengesellschaften)
  • Überleitungsrechnung bzw. Steuerbilanz

Diese Regelungen stehen bereits jetzt fest. Mit weiteren Fragen beschäftigen sich zwei Arbeitsgruppen, zu denen Vertreter der Finanzverwaltungen, des Bundesministeriums der Finanzen, der Bundessteuerberaterkammer, der Wirtschaftsprüferkammer, der Bundesrechtsanwaltskammer, der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft und führender Softwarehäuser gehören. Die Fach-AG Taxonomie Steuer hat die fachlichen Grundlagen für den zu übermittelnden Datensatz erarbeitet; die IT-AG Taxonomie Steuer die technischen Grundlagen. Vorläufige Ergebnisse zur allgemeinen Taxonomie liegen vor, jedoch ist die praktische Umsetzung bisher nicht vollends geklärt. Weiterhin fehlen Spezial-Taxonomien, beispielsweise die Banken-Taxonomie.

In den Unternehmen herrscht Unsicherheit

Die verpflichtende Einführung der E-Bilanz wurde um ein Jahr verschoben, auch wenn der Bundesrat der Verschiebung noch zustimmen muss. Zum einen sei die Verschiebung aus technischen und organisatorischen Gründen sinnvoll, hieß es, zum anderen soll der Datenumfang im Rahmen eines Pilotprojekts überprüft werden. "Wir sehen immer noch zwei große Fragezeichen", sagt Thomas Müller, Partner bei PwC und Experte für Informationstechnologie: "Ein inhaltliches Fragezeichen: In welcher Form sollen die Unternehmen berichten? Und ein technisches Fragezeichen: Wie sollen die Unternehmen die Anforderungen in ihre bestehenden technischen und organisatorischen Prozesse integrieren?" Müller geht davon aus, dass in den Unternehmen erheblicher Anpassungsbedarf in den Geschäftsprozessen und der technologischen Ausstattung besteht. "Vieles liegt im Moment im Argen", bestätigt auch Stefan Kaufmann, Partner und Steuer-Experte bei PwC. "Die Steuerpflichtigen wissen nicht, wie sie die Anforderungen umsetzen sollen."

Firmen sollten baldmöglichst mit der Vorbereitung beginnen

Die Experten empfehlen, bereits jetzt mit den notwendigen Vorbereitungen zu beginnen, da organisatorische und technische Änderungen dieser Komplexität eine entsprechende Vorlaufzeit benötigen. Nach ihrer Einschätzung brauchen deutsche Firmen ein Jahr, nachdem die endgültigen Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorliegen, um die technologischen und prozessualen Voraussetzungen für die elektronische Übermittlung zu schaffen. Sie gehen davon aus, dass das Projekt zur Vorbereitung der E-Bilanz erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen binden wird. Die Finanzverwaltung kann in Ausnahmefällen (zur Vermeidung unbilliger Härten) die Abgabe von Bilanz und GuV in Papierform zulassen ("Härtefallregelung").

Unternehmen müssen sich auf einen höheren Detailgrad einstellen

Fest steht, dass die E-Bilanz deutlich detailliertere Informationen erfordert als die bisherige Steuererklärung. Welche das genau sind, ist bislang offen, da an der bereits veröffentlichten Taxonomie noch gearbeitet wird. Unternehmen müssen ihre Finanz- und Steuerbuchführung überdenken, gegebenenfalls den Kontenplan erweitern oder die Zuordnung der Geschäftsvorfälle zu Konten neu gestalten. In diesen Bereichen müssen Unternehmen ihre Prozesse anpassen, um weiter effizientes Arbeiten zu gewährleisten. 

Damit bietet die Vorbereitung auf die E-Bilanz Unternehmen die Möglichkeit, ihre bisherigen Prozesse für die Ermittlung der Steuerpositionen im Jahres- und Konzernabschluss und zur Steuerberechnung aufzunehmen und neu zu konzipieren, um zielgerichtet neue Prozesse aufzusetzen, die die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, aber auch die Zahl manueller Arbeitsschritte reduzieren. Damit kann die E-Bilanz auch zur Effizienzsteigerung im Zusammenspiel zwischen Rechnungswesen und Steuerabteilung beitragen und somit Ressourcen für andere gestalterische Aufgaben schaffen. Aber auch in der IT sind Veränderungen notwendig: Unternehmen müssen aus ihrer Buchhaltung Daten im neuen Standard XBRL gewinnen. Gute Voraussetzungen dazu haben Unternehmen, die sich bereits für eine IT-gestützte integrierte Steuerbuchführung entschieden haben.


Im Gespräch mit Stefan Kaufmann und Thomas Müller, Partner bei PwC.

Wer ist von der Einführung der E-Bilanz besonders betroffen?

Stefan Kaufmann: Das sind vor allem große Unternehmen, die ihre Steuererklärung autark machen. In vielen Fällen ist das Thema noch gar nicht bei den Unternehmen angekommen. Einerseits sind die Einzelheiten noch in Abstimmung innerhalb der Finanzverwaltung, andererseits scheint die Entwicklung von konkreten IT-Lösungen zur Übermittlung der geforderten Daten in einem sehr frühen Stadium zu sein. Der Zeitplan ist extrem ambitioniert, zumal viele Unternehmen durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) erheblichen Umstellungsbedarf haben. Gerade diese Neuerungen wirken sich jedoch gravierend auf die elektronisch zu übertragenden Daten aus.

Wenn das Verfahren einmal umgesetzt ist - haben dann auch die Unternehmen einen Vorteil davon?

Thomas Müller: Ja, wenn sie es schaffen, die zukünftig notwendigen Bearbeitungsschritte gut in ihre Prozesse zu integrieren. Dies führt zum Abbau von Arbeitsspitzen. Aber die wesentliche Entlastung sehen wir vor allem bei der Finanzverwaltung. Der Steuerpflichtige muss mehr Daten in kürzerer Zeit liefern. Der Staat baut Bürokratie ab und kann so seine Betriebsprüfungen weiter optimieren.

Stefan Kaufmann: Die Vorteile liegen eindeutig bei der Finanzverwaltung: Durch die neu eingeführte Datensammlung (nach Angaben der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft könnte allein die zu übermittelnde GuV-Rechnung etwa 250 Positionen betragen) wird die Finanzverwaltung in die Lage versetzt, die Betriebsprüfungen besser zu planen und risikoorientierter durchzuführen.

Wie können Sie Mandanten unterstützen?

Stefan Kaufmann: Wir sind nah am Gesetzgeber und haben eine klare Vorstellung, in welche Richtung es geht. Mandanten bereiten wir auf die prozessuale und technologische Umsetzung vor. Vor allem kommt es auf eine Schulung und Sensibilisierung der Steuer- und Buchhaltungskräfte an, damit diese gemäß den neuen gesetzlichen Anforderungen arbeiten können.

Wie - hoffen Sie - geht es weiter?

Thomas Müller: Die Anforderungen an die Jahresabschlüsse sollten nicht zu detailliert sein und sich auf die Daten beschränken, die auch bisher schon in der Steuerbilanz erfasst wurden. Aber das zu entscheiden, steht weder in unserer Macht noch in der der Unternehmen. Übergangsfristen sind jetzt vorgesehen. Unternehmen sollten diese Zeit nutzen, um sich schon heute konkrete Gedanken zu machen, welche Projektstrukturen und Ressourcen sie zur Umsetzung der Anforderungen brauchen werden.

Stefan Kaufmann: Das Bundesfinanzministerium geht insoweit auf die Vorschläge der Wirtschaft ein, als es im ersten Quartal 2011 eine freiwillige Pilotphase durchführen und dabei auch den Umfang der Taxonomie überprüfen wird. Die finale Taxonomie - inklusive der Spezialtaxonomien - wird nach den derzeitigen Plänen der Finanzverwaltung im Juni 2011 veröffentlicht.

 

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