Studie: Wie gut sind Unternehmen auf den demografischen Wandel vorbereitet?

Unternehmen haben erkannt, dass der demografische Wandel ein ernstzunehmendes Risiko für ihre Wettbewerbsfähigkeit darstellt. 97 Prozent bestätigen, dass ihnen das Thema sehr wichtig ist. Der Anteil älterer Kollegen an der Belegschaft wird in den kommenden Jahren deutlich wachsen, weniger jüngere Mitarbeiter rücken nach. Darauf müssen sich die Firmen vorbereiten. In der Studie "Demografiemanagement 2011" untersuchen PwC-Experten in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, inwieweit Unternehmen sich bereits auf diesen grundlegenden Wandel der Arbeitswelt eingestellt haben.

Der deutschen Wirtschaft gehen die Fachkräfte aus. Das Thema hat im Sommer 2011 erneut politische Debatten um den Zuzug von jungen Arbeitskräften aus dem Ausland ausgelöst. Schon jetzt haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, ihren Bedarf an Mitarbeitern zu decken. Das Problem wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen: Bis 2020 wird die Zahl der Berufstätigen um rund sieben Prozent sinken, bis 2030 um weitere zwölf Prozent. Zurzeit ist ein Viertel der Kollegen 50 oder älter, bis 2020 werden das 35 Prozent sein.

Wie gehen die Unternehmen mit dem demografischen Wandel um? Das hat PwC zusammen mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin untersucht. Für die Studie "Demografiemanagement 2011" wurden 46 Unternehmen befragt. Die Analyse ermöglicht einen Vergleich mit der Vorgängerstudie von 2008.

Den Unternehmen fehlen vor allem Ingenieure

Die Unternehmen sind sich bewusst, dass sie sich mit dem Thema beschäftigen müssen. Aus dem demografischen Wandel ergeben sich Kapazitäts- und Produktivitätsrisiken, die die Wettbewerbsfähigkeit einer Firma beeinträchtigen können. Die Wichtigkeit des Themas bestätigen 97 Prozent der Befragten; 2008 waren das nur 95 Prozent.

Besonderen Bedarf sehen die Unternehmen in den Bereichen Marketing/Vertrieb, Produktion/Fertigung und Personal. Ihnen fehlen vor allem Ingenieure. An zweiter Stelle folgen Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler, an dritter Stelle Naturwissenschaftler. "Die Unternehmen sind in den vergangenen drei Jahren deutlich problembewusster und selbstkritischer geworden", sagt Till Lohmann, PwC-Experte für Personalmanagement. "Die Mehrheit schätzt sich als eher gut gerüstet für den demografischen Wandel ein, von 'sehr gut' möchte 2011 aber niemand sprechen."

Im Fokus: die finanziellen Folgen des Wandels

Doch was tun die Unternehmen konkret, um sich dem Wandel zu stellen? Zum Demografiemanagement gehören an erster Stelle eine umfassende Analyse der Altersstruktur und eine Prognose für die kommenden Jahrzehnte. Nahezu alle Unternehmen, 98 Prozent, prognostizieren 2011 die finanziellen Folgen des demografischen Wandels. 2008 waren das nur 26 Prozent. "Allerdings erfolgt das bislang noch weitgehend unsystematisch. Häufig stützen sich die Unternehmen nur auf einzelne Kennzahlen wie die Krankenquote ", so Lohmann.

Die Unternehmen schöpfen noch nicht alle Wege aus, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Die meisten konzentrieren sich derzeit darauf, junge Mitarbeiter vom externen Arbeitsmarkt anzuwerben. "Die Erschließung neuer Zielgruppen, ältere Kollegen, Frauen und Migranten, tritt dahinter zurück", sagt Lohmann.

Die klassischen Instrumente der Personalgewinnung werden allerdings langfristig nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Neben der Gewinnung neuer Fachkräfte wird es künftig noch wichtiger sein, Schlüsselkräfte langfristig an das Unternehmen zu binden. Die Firmen setzen derzeit vor allem auf Weiterbildungsangebote (94,4 Prozent), private Altersvorsorge (83,3 Prozent) und Familienfreundlichkeit (75 Prozent).

Karrieremodelle für ältere Kollegen

Zunehmend wird es auch wichtiger werden, ältere Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und ihnen adäquate Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Allerdings fehlen den Unternehmen bislang noch spezifische Karrieremodelle für ältere Kollegen, das gaben 74 Prozent der Befragten an. Hier gibt es seit 2008 kaum eine Verbesserung. Der Hauptfokus liegt bislang auf flexiblen Arbeitszeiten und einem ergonomischen Arbeitsplatz. "Häufig fehlt noch das Bewusstsein beim Topmanagement und den Führungskräften. Das ist die größte Hürde", so Lohmann.

Die Studie mit den vollständigen Ergebnissen wird hier zum Download angeboten. Die Vorgängerstudie "Pro 50 – Arbeit mit Zukunft" kann direkt über die Ansprechpartner bestellt werden.