Working Capital: Unternehmen lassen Kapital nutzlos liegen

„Unternehmen halten dringend benötigte Finanzmittel quasi in Händen, setzen sie aber nicht gewinnbringend für ihr Wachstum ein“, sagt PwC-Partner und Finanzierungsexperte Joachim Englert. Das ist ein Ergebnis der PwC-Studie „Cash for Growth“. Für sie wertete die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Daten der 7.388 größten Unternehmen weltweit aus. Bis zu 1,4 Billionen Euro sind nach diesen Kalkulationen unnötig gebunden – Geldmittel, die den Unternehmen an anderer Stelle für Investitionen fehlen.

„Unternehmen sind gut beraten, ihre Working-Capital-Quote konsequent zu optimieren“, sagt Englert. Das tun bisher jedoch die wenigsten: Nur neun Prozent aller Unternehmen weltweit haben kontinuierlich über drei Jahre hinweg dieses Ziel verfolgt, wie die Studie zeigt. Besonders europäische Firmen könnten weiter zulegen: Zwar haben sie im Hinblick auf Working Capital seit 2009 durchaus Fortschritte zu verzeichnen. Trotzdem bleibt Europa in diesem Punkt hinter vielen führenden Wirtschaftsregionen der Welt zurück.

500 Milliarden Euro an Kapital zusätzlich gebunden

2008, als unmittelbare Reaktion auf die Finanzkrise, haben sich Unternehmen darauf fokussiert, Working Capital zu reduzieren, um Kapital freizusetzen. Sie mussten eine Antwort auf die sinkende Kreditbereitschaft der Banken finden. Mit der wirtschaftlichen Erholung ist das Thema aber wieder in den Hintergrund getreten. Die Folge: Weltweit haben Unternehmen in den zurückliegenden vier Jahren noch einmal 500 Milliarden Euro Working Capital zusätzlich gebunden, statt das Geld in Wachstum zu investieren.

Wichtige Instrumente, um diese schlummernden Reserven freizusetzen, sind kürzere Lagerzeiten oder das schnellere Einfordern ausstehender Zahlungen. Komplexe Lieferketten machen es allerdings nicht leicht, Warenbestände zu verschlanken. „Die Auslagerung der Produktion nach Fernost bietet Chancen, die Working-Capital-Quote zu optimieren“, sagt PwC-Finanzierungsexperte Hanns Dobringer.